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nflix news

*** Moonfall ***

 
dfdh kritik
 
Autor: Walter Hummer
 
Der neue Film von Roland Emmerich hätte vor fünfundzwanzig Jahren vielleicht ein Erfolg werden können. Allerdings wäre die Handlung damals auch schon furchtbar dumm gewesen …
 
The moonlit wings reflect the stars …
Vor zehn Jahren hat Astronaut Brian Harper ein Besatzungsmitglied bei einer Space-Shuttle-Mission verloren. Leider wollte ihm die NASA damals nicht glauben, dass eine geheimnisvolle Macht vom Mond aus die Raumschiffbesatzung angegriffen hatte. Seine Kollegin Jo Fowler konnte und wollte ihn damals nicht unterstützen. Mittlerweile hat Brian nicht nur seinen Job verloren, sondern auch sein Haus und seine Familie. Als der Mond plötzlich seine Umlaufbahn verlässt und eine Aufklärungsmission von derselben Macht angegriffen und vernichten wird, muss Fowler, die mittlerweile Chefin der NASA ist, ihren ehemaligen Kollegen um Hilfe bitten …
 
„Moonfall“ ist ein durch und durch lächerliches Machwerk. Die Handlung ist, sogar gemessen an Roland Emmerichs Maßstäben, kompletter Schwachsinn. Verglichen mit „Moonfall“ wirkt „Independence Day“ wie eine Folge von „Telekolleg Physik“. Und Emmerichs „2012“ kommt einem daneben vor wie der Wetterbericht im Anschluss an die Tagesschau. Es gibt Filme, bei denen man nicht zu viel über die Löcher in der Handlung nachdenken darf. Dann gibt es Filme, deren Stories die Intelligenz des Publikums beleidigen. Und dann gibt es „Moonfall“.
 
Ich mag gar nicht darauf eingehen, welche Teile der Handlung bloß dumm und welche kompletter Blödsinn sind. Vermutlich wird „Moonfall“ demnächst Material für jede Menge Memes liefern. Aber es geht gar nicht bloß um die unmögliche Physik des Mondes als von unseren außerirdischen Vorfahren erschaffene, künstliche Megastruktur. Selbst einfachste Kleinigkeiten der Handlung ergeben einfach gar keinen Sinn.
 
 
Wenn die NASA einen Astronauten diskreditieren will, wird die entsprechende Befragung im Fernsehen übertragen. Diese Befragung wird aber nur von gerade mal zwei Personen durchgeführt. Die Vertuschungsaktion wird also einerseits im Fernsehen gezeigt, inklusive der zwei Befragten ist man dabei aber bloß zu viert. Keine weiteren Offiziellen, keine weiteren Zeugen, keine Regierungsvertreter, und übrigens auch keine Reporter sind zu sehen. Und natürlich verliert der Astronaut umgehend sein Haus, seine Frau, seine Familie und vor allem seine Reputation. Trotzdem darf er später im berühmten Griffith-Observatorium Vorträge als Astronaut halten. Na was denn nun?
 
Am schrägsten ist es aber, dass Emmerich und seine Ko-Autoren Spenser Cohen und Harald Kloser uns im Jahr 2022 einen Film vorsetzen, in dem die Verschwörungstheoretiker Recht bekommen. Klar, der Mond war seit Milliarden Jahren eine künstliche Konstruktion und die NASA hat alles vertuscht. Die Aluhutträger haben es immer gewusst! Ich freue mich bereits auf Emmerichs nächsten Film über Reptiloiden auf der flachen Erde. Man kann bloß hoffen, er macht nie einen Film über die Corona-Pandemie.
 
Wie jeder gute Verschwörungstheoretiker nimmt Emmerich sich selbst und das was er geschrieben hat tatsächlich viel zu ernst. In einem Interview hat er sich erst kürzlich Parallelen zwischen der … ähm, … „Handlung“ von „Moonfall“ und dem Leugnen des Klimawandels zurecht gesponnen. Wenn Emmerich wirklich nicht merkt, wie sein Film jeden Wissenschaftsleugner ermutigt und in seiner Haltung bestätigt, muss man sich auch nicht wundern, wie der Mann solche Drehbücher schreiben und verfilmen kann.
 
01 ©2022 Leonine Studios02 ©2022 Leonine Studios03 ©2022 Leonine Studios04 ©2022 Leonine Studios
 
Hurry boy, it’s waiting there for you!
 
Aber Emmerich ist ja nicht nur Drehbuchautor sondern auch Regisseur dieses absurden Films. Der Mann hatte vor über Dreißig Jahren Glück, als zwei seiner ersten Arbeiten in Hollywood, die vergleichsweise billigen Science-Fiction-Filme „Moon 44“ und „Universal Soldier“, überraschend erfolgreich waren. Bei diesen beiden Filmen hatte Emmerich noch nicht am Drehbuch mitgeschrieben. Das sollte sich aber bereits bei „Stargate“ ändern. „Stargate“ war ein ziemlicher dummer, aber hochwertig produzierter Film, der nicht zuletzt aufgrund der aufwendigen Werbekampagne sehr erfolgreich war.
 
Das Konzept „dummes Drehbuch, hochwertige Produktion, aufwendige Werbekampagne“ sollte für Emmerich mit Filmen wie „Independence Day“, „Godzilla“ oder „2012“noch so oft funktionieren, dass es mittlerweile leider dutzendfach kopiert wurde. Emmerich selbst scheint aber nicht bemerkt zu haben, wie sich die Zeiten geändert haben. „Moonfall“ wäre 1995 vielleicht der größte Kracher des Jahres gewesen. In den frühen Zweitausendern hätte der Film noch für Teile des Publikums einen gewissen Reiz haben können. Aber 2022 ist dieser Film unter anderem auch deshalb skurril, weil seine Macher gar nicht bemerken, wie oft wir das alles schon in anderen Filmen gesehen haben. Und meistens besser.
 
Die ersten fünf Minuten von „Moonfall“ sind technisch ganz gut gemacht. Dummerweise erinnern sie frappant an die Anfangssequenz von „Gravity“, die leider bereits vor neun Jahren technisch hervorragend gemacht war. In einer Nebenhandlung, die nichts zum Film beiträgt, sehen wir eine Autoverfolgungsjagd. Die ergibt physikalisch keinerlei Sinn, erinnert aber leider an die vielen besser gemachten, physikalisch unmöglichen Autoverfolgungsjagden in den vielen Filmen der „Fast & Furious“-Reihe.
 
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Emmerich bedient sich auch bei sich selbst. Wenn ein Raumschiff durch das Innere des Mondes fliegt, erinnert das unwillkürlich an das Finale von „Independence Day“. Immer wieder sehen wir Verwüstungen der Erdoberfläche, die wie Outtakes von „2012“ wirken. Dazwischen hören wir pathetische Dialoge, die wie verworfene Entwürfe zu Bill Pullmans Rede aus „Independence Day“ klingen. Und erinnern wir uns noch, wie Amanda Peets neuer Ehemann auf den letzten Metern von „2012“ dran glauben musste, damit sie wieder mit ihrem Exmann John Cusack zusammenkommen konnte? Ich will nicht zu viel verraten. Aber das Ende einer bestimmten Nebenfigur kommt hier nicht sehr überraschend.
 
There’s nothing that a hundred men or more can ever do
 
Patrick Wilson ist kein schlechter Schauspieler. In der passenden Rolle unter der richtigen Regie kann er durchaus Wirkung entfalten. Das hat er in Filmen wie „Watchmen“ oder „Little Children“ gezeigt. Die Rolle des Astronauten Brian Harper ist nicht die passende Rolle und Emmerich ist nicht der richtige Regisseur. Wilson macht hier nichts falsch, er macht aber auch nichts richtig. Er ist bloß irgendwie auf der Leinwand zu sehen und das ist für einen Helden ein bisserl wenig.
 
Halle Berrys letzter echter Erfolgsfilm liegt schon eine ganze Weile zurück. In den letzten Jahren hat sie vor allem Nebenrollen in bekannten Filmen gespielt („Kingsman: The Golden Circle“) oder Hauptrollen in unbekannten Filmen („The Call“, „Bruised“). Genau genommen wäre ihre Rolle als Astronautin und NASA-Chefin eine Hauptrolle. Frau Berry spielt sie aber als Statistenrolle. Berry schafft es neben Patrick Wilsons außerordentlich schwacher Leinwandpräsenz trotzdem im Hintergrund zu bleiben.
 
Donald Sutherland war vor langer Zeit nicht bloß ein Star sondern auch ein hochgeschätzter Charakterdarsteller. Leider erinnert sich kaum noch jemand an seine Leistungen in Filmen wie „Wenn die Gondeln Trauer tragen“, „1900“ oder „Klute“. In den letzten Jahrzehnten kennt man ihn als unheimlichen alten Mann aus Filmen wie „Die Tribute von Panem“ oder „Ad Astra“. Hier hat er eine einzige, komplett überflüssige Szene in seiner Paraderolle des unheimlichen alten Mannes. Wenn Sutherland sich davon seine Rente aufbessern kann, soll es uns recht sein. Der Film wird davon nicht besser.
 
John Bradley-West kennen Fans der Serie aus „Game of Thrones“. In „Moonfall“ kann er einem beinahe leidtun. Nicht bloß weil seine Rolle bescheuert ist. Sondern weil ganz offensichtlich ist, welch lange Liste von Darstellern diese Rolle vor ihm abgelehnt haben. Wenn seine Leistung immer noch das Beste am ganzen Film ist, sagt das nur wenig über Bradley-West aus und jede Menge über den Film.
 
Fazit
 
Emmerichs altes Konzept „dummes Drehbuch, hochwertige Produktion, aufwendige Werbekampagne“ geht nicht mehr auf. Zum einen weil wir nicht mehr 1995 haben. Zum anderen, weil die Produktion gar nicht mehr so hochwertig ist und das Studio daher nicht mehr so viel Geld in die Werbekampagne steckt. So bleibt nur noch das dumme Drehbuch.
 
 
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