*** Contra ***

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dfdh kritik
 
Autor: Peter Osteried
 
Es ist die Kunst der freien Rede, die Schönheit der Rhetorik, die im Mittelpunkt von CONTRA steht, einer Komödie, in der Christoph Maria Herbst ganz in seinem Element ist. Er ist ein Zyniker, ein Mann, der sich nach außen widerlich gibt, aber in dem mehr steckt, als er erkennen lässt. Und: Die Dialoge sind von erlesenem Schliff.
 
Die Kunst der Debatte
 
Naima Hamid (Nilam Farooq) ist neu an der Universität – und im Fach von Professor Pohl (Christoph Maria Herbst), der sie, weil sie zu spät ist, erstmal rhetorisch zerlegt. Etwas, das andere Studenten mit dem Handy aufnehmen. Da Pohls Rede durchaus rassistisch aufgenommen werden könnte, sieht er sich nun dem Problem gegenüber, dass ein Disziplinarausschuss über seine weitere Anstellung an der Universität entscheiden wird. Man rät ihm, Naima unter seine Fittiche zu nehmen und für einen bundesweiten Debattierwettbewerb fit zu machen. Was er nicht gedacht hätte: Naima hat tatsächlich das Zeug, diesen Wettbewerb zu gewinnen.
 
 
Neue Version
 
Im Grunde überrascht es kaum noch, dass wirklich gute deutsche Komödien selten deutschen Ursprungs sind. Das gilt auch für CONTRA, denn hierbei handelt es sich um ein Remake des französischen DIE BRILLANTE MADEMOISELLE NEILA aus dem Jahr 2017. Filme wie DER VORNAME (auch mit Christoph Maria Herbst) oder DAS PERFEKTE GEHEIMNIS basierten ebenfalls auf europäischen Vorlagen. Was auch sie auszeichnete: Sie konnten eigene Akzente setzen.
 
Das gelingt auch Sönke Wortmann mit seinem CONTRA, denn im Gegenteil zum Original hat er den Klischee-Ballast der Geschichte deutlich gestutzt. Das französische Original zeichnete die weibliche Hauptfigur als totale Klischee-Muslima. Darin erging sich der Film auch in einer Form von Rassismus, die CONTRA fehlt. Denn in Wortmanns Film ist Naima eine moderne, junge Frau, die ihre Wurzeln nicht verleugnet, aber in diesem Land angekommen ist. Sie will etwas aus sich machen, sie ist willensstark, sie ist leidenschaftlich und sie erkennt, dass in Professor Pohl mehr steckt, als der erste Anschein erahnen ließ.
 
01 ©2020 Constantin Film02 ©2020 Constantin Film03 ©2020 Constantin Film04 ©2020 Constantin Film
 
Geschliffene Dialoge
 
Der Film lebt von seinen hervorragenden Dialogen. Man kann sich in sie richtig verlieben. So gekonnt und elegant wie hier findet man das im deutschen Film nur selten. Aber es ist die pure Freude, ihnen zu lauschen – sei es bei Naimas Debattenbeiträgen, aber auch im Gespräch mit ihrem Freund Mo oder mit dem Professor.
 
Christoph Maria Herbst und Nilam Farooq sind ein hervorragendes Duo. Sie bedienen die Stärken des jeweils anderen sehr effektiv. Herbst ist mal wieder Zyniker, der vom Leben Gezeichnete, der nichts und niemanden mehr an sich heranlässt, sondern sich hinter seinen großen Worten versteckt. Farooq ist eine starke, junge Frau, die dem alten weißen Mann Paroli bieten kann. Wenn sie sich einen verbalen Schlagabtausch liefern, dann ist das entzückend.
 
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Der Humor ist dabei immer intelligent, wobei die Dialoge bisweilen auch mit ihrer Komik überraschen können.
 
CONTRA ist Kino, das sich an ein Publikum richtet, welches die typischen deutschen Komödien leid ist. Dies ist ein Film, der die Intelligenz nicht beleidigt, sondern herausfordert, der etwas über unsere Gesellschaft zu sagen hat, der zum Nachdenken anregt, der noch lange nachwirkt.
 
Fazit
 
Eine hervorragende Komödie, die von den beiden gut aufgelegten Hauptdarstellern, aber auch von den fein austarierten Dialogen lebt und neben allem Humor auch über reichlich Tiefgang verfügt. Solche Filme möchte man gerne häufiger sehen.
 
 
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