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Kritik: Bibi & Tina: Einfach anders

 
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Autor: Walter Hummer
 
Volljährige Leser*innen mögen überrascht sein: „Bibi & Tina - Einfach Anders“ ist bereits der fünfte Teil der Serie rund um eine halbwüchsige Hexe, ihre Freundin und jede Menge Pferde. Und da haben wir „Bibi & Tina – Die Serie“ noch gar nicht erwähnt …
 
Wir jagen im Wind, wir reiten geschwind, …
 
Es tut sich so einiges, zwischen Martinshof und Schloss Falkenstein. Erst fallen Meteoriten auf die Erde und mit ihnen noch etwas ganz Besonderes. Dann sollen einige schwierige Jugendliche den Sommer auf dem Martinshof verbringen. Graf Falko muss zwar nicht ins Gefängnis, verliert aber seinen Titel und damit sein Schloss. Es gibt Geheimnisse aufzudecken und Rätsel zu lösen und irgendwann wird alles ein bisschen viel …
 
Detlev Buck kannte ich lange Zeit (und vor langer Zeit) vor allem als Regisseur herrlicher schräger, kleiner Filme wie „Karniggels“. Sein „Wir können auch anders …“ von 1993 war einer der witzigsten Filme zu Wende (und lange Zeit auch der einzige witzige Film zur Wende). Durch „Männerpension“ von 1996 haben Heike Makatsch, Marie Bäumer und im geringeren Maße sogar Jenny Elvers eine Filmkarriere bekommen und das Publikum konnte Til Schweiger für so etwas wie einen Schauspieler halten. Ein Irrtum dem Schweiger selbst bis heute unterliegt.
 
 
In den letzten Jahren drehte Buck unter anderem gefällige Komödien über die Schwierigkeiten zwischen den Geschlechtern („Rubbeldiekatz“, „Wuff“). Aber das möchten wir ihm nicht zum Vorwurf machen. Zum einen macht Buck das gar nicht schlecht. Zum anderen ist das in Deutschland Gesetz: Sobald ein Regisseur halbwegs erfolgreich ist, müssen die Hälfte seiner Filme gefällige Komödien über die Schwierigkeiten zwischen den Geschlechtern sein. Steht so in Paragraph 1, Absatz 1 des deutschen Filmförderungsgesetzes. Nur so kann gewährleistet werden, dass der größte Teil der heimischen Filmproduktion aus gefälligen Komödien über die Schwierigkeiten zwischen den Geschlechtern besteht. Gefällige Komödien über die Schwierigkeiten zwischen den Geschlechtern sind ein wichtiger Teil der deutschen Leitkultur.
 
Zurück zu Buck: So ganz nebenbei und von Erwachsenen ohne weibliche Kinder weitgehend unbemerkt, hat Buck in den letzten Jahren eine beträchtliche Anzahl von Kinder- und Jugendfilmen mit Pferden gedreht: „Hände weg von Mississippi“ , „Bibi & Tina“, „Bibi & Tina – Voll verhext“, „Bibi & Tina – Mädchen gegen Jungs“, „Bibi & Tina – Tohuwabohu total“ und nun „Bibi & Tina - Einfach Anders“. In sechs der zwölf von Detlev Buck inszenierten Filme der letzten fünfzehn Jahre geht es um Halbwüchsige und Pferde. Da hat wohl jemand eine Nische für sich entdeckt.
 
Und Buck hat sich in seiner Nische gut eingelebt. Erst vor kurzem kam mit „Immenhof – Das große Versprechen“ ein Film über Adoleszente und Pferde in die Kinos, der seine hanebüchene Story und seine lächerlichen Figuren so tierisch ernstgenommen hat, dass er unfreiwillig komisch war. Hier zeigt sich, welchen Unterschied Können und vor allem Erfahrung ausmachen. Buck hat bisher zwei Dutzend Filme inszeniert (unter anderem solche kleinen Juwelen wie „Die Bekenntnisse des Hochstaplers Felix Krull“) und in einer langen Liste von Filmen als Schauspieler mitgewirkt (Bucks Darstellung des homophilen Gangsters in „Contact High“ muss man gesehen haben). Daher weiß dieser Regisseur, was er tut.
 
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Natürlich ist auch hier die Story hanebüchen. Und es sind ja nicht weniger als drei Haupthandlungsfäden, die hier zu einem für Kinder spannenden Ganzen verknüpft werden. Aber Buck weiß, wie wichtig es ist, gerade lächerliche Stories immer wieder mit Humor zu würzen und teilweise sogar zu unterbrechen. Nehmt das Ganze nicht zu ernst. Diese Lektion müssen nicht nur die Macher von „Immenhof“ noch lernen. Wie viel weniger lächerlich wären die vielen Teile der „Fast & Furious“-Reihe ausgefallen, hätte der immer schwerer werdende Hauptdarsteller irgendwann mal Sinn für Humor erkennen lassen?
 
Und natürlich fragt man sich als Erwachsener, warum die Protagonist*innen dauernd überall hin reiten müssen. Aber wie viele bedauernswerte Begleiterinnen saßen schon in Kinosälen und haben sich gefragt, warum die Protagonisten in „Fast & Furious“-Filmen immer alle dauernd so schnell mit ihren Autos fahren müssen? Und dann immer einzeln. Das sind doch große Autos. Da könnte man doch auch zusammen fahren. Wäre doch viel netter so.
 
In „Bibi & Tina - Einfach Anders“ wird auch wieder gesungen. Unter den Liedern findet sich keines, was mich danach auf spotify suchen ließe. Und die Stimmen der jungen Interpretinnen lassen hoffen, dass jede von ihnen auch noch etwas Ordentliches lernt. Aber die eingängigen Liedchen werden junge Damen zwischen sechs und zwölf Jahren durchaus ansprechen. Die Frage, warum hier immer wieder gesungen wird, ist also vergleichbar mit der Frage, warum die Herrschaften bei „Fast & Furious“ immer schon am Stand so viel Gas geben müssen.
 
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Ich umarm, Du umarmst, wir umarmen uns
 
Natürlich geht es auch bei „Bibi & Tina - Einfach Anders“ nicht ganz ohne problematische Probleme, dramatisches Drama und pathetisches Pathos ab. Und Drehbuchautorin Bettina Börgerding (Drehbücher u.a. zu jedem anderen Film dieser Reihe aber auch zu „Mein Lotta-Leben“) weiß, am Ende muss natürlich alles gut ausgehen. Also schmeißen Buck und Börgerding eine Runde Happy Ends für alle. Dabei wird ebenso dick aufgetragen wie bei den stets versöhnlichen Botschaften des Films (Zitat: „Wer sich nur Schlechtes für andere wünscht, darf nicht gewinnen.“). Trotzdem wird nicht halb so viel von Familie gequatscht wie bei „Schnell und wütend“.
 
Katharina Hirschberg als Bibi und Harriet Herbig-Matten als Tina sind nach „Bibi & Tina – Die Serie“ nun zum ersten Mal auf der großen Leinwand zu sehen. Beide wirken in ihren Rollen sympathisch. Auch hier zeigt sich wieder wie wichtig ein erfahrener Regisseur gerade für Nachwuchsdarsteller*innen ist. Die beiden Hauptdarstellerinnen und die anderen jungen Darsteller*innen spielen so natürlich, wie es ihnen in einem Film über Hexen, Pferde und Außerirdische möglich ist. Die jungen Damen und Herren sind vielleicht nicht alle große Schauspieltalente. Aber niemand übertreibt zu sehr. Niemand schmiert. Das kennen wir von den meisten Filmen mit Jung-Darsteller*innen anders. Von der „Fast & Furious“-Reihe sowieso.
 
Die erwachsenen Darsteller*innen haben hauptsächlich die ahnungslosen Deppen zu geben. Das ist in solchen Filmen nun mal so und gelingt der einen besser, dem anderen weniger gut. Aber erwachsene Darsteller*innen haben in Filmen wie diesem die gleiche Aufgabe und den gleichen Wert wie die Frauen in der „Fast & Furious“-Filmen: sie sind bloße Handlungselemente. Und weil keine der erwachsenen Darsteller*innen dieses Films Michelle Rodríguez heißt, liegt auch hier „Bibi & Tina - Einfach Anders“ wieder vorn.
 
Fazit
 
Im mittlerweile fünften Teil der Filmreihe gibt es neue Gesichter zu sehen. Im Grund bleibt aber alles beim Alten. Die kompetente Regie und das gefällige Drehbuch liefern solide Unterhaltung für Mädchen zwischen sechs und zwölf Jahren. Die erwachsenen Begleitpersonen werden es aushalten.
 
 
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