*** Sing: Die Show deines Lebens ***

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*** Sing: Die Show deines Lebens ***


 
dfdh kritik
 
Autor: Walter Hummer
 
Wie fast jeder von einem großen Studio mit beträchtlichem Aufwand produzierte und mit beträchtlichem Werbeaufwand ins Kino gebrachte Film hat „Sing“ 2016 eine Menge Geld eingespielt. Und deshalb kommt nun auch die Fortsetzung ins Kino …
 
Let’s go crazy
 
Das Theater konnte im ersten Film gerettet werden. Die großartigen Sänger sorgen jeden Abend für ein ausverkauftes Haus. Aber aus irgendeinem Grund will Koala Buster mit seiner Truppe unbedingt in einer Stadt namens Redshore City auftreten, die wie eine Cartoon-Version von Las Vegas aussieht. Warum die Talentsucherin aus Redshore City kein Interesse an den großartigen Talenten in Busters Theater hat, bleibt unklar. Jedenfalls muss sich Buster deshalb einen Trick ausdenken, um doch noch das ersehnte Engagement zu bekommen …
 
Es gibt grundsätzlich drei Arten von Fortsetzungen: Die beste Art von Fortsetzung verwendet Figuren und Motive des vorangegangen Films und zeigt diese in einem neuen Kontext. „Terminator 2“ ist, nicht nur in dieser Hinsicht, immer noch eine der besten Fortsetzungen aller Zeiten. Dann gibt es Filme, die praktisch die gleiche Story leicht variiert nochmal erzählen. Die weitaus meisten Fortsetzungen von „Rocky II“ über die „Police Academy“-Serie bis zu „Frozen 2“ gehören in diese Kategorie.
 
 
Und dann gibt es Fortsetzungen, die keinen Sinn ergeben, weil sie ihren Vorgängerfilmen widersprechen oder diese ignorieren. „Mamma Mia – Here we go again“ ergibt chronologisch keinerlei Sinn. In „Rambo: Last Blood“ wird der Held nach Jahrzehnten zum Sadisten. Und in „Highlander 2“ kommen die Unsterblichen plötzlich von einem anderen Planeten. „Sing – Die Show deines Lebens“ ist sicher nicht so schlecht wie „Highlander 2“. Es gibt zum Glück kaum Filme, die so schlecht sind wie „Highlander 2“. Aber vieles an der Fortsetzung zu „Sing“ ist so ärgerlich, dass der Film in diese dritte Kategorie gehört.
 
Ich weiß, ich kritisiere hier einen Animationsfilm für seine Handlung. Aber diese Handlung ist nun mal der Hauptkritikpunkt dieses Films. Sie ist einfallslos und trotzdem voller Löcher. Vor zwanzig oder dreißig Jahren hätte man das vielleicht noch abgetan. Aber bei Pixar verfilmt man mittlerweile Drehbücher, die uns unterhalten und nebenbei erklären wie Depressionen entstehen oder warum man Verstorbener gedenken soll. Aus Japan kommen immer wieder lyrische Meditationen wie „Das wandelnde Schloss“ oder „Das Mädchen das die Sonne berührte“. Und aktuell läuft mit „Encanto“ ein Film in den Kinos ,der uns unterhaltsam vermittelt, das Besondere in jedem Menschen zu erkennen und zu schätzen.
 
Where the streets have no name (Spoiler)
 
Wir sind mittlerweile also auch von Animationsfilmen einfach Besseres gewohnt als eine unmotivierte Handlung voller Löcher, die passable Karaoke-Nummern miteinander verbindet. Wieso muss die Truppe Hals über Kopf die Stadt verlassen, wenn sie daheim täglich vor ausverkauftem Haus auftritt? Würde das nicht erst recht das Theater ruinieren? Ist Buster nicht ein Betrüger und Lügner? Und wofür wird der Bösewicht am Ende verhaftet?
 
01 ©2022 Universal Pictures02 ©2022 Universal Pictures03 ©2022 Universal Pictures04 ©2022 Universal Pictures
 
Und warum muss jede einzelne Figur eine eigene Nebenhandlung haben, wenn die doch alle vorhersehbar und witzlos sind? Johnnys Tanzlehrer ist gemein, also bringt ihm eine coole Straßenkatze das Tanzen bei. Elefantendame Meena kann nicht verliebt singen, also verliebt sie sich in den Eisverkäufer. Schwein Rosita hat Höhenangst und verliert ihre Rolle, bekommt sie aber wieder und hat dann auch keine Höhenangst mehr. Keiner dieser Handlungsfäden bekommt mehr als vier oder fünf Szenen zugestanden. Und keine dieser Szenen ist witzig.
 
Auch für seinen Bösewicht nimmt sich der Film keine Zeit und zeigt kein Interesse an der Figur. Der Bösewicht ist entweder ein Musikproduzent oder Hoteltycoon, das bleibt im Film unklar. Wieso er böse ist oder was er mit seiner Bosheit erreichen möchte, bleibt ebenso unklar. Er ist böse, weil die Haupthandlung einen Bösewicht braucht. Wir erfahren also nie, was den Bösewicht antreibt, so wie wir nie erfahren, was den Helden antreibt. Da passt es natürlich, wenn der Bösewicht ebenso wenig witzig ist wie der Held.
 
Vermutlich ist es sogar besser, sich nicht zu lange mit diesen banalen Figuren und ihren banalen Geschichten aufzuhalten. Aber was sollen wir mit der Geschichte des zurückgezogen lebenden Stars Clay Calloway anfangen? Buster behauptet, Calloway würde in der Show mitwirken. Warum, erfahren wir nicht. Dann wird Calloway von verschiedenen Mitgliedern der Truppe gestalkt, erinnert sich an seine verstorbene Frau und ist daraufhin bereit, nach fünfzehn Jahren wieder mit einem Haufen Fremder aufzutreten. Lampenfieber überwindet der Altstar nach einem Besuch des Geistes seiner verstorbenen Frau.
 
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Was soll das alles? Welchen Sinn soll das ergeben? Und vor allem, was soll der geschmacklose Taschenspielertrick mit der verstorbenen Frau des Stars? Wir erfahren nicht einmal, woran sie gestorben ist. Vermutlich an Filmkrebs, aber wir wissen es nicht, weil der Film keinerlei Interesse an seinen Figuren hat. Was hat sich Regisseur und Drehbuchautor Garth Jennings bei all dem gedacht? Hat er sich dabei überhaupt etwas gedacht? Oder hatte er nur den Starttermin des Films vor Augen?
 
I still haven’t found what I’m looking for
 
Und warum ist der zurückgezogene Rockstar ein Löwe, wenn er dann im Original die Stimme von Bono hat? Hatte Bruce Springsteen keinen Bock auf diesen Unfug? In der deutschen Version wird der Löwe übrigens von Peter Maffay synchronisiert. Für die jüngeren Leser*innen: Peter Maffay ist ein alter Schlagersänger, der gerne ein Rocker wäre. Seine Verpflichtung hätte vielleicht Sinn ergeben, wenn er im Film gesungen hätte. Weil man bei den Gesangsnummern aber auch in der deutschen Version die Originalstimmen hört, ist das leider nicht der Fall.
 
Während in der Originalversion Matthew McConaughey dem Koala Buster seine Stimme leiht, hören wir in der deutschen Version Bastian Bastewka. Ist es nicht interessant, dass bei deutschen Filmverleihunternehmen Menschen arbeiten, die Matthew McConaugheys Stimme an Bastian Bastewka erinnert? Bastewka klingt hier nicht anders als in „Stuart Little“, „Madagascar“ und seinen vielen anderen Synchronrollen.
 
Die Stimme der großen Katharina Thalbach („Die Blechtrommel“) klang vor zwanzig Jahren in „Lilo & Stitch“ intelligent und würdevoll. Hier stiehlt sie ihren Kollegen als verwirrte Leguandame akustisch die Show.
 
Die anderen deutschen Synchronsprecher*innen wie Alexandra Maria Lara, Stefanie Kloß, Iris Berben und Wotan Wilke Wöhring machen keinen schlechten Job. Ihre Arbeit entspricht, wie auch die visuelle Gestaltung des Films, dem was wir in den letzten Jahren von Animationsfilmen großer Studios gewohnt sind. Weil sich auf der Leinwand sehr viel tut, werden Kinder zwischen sechs und zehn Jahren sicher halbwegs unterhalten werden. Älteren Kindern wird das Ganze wohl schnell zu kindisch.
 
Fazit
 
Visuell ebenso hochwertig wie der erste Film, verdirbt das schlampige, einfallslose und vor allem weitgehend witzlose Drehbuch diese Fortsetzung für jeden erwachsenen Kinofan.
 
 
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