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Kritik: Freibad

 
dfdh kritik
 
Autor: Walter Hummer
 
Letztes Jahr brachte Marcus H. Rosenmüller eine Komödie über Integrationsschwierigkeiten im Freibad ins Kino. Doris Dörries neuester Film spielt in einem Freibad und behandelt unter anderem Integrationsschwierigkeiten …
 
Wouldn’t it be nice
 
Im einzigen Frauenfreibad Deutschlands sind die Damen unter sich. Man sollte annehmen, es würde dort idyllisch und erholsam zugehen. Aber weit gefehlt. Jung hat Probleme mit Alt und Alt mit Jung. Einheimische haben Problem mit Fremden. Fremde haben Probleme mit Einheimischen und deren Bräuchen und Ernährungsgewohnheiten. Oben-Ohne-Badende haben Probleme mit Burkini-Trägerinnen und so weiter und so fort. Und jede der Damen hat Probleme mit sich selbst. Kein Wunder, dass bald die Fetzen fliegen …
 
„Tragisch kann jeder. Lustig ist besonders schwer“ meint Doris Dörrie im Interview zu ihrem neuen Film. Stimmt. Und auch die Frau, die uns mit ihren Dramen wie „Kirschblüten - Hanami“ immer wieder begeistert, tut sich mit Komödien offensichtlich besonders schwer. Ihr Erstling „Männer“ war ein Überraschungserfolg. Aber das war 1985, als eine andere deutsche Komödie „Didi und die Rache der Enterbten“ und der größte internationale Hit „Police Academy“ hießen. Es gibt einen guten Grund, warum „Männer“ heute kaum noch im Fernsehen gezeigt wird.
 
 
Dörries „Ich und Er“ war sogar gemessen am Standard von 1988 gleichzeitig zottig und verklemmt. Mit „Geld“ brachte Dörrie eine Komödie in die Kinos, die weitgehend frei von witzigen Stellen war. Vor zwölf Jahren war „Die Friseuse“ durchaus unterhaltsam. Aber mit „Alles Inklusive“ wollte Dörrie zu viel auf einmal und hat am Ende nicht viel erreicht.
 
Und auch mit „Freibad“ hat sich die profilierteste Regisseurin des deutschsprachigen Films viel vorgenommen. In dem Film geht es um würdevolles Altern, Generationenkonflikte, Verluste, Body-Positivity und Integrationsprobleme. Eine recht beachtliche Liste anspruchsvoller Themen für eine Komödie, die über weite Strecken weder besonders anspruchsvoll noch besonders witzig wirkt.
 
Und nicht nur wegen des Orts der Handlung fühlt man sich immer wieder an Marcus H. Rosenmüller erinnert. Auch Rosenmüller bedient sich immer wieder anspruchsvoller Themen, denen er dann in seinen gefälligen Komödien nicht gerecht wird. Auch bei Rosenmüller wird das beschaulich Provinzielle als erhaltens- und beschützenswert präsentiert. Auch bei Rosenmüller müssen Darsteller*innen unbedingt bayerisch sprechen. Auch bei Rosenmüller wird die Handlung albern, wenn sie besser interessant geworden wäre. Auch bei Rosenmüller gibt es Happy-Ends für alle obwohl die Probleme und Konflikte der Protagonist*innen kaum oder bestenfalls oberflächlich gelöst wurden.
 
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Aber Doris Dörrie ist nicht Marcus H. Rosenmüller. Dörrie kann mehr. Sie spielt in einer anderen Liga. Und teilweise sieht man das auch in „Freibad“. Bilder des Schwimmbeckens mit einer zunehmenden Zahl an Schwimmtieren verdeutlichen das Verstreichen der Zeit. Der Anblick der sterilen Behausung einer wohlsituierten, verheirateten Frau vermittelt ihre Einsamkeit besser als jeder Dialog. Aber irgendwie mag Dörrie diesmal ihren Bildern und Darsteller*innen nicht recht vertrauen.
 
Immer wieder wird die Handlung erklärt, statt einfach gezeigt. Immer wieder müssen Schauspieler*innen erklären was ihre Figuren umtreibt, statt das einfach darzustellen. Und ständig hören wir Dialog. Und nur wenig davon ist gut. „Deine Tasche winselt“ ist der überflüssige Kommentar zu einem sehr schwachen visuellen Gag. Mit „kleine Bodenoffensive“ wird das uralte Klischee vom Abstecken des Liegeplatzes im Freibad überflüssigerweise auch noch erläutert. Und wenn man nicht mehr weiter weiß, lässt man die Figuren tätlich aufeinander losgehen. Das ergibt zwar keinen Sinn und bleibt im Verlauf der Handlung auch folgenlos. Aber ohrfeigende und schupsende Frauen sollen wohl witzig wirken.
 
Dabei hätte der Film so viel zu bieten. Jede seiner Figuren wäre für einen eigenen Film gut. Andrea Sawatzki spielt eine ehemalige Sängerin, die zu viel aufgeben musste und zu viel verloren hat und nun keinen weiteren Verlust mehr verkraften kann. Diese Figur lernen wir noch am besten kennen. Das aber bloß, weil wir die anderen Figuren kaum kennen lernen. Warum ist Gabis Ehemann immer abwesend? Warum trägt Yasemin Burkini, obwohl ihre Mutter im Bikini das Freibad besucht? Und warum sind sämtliche Frauen in diesem Film immer so aggressiv und zickig?
 
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An einer Stelle hören wir die Frage, „Was ist denn das für eine unfeministische Scheiße?“. Nun, das ist nicht unbedingt genau die Frage, die man den Drehbuchautorinnen Doris Dörrie, Karin Kaçi und Madeleine Fricke stellen möchte. Eher möchte man sie fragen, ob sie sich bewusst sind, welche Klischees sie bedienen, wenn sie das Frauenfreibad als Hexenkessel missgünstiger, frustrierter Weiber zeigen? Oder warum die weiblichen Badegäste bei der Ankunft des männlichen Bademeisters plötzlich alle so … ähm, … hormonell reagieren müssen? Es mag Filmfans geben, die das witzig finden. Aber das ist dann vielleicht Beifall von der falschen Seite.
 
Dream a little dream of me
 
Wenn Andrea Sawatzki („HERRliche Zeiten“) nun bereits zum zweiten Mal unter Dörries Regie bayerisch reden darf, zeigt das bloß, dass die Hannoveranerin Dörrie selbst nach vielen Jahren in München nie wirklich ein Ohr für die dortige Mundart entwickelt hat. Sawatzki ist zwar gebürtige Oberbayerin, klingt aber leider wie eine Nebenfigur aus einem Film von Bully Herbig. Davon abgesehen spielt sie ihre Rolle über die Grenzen des nachlässigen Drehbuchs hinaus. Sie wirkt bitterböse und verletzlich, gemein und verzweifelt, durchtrieben und untröstlich. Sawatzkis Eva nervt und tut uns leid.
 
Nilam Farooqs („Contra“) Figur tut uns nicht leid. Sie nervt nur. Das ist nicht Farooqs Schuld, sondern die des Drehbuchs. Der Film gönnt uns an keiner Stelle auch nur zwei Minuten Zeit, damit wir diese Yasemin kennenlernen könnten. Also geht uns ihre zickige Aggression bald auf die Nerven. Wenn Yasemin am Ende zwei interessante Dialogzeilen rausbrüllen darf, kommt das für diese Figur, ihre Darstellerin und auch fürs Publikum viel zu spät.
 
Maria Happel („SOKO Donau“) spielt Evas Freundin Gabi. Auch diese Rolle wurde nie richtig zu Ende geschrieben. Wenn diese Gaby uns trotzdem leidtut, dann weil auch Maria Happel besser spielt als das Drehbuch geschrieben ist.
 
Lisa Wagner („Kommisarin Heller“) macht aus ihren wenigen Szenen das Beste. Sie spielt die überforderte, mit ihrem Körper unzufriedene Freibadbetreiberin so wunderbar natürlich, man gönnt ihrer Figur sogar die überzogenen Eintrittsgelder und das lächerliche Happy-End.
 
Fazit
 
Doris Dörrie hat eine Art Marcus-H.-Rosenmüller-Komödie gedreht. Vielleicht um zu zeigen, dass sie auch das kann? Leider liegt sie damit falsch und der Film funktioniert nie so richtig. Daran kann die hervorragende Besetzung nicht viel ändern.
 
 
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