*** The Ice Road ***

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*** The Ice Road ***


 
dfdh kritik
 
Autor: Walter Hummer
 
Liam Neeson hat wieder einen Action-Film gemacht. Dabei wollte er doch gar keine Action-Filme mehr machen. Gibt es also etwas, das „The Ice Road“ von „Hard Powder“ oder „The Marksman“ unterscheidet?
 
We’re on a Bull-Run
 
Ein Stollen einer Diamantenmine ist eingestürzt. Die verschütteten Bergleute haben nur noch Sauerstoff für 30 Stunden. Die für die Rettung erforderliche Ausrüstung muss mit Sattelschleppern über zugefrorene Seen transportiert werden. Aber es ist April und weil das Eis bereits zu dünn ist, hat man die „Ice Road“ bereits geschlossen. Eine Gruppe entschlossener Trucker begibt sich trotzdem auf die gefährliche Fahrt. Leider haben sie einen Saboteur in ihren Reihen. Und auch in der Mine läuft nicht alles so wie es sollte …
 
„The Ice Road“ ist beliebige Action-Dutzendware. Ein älterer Star, ein ziemlich bekannter und ein paar weniger bekannte Nebendarsteller schlagen sich durch eine hanebüchene Handlung und müssen haarsträubende Abenteuer erleben. Weil der Film offensichtlich mit geringem Budget gedreht wurde, fallen die Actionszenen mittelmäßig aus. Die computergenerierten Effekte wirken teilweise lächerlich. Das fällt umso stärker ins Gewicht, weil die Macher des Films praktische Effekte durch billige CGI ersetzt haben, um Geld zu sparen.
 
 
Die erste Explosion des Films sieht kein bisschen überzeugend aus. Die zweite Explosion wirkt noch billiger. Und die dritte Explosion sieht so unecht aus, dass man froh ist, danach keine weitere mehr sehen zu müssen. Weil die Produktion nicht das Geld hatte, einen echten Truck unterm Eis versinken zu lassen, bekommen wir eine Zwischensequenz aus einem passablen Computerspiel zu sehen. Sogar ein Schneemobil, das einen Berg hinauffährt ist computergeneriert. Deshalb sehen wir auch nicht wirklich ein Schneemobil einen Berg hinauffahren, sondern bloß das Bild eines Schneemobils wie es sich über das Bild eines Berges hinwegbewegt.
 
In einer Szene sieht man eine Zugmaschine einen Pick-up von der Straße auf einen Abgrund zu schieben. Wir bekommen aber nicht zu sehen, wie der Pick-up den Abgrund runter stürzt. Offensichtlich hatte man weder das Budget für einen Stunt noch das bisschen Geld für weitere computergenerierte Bilder und hat daher in einem Action-Film einfach eine Actionszene eingespart. Wie meine Oma zu sagen pflegte, „Wir haben doch keinen Geldscheißer!“
 
Regisseur Jonathan Hensleigh („The Punisher“) gelingt es nie, sich über die Beschränkungen des geringen Budgets hinwegzusetzen. Das Drehbuch von Hensleigh, der in der Vergangenheit Filme wie „Armageddon“ und „Next“ geschrieben hat, ist kaum mehr als eine zahme Kopie von Henri-Georges Clouzots Meisterwerk „Lohn der Angst“. Weil William Friedkin bereits vor mehr als 40 Jahren eine zahme Version von Clouzots Klassiker gedreht hat, hätte Hensleigh sich die Mühe eigentlich sparen können. Wenn er nicht diese eine Nebenfigur in seinen Film hineingeschrieben hätte.
 
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Brother, mine
 
Eine Figur oder ein Schauspieler allein kann einen mittelmäßigen oder misslungenen Film nicht retten. Aber manchmal bekommt man in mittelmäßigen oder misslungenen Filmen eine Darstellung zu sehen, die einfach zu gut für den jeweiligen Film ist. Sowohl der Regisseur James Glickenhaus als auch sein Werk sind heute aus gutem Grund vergessen. Aber in „Blue Jean Cop“ von 1988 hatte der großartige, unterschätze Charakterdarsteller Sam Elliott drei oder vier starke Szenen. In der besten davon erzählt er die komplett bescheuerte und trotzdem rührende Geschichte einer verlorenen Liebe so überzeugend, dass man ihm einen Ehren-Oscar für die beste Leistung in einem billigen B-Movie verleihen möchte.
 
Oder, um die Leser nicht bloß mit obskuren Fußnoten der Filmgeschichte zu verwirren, denken wir kurz an „Dark Shadows“ von 2012, einen von vielen Filmen, in denen Tim Burton Johnny Depp in ein schrilles Kostüm gesteckt und nebenbei seine aktuelle Lebensabschnittspartnerin mit Arbeit versorgt hat. Eva Greens Performance hat damals fast, aber leider nur fast, ausgereicht, diesen Film zu retten. Und damit ich nicht immer über Eva Green schreibe (als wäre das verkehrt), noch ein paar andere Beispiele: Sowohl Anna Kendrick in „Twilight – Biss einer weint“ als auch William Fichtner in „Drive Angry“ haben in einigen wenigen Szenen Leistungen gezeigt, die einfach zu gut für die jeweiligen Filme waren.
 
Warum langweile ich unsere Leser mit diesem Exkurs in die Filmgeschichte? Weil wir auch in „The Ice Road“ eine solche Leistung zu sehen bekommen. Nicht von Liam Neeson, dessen Darstellung des Qui-Gon Jinn in „Episode 1“ vielleicht auch ein gutes Beispiel für diese Liste wäre, der aber hier bestenfalls eine passable Leistung in einer klischeehaften Rolle zeigt.
 
Und auch weder die Rolle noch die Leistung von Laurence Fishburne bescheren diesem Film einen Platz auf unserer Liste. Fishburne war mal ein hervorragender Charakterdarsteller in Filmen wie „Tina – What’s love got to do with it“ oder „Othelllo“. Seine Leistung in „The Ice Road“ erinnert aber eher an seine vielen Nebenrollen in Werken wie „Mission: Impossible III“, „Predators“ oder Zack Snyders „Superman“-Filmen.
 
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Die noch recht unbekannte Amber Midthunder wirkt sympathisch als amerikanische Ureinwohnerin, die einen der Trucks fährt. Dafür wirkt Benjamin Walker („Abraham Lincoln Vampirjäger) vergleichbar unsympathisch als Versicherungsexperte mit eigenen Plänen. Aber keine dieser Leistungen wäre zu gut für diesen Film.
 
Es ist die Rolle des Gurty, des Bruders der von Neeson verkörperten Hauptfigur und seine Darstellung, die „The Ice Road“ dann doch noch interessant werden lassen. Dieser Gurty ist ein Veteran des Irak-Kriegs, der an Aphasie leidet. Nur sein Bruder kann den Sinn seiner wirr erscheinenden Sprache entschlüsseln. Man muss es Drehbuchautor Hensleigh hoch anrechnen, dass er die Figur des Gurty nicht als lallenden, verwirrt in die Welt glotzenden Idioten geschrieben hat. Der Mann ist abgesehen von seiner Sprachstörung ein kompetenter Mechaniker und aufmerksamer Beobachter. Mehr als einmal während des Films ist Gurty der einzige oder erste, der wahrnimmt, was gerade passiert und mit seinen Reaktionen Schlimmeres verhindern kann.
 
Der weitgehend unbekannte Darsteller Marcus Thomas hat vor zwanzig Jahren in „Der Fall Mona“ schon einmal eine sehr schwierige Rolle gespielt, ist seither aber kaum weiter aufgefallen. Der Schauspieler, für den es bisher nicht einmal einen eigenen wikipedia—Artikel gibt, spielt Gurty als einen aufmerksamen Menschen mit stiller Würde und immenser innere Stärke. Dieser Mann ist sich seiner Einschränkung bewusst, will sich davon aber nicht beschränken lassen. In einem Film der sich damit begnügt mit bescheidenem Aufwand, überholte Filmklischees zu pflegen, ist es diese Figur, die frisch, unverbraucht und zutiefst menschlich und realistisch wirkt.
 
Marcus Thomas lässt uns mit seiner Leistung überhaupt erst emotionalen Anteil am Geschehen auf der Leinwand nehmen. Nur wegen seiner Figur kommt überhaupt Spannung auf, weil wir wissen wollen, ob Gurty am Ende seinen „Truck Truck Truck“ bekommt. Wenn es einen Grund gibt, sich diesen in jeder anderen Hinsicht absolut mittelmäßigen Film anzusehen, dann seinetwegen.
 
Fazit
 
Ein mittelmäßiger Action-Film, wie Liam Neeson sie doch gar nicht mehr machen wollte. Nur eine Nebenfigur und ihre Darstellung machen diesen Film halbwegs interessant.
 
 
 
 
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