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dfdh kritik
 
Autor: Peter Osteried
 
Einen Serienkillerfilm österreichischer Provenienz sieht man auch nicht alle Tage. Mit Stefan Ruzowitzky, der mit den ANATOMIE-Filmen oder auch DIE HÖLLE – INFERNO entsprechende Erfahrung gesammelt hat, war auf jeden Fall der richtige Mann am Ruder. Die dort gesammelten Erkenntnisse kommen ihm nun beim hyperrealistischen HINTERLAND sehr zugute.
 
Die Rückkehr
 
Der Zweite Weltkrieg liegt noch nicht lange zurück. Peter Berg (Murathan Muslu) und seine Leute kehren aus der sowjetischen Kriegsgefangenschaft zurück. Seine Kameraden gehen ins Obdachlosenhaus, Berg nach Hause. Seine Frau ist dort aber nicht mehr. Sie ist aufs Land gezogen.
 
Schon in der nächsten Nacht wird einer von Bergs Kameraden von einem Unbekannten überwältigt und auf brutale Weise umgebracht. Berg gerät in Verdacht, der Polizeirat, der früher mit ihm schon zusammengearbeitet hat, setzt ihn jedoch wieder als Polizist ein und vertraut ihm die Ermittlungen an. Berg beginnt, der Sache auf den Grund zu gehen – und hat schon bald eine Ahnung, was sich hier abspielt, als noch weitere Männer grausam umgebracht werden …
 
 
Hyperrealistisch
 
Sieht man sich HINTERLAND an, fühlt man sich an Filme wie SIN CITY oder VIDOCQ erinnert. Denn Stefan Ruzowitzky ging seinen Thriller so an, dass er nicht vor echten Kulissen filmte, sondern seine Mimen vor Bluescreen agieren ließ.
 
Das Wien der späten 1940er Jahre entstand daraufhin im Computer. Daraus ergibt sich ein stimmungsvoller Hyperrealismus. Die Gebäude und Fassaden sehen dabei überzeugend aus, sind jedoch in ihrer Achse verschoben.
 
Es gibt kaum ein Haus, das gerade gebaut ist. Schiefe Häuser, schiefe Wände, schiefe Fenster und Türen – die Welt ist in ihrer Gesamtheit aus den Fugen geraten. In diese Welt wird Peter Berg hineingeworfen. Für ihn ist sie nicht mehr die Normalität. Der Krieg, das Sterben, das Leiden, das alles war sein Alltag. Nun findet er sich in einer Welt wieder, in die er nicht mehr passt – und die Kulissen verdeutlichen das.
 
Tolles Ensemble
 
Murathan Muslu spielt einen desillusionierten Mann. Er ist großartig darin, die innere Zerrissenheit zu zeigen. Weil er nach Hause zu seiner Frau will, aber Angst davor hat, dass sie beide kaum noch jenen Menschen gleichen, die sie vor dem Krieg waren. Der Wiener Schauspieler, der 2013 im Horrorfilm BLUTGLETSCHER dabei war und von Ruzowitzyk auch schon in DIE HÖLLE - INFERNO eingesetzt wurde, ist dem deutschen Publikum wohl vor allem durch seine Auftritte im TATORT bekannt.
 
01 ©2021 SquareOne Paramount02 ©2021 SquareOne Paramount03 ©2021 SquareOne Paramount04 ©2021 SquareOne Paramount
 
Max von der Groeben als junger Kriminaler, der Berg erst nicht traut, spielt mit der gebotenen Naivität, wobei es ihm nicht so ganz gelingt, sein FACK JU GÖHTE-Image abzulegen. Liv Lisa Fries (bekannt aus BABYLON BERLIN) als Pathologin, die ihre berufliche Chance überhaupt nur dem Männermangel im Krieg verdankt, hat wie von ihr gewohnt einige schöne Charaktermomente.
 
Ein Gefühl wie Theater
 
Ruzowitzky setzt aber nicht nur auf das Stilmittel dieser in Schieflage geratenen Welt. Er benutzt auch „dutch angles“, also angeschrägte Perspektiven, um seine Geschichte zu erzählen. Ebenso gestaltet er Szenen so, als würden sie auf einer Bühne stattfinden. HINTERLAND spielt also auch mit den Möglichkeiten und Mechanismen, die eine Theateraufführung bietet. Das verleiht dem Ganzen etwas Eigentümliches.
 
Der Film ist stilistisch sehr eigen, aber auch sehr faszinierend. Man wird in diese unwirsche, hässliche Welt hineingezogen. Aber es ist die Geschichte, die einen packt. Denn HINTERLAND erzählt eine Mörderhatz, wie man sie bei einem Serienkillerfilm erwartet. Zum Ende hin hat man vielleicht den Eindruck, dass die Verbindungen zwischen allen Protagonisten etwas zu dick aufgetragen sind, im Rahmen der unwirklichen Welt dieses Films funktioniert das aber und läuft folgerichtig auf einen großen Höhepunkt zu.
 
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Fazit
 
HINTERLAND ist beeindruckendes, visuell umwerfendes Genre-Kino, das man in dieser Form bei einer deutschsprachigen Produktion wirklich nicht erwarten würde. Ruzowitzky hat einen Film abgeliefert, der es problemlos mit internationalen Produktionen aufnehmen kann. Aufgrund des sehr eigenen visuellen Stils ist der Film sogar vielen anderen Serienkiller-Stoffen überlegen.
 
Weil er nicht nur eine packende Geschichte zu bieten hat, sondern diese auch mir formaler Kühnheit untermauern kann. Das Ergebnis ist ein höchst sehenswerter Streifen, der zwar inhaltlich ein, zwei Schwächen hat, die aber durch eine starke Reihe von Stärken mehr als wettmachen kann.
 
 
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