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Kritik: The Woman King

 
dfdh kritik
 
Autor: Christopher Diekhaus
 
Aufregende historische Begebenheiten liegen diesem Actiondrama zugrunde „The Woman King“ erzählt von einer real existierenden weiblichen Elitekampftruppe, die im Dienst des einstigen Königreichs Dahomey stand.
 
Schwierige Entwicklungsphase
 
Frauen als zupackende, unerbittliche Kriegsteilnehmerinnen sind auch heute, anno 2022, im Kino noch längst nicht selbstverständlich. Gilt es Schlachten zu schlagen, Reiche zu verteidigen, werden nach wie vor meistens Männer mobilisiert.
 
Geradezu erfrischend wirkt vor diesem Hintergrund das Szenario, das Gina Prince-Bythewood („The Old Guard“) in ihrer neuen Regiearbeit „The Woman King“ entwirft. Im Mittelpunkt steht hier die sogenannte Agojie-Einheit, eine historisch verbürgte, rein weibliche Kampfgarde aus Westafrika, von der die US-Schauspielerin Maria Bello 2015 während einer Reise nach Benin erfuhr und in der sie einen reizvollen Filmstoff sah.
 
Die großen Studios ließen sich jedoch zunächst nicht begeistern, hatten Angst, eine Produktion mit einem fast durchweg schwarzen Cast könnte krachend scheitern. Als Ideengeberin und Produzentin trieb Bello das Projekt dennoch voran und konnte letztlich, wohl auch bedingt durch den Kassenerfolg des Marvel-Blockbusters „Black Panther“, die nötige Unterstützung gewinnen.
 
 
„The Woman King“ spielt im Jahr 1823 und entführt uns in das damals noch existierende Königreich Dahomey, das unter dem Joch des Oyo-Imperiums ächzt. Herrscher Ghezo (John Boyega), eine nicht fiktive Figur, will die Unterdrückung und Ausbeutung nicht länger hinnehmen und weist seine Agojie-Truppe an, sich für eine große Auseinandersetzung zu wappnen. Generalin Nanisca (Viola Davis, die auch als Produzentin mit an Bord ist) beginnt daraufhin, frische Kräfte zu rekrutieren und die jungen Frauen durch eine herausfordernde Ausbildung zu jagen.
 
Unter den potenziellen neuen Soldatinnen befindet sich auch die willensstarke Nawi (Thuso Mbedu), die sich standhaft weigert, sich von ihren Eltern einen Ehemann aufs Auge drücken zu lassen. Schnell sticht sie nicht nur der erfahrenen Übungsleiterin Izogie (Lashana Lynch) ins Auge. Auch Nanisca wird auf die Rebellin aufmerksam.
 
01 ©2022 Sony Pictures03 ©2022 Sony Pictures04 ©2022 Sony Pictures02 ©2022 Sony Pictures
 
Eindringliches Schauspiel
 
Dass die Agojie-Kämpferinnen eine besondere Stellung innehaben, hebt „The Woman King“ schon im ersten Drittel deutlich hervor. Einer mythisch-archaischen Urgewalt gleich taucht die Einheit zu Beginn aus der Dunkelheit und dem Dickicht auf, um ein feindliches Lager zu überfallen, in dem Gefangene festgehalten werden. Nanisca und Co genießen, so erfahren wir kurz darauf, das Privileg, in einem gesonderten Bereich des königlichen Palastes zu leben. Und ihre Mitbürger sind angewiesen, den Blick zu senken, die Kriegerinnen nie direkt anzuschauen. Verehrt und gefürchtet – so zeichnet der Film die Spezialeinheit, in der starke Solidarität zu spüren ist. Großes Vertrauen baut sich etwa zwischen Nawi und Izogie auf. Aber auch die Anführerin selbst hat in Amenza (Sheila Atim) eine enge Vertraute.
 
Könnte man anfangs meinen, der Film erzähle vor allem die Geschichte der Newcomerin Nawi, zeichnet sich mit zunehmender Dauer ab, dass es mehr noch um Naniscas Weg geht, ihr persönliches Trauma, das es zu überwinden gilt. In diesem Zusammenhang bemüht „The Woman King“ eine emotional aufgeladene, allerdings ein wenig forciert anmutende Offenbarung
 
Überhaupt schleppt der Historienstreifen einiges an konventionellem, abgegriffenem Erzählballast mit sich herum: Braucht es wirklich die eher platten Intrigen an Ghezos Hof? Und ist der Liebestrang um Nawi, so unaufdringlich er auch geschildert wird, nicht überflüssig? Trotz inhaltlicher Schwächen – die koloniale Situation und die Strukturen im Königreich Dahomey hätten zudem genauer beleuchtet werden können – hat der Film genügend zu bieten, um das Interesse nicht abzuwürgen.
 
Allen voran starke schauspielerische Leistungen. Die ohnehin oft durchsetzungsfähige Frauen verkörpernde Viola Davis bündelt gekonnt Autorität, wilde Entschlossenheit und Schmerz über den schlimmsten Tag in Naniscas Leben. Thuso Mbedu, zuletzt mit einer bemerkenswerten Tour-de-Force-Performance in der Miniserie „The Underground Railway“ zu sehen, trumpft abermals mit einer kraftvoll-nuancenreichen Darbietung auf.
 
Mindestens genauso viel Eindruck hinterlässt Lashana Lynch als Harte und Herzlichkeit wunderbar ausbalancierende Izogie. Lob verdienen sich Gina Prince-Bythewood und ihre Crew ferner für die markanten Kostüme, das akribische Szenenbild und die knackigen Kampfchoreografien. Obwohl es bisweilen ordentlich zur Sache geht, behält man im Getümmel stets den Überblick.
 
Fazit
 
Dramaturgisch lässt das historische Actiondrama mitunter zu wünschen übrig, ist dafür aber behände inszeniert und an vorderster Front mitreißend gespielt.
 
 
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