*** Antlers ***

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*** Antlers ***


 
dfdh kritik
 
Autor: Walter Hummer
 
Die meisten Horrorfilme sind von unterdurchschnittlicher Qualität. Dabei sollte es gar nicht schwieriger sein, einen guten Horrorfilm zu machen als einen guten Film irgendeines anderen Genres.
 
Once, there were three bears …
 
Julia ist Lehrerin an einer Schule in einem kleinen Bergwerksdorf in Oregon. Der Stadt geht es wirtschaftlich nicht gut seit die Mine geschlossen wurde. Und auch Julia selbst hat mit den Dämonen ihrer eigenen Vergangenheit zu kämpfen. Einer ihrer Schüler, der schüchterne Lucas, muss aber tatsächlich mit ganz anderen Dämonen zurechtkommen. Bald kommt es zu ersten Todesfällen …
 
Die meisten Horrorfilme sind von unterdurchschnittlicher Qualität. Das ist leider so. Das liegt zum einen daran, dass sie so schlecht produziert werden. Mäßig begabte Darsteller werden von unterdurchschnittlichen Regisseuren durch schlampig geschriebene Handlungen getrieben. Die meisten Horrorfilme sind aber auch deshalb schlecht, weil sie einfach dumm sind. Filme wie „Lloranas Fluch“ oder „Wahrheit oder Pflicht” sind so haarsträubend dumm, dass man die Figuren auf der Leinwand packen und durchschütteln möchte. „Antlers“ zeigt, was passiert, wenn begabte Künstler einen intelligenten Horrorfilm drehen.
 
 
Das Drehbuch hat der erfahrene Autor und Regisseur Scott Cooper zusammen mit Erstlings-Autor Henry Chaisson und Nick Antosca, der bisher vor allem für Fernsehserien wie „Teen Wolf“ und „Hannibal“ geschrieben hat, auf der Grundlage einer von Antoscas Kurzgeschichten verfasst. Und es unterscheidet sich deutlich vom üblichen Horror-Allerlei. Die handelnden Figuren sind echte Charaktere mit echten Sorgen und Nöten. Jede dieser Figuren hat ihre eigene Geschichte, steckt in einer Lebenssituation die Sinn ergibt und trifft Entscheidungen, die nachvollziehbar sind.
 
In einer Stadt in der weite Teile der Bevölkerung seit langer Zeit arbeitslos sind, fällt es leider nicht weiter auf, wenn ein Schulkind in abgerissener Kleidung rumläuft und abgemagert ist. Und wenn ein stadtbekannter Meth-Dealer mal eine Weile nicht zu sehen ist, kann er untergetaucht oder im Gefängnis sein. Alles nicht weiter beachtenswert. Und nach den ersten Todesfällen reagiert die Polizei hier ebenso umgehend wie angemessen und trägt keine Scheuklappen.
 
Natürlich ist die Story nicht in allen Einzelheiten perfekt. Eine Direktorin ist zunächst entschlossen, sich an die Vorschriften zu halten, betritt dann aber unbefugt ein Haus in dem es ganz offensichtlich nicht mit rechten Dingen zugeht. Und ein Polizeibeamter der eine Vermisste sucht, könnte auch mal unter einer Plane nachsehen, ob dort bloß ein alter Firebird oder ein neuerer Volvo steht. Aber im Großen und Ganzen ist innerhalb der Handlung alles stimmig und man verspürt nicht den Drang, die Figuren auf der Leinwand anzuschreien.
 
02 ©2021 Walt Disney Pictures03 ©2021 Walt Disney Pictures04 ©2021 Walt Disney Pictures05 ©2021 Walt Disney Pictures
 
Big Bear got sick …
 
Stimmig wirkt auch die Regie von Scott Cooper. Er arbeitet nach „Crazy Heart“, „Out of the Furnace” und “Hostiles” wieder einmal nach eigenem Drehbuch. Und Cooper weiß, wie man eine Geschichte richtig erzählt. Er führt zunächst einmal die handelnden Personen ein und schafft eine Szenerie. Die Figuren werden uns in kurzen aber gehaltvollen Szenen vorgestellt. Cooper muss uns nicht jede einzelne Figur und ihre Geschichte erklären. Er lässt sie uns beobachten. Wenn wir sehen, wie die Lehrerin beim Einkaufen auf die Schnapsflaschen hinter der Kasse reagiert, erfahren wir einiges über diese Frau. Nachdem wir gesehen haben, was ein Schüler im Unterricht zeichnet, überrascht uns auch nicht mehr, was er auf dem Heimweg treibt.
 
Zur Szenerie gehört auch der Ort der Handlung. Cooper vermittelt uns die Trostlosigkeit der ehemaligen Bergarbeiterstadt und die Situation ihrer Bewohner durch Bilder, die mehr an anspruchsvolle Dramen wie „Nomadland“ als an einen Horrorfilm erinnern. Der Ort der Handlung ist hier ein Teil der Story, nicht bloß Kulisse.
 
Älteren Filmfans wird der Drehort übrigens vielleicht bekannt vorkommen. Vor fast vierzig Jahren hat die kanadische Kleinstadt „Hope“ in British Columbia schon einmal so getan, als wäre sie amerikanisch. Damals wurde dort ein Film gedreht, in dem ein Vietnam-Veteran sich gegen die Schikanen der lokalen Polizei zur Wehr setzt. Zum Glück hat man die Stadt nach dem Feuer wieder halbwegs aufbauen können.
 
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Cooper weiß fast immer, wie viel Horror er an den richtigen Stellen zeigen muss und kann. Und das ist teilweise eine ganze Menge. Trotzdem wird der Film nie zum Splatter-Movie. Cooper baut nicht nur die Geschichte, sondern auch die Spannung allmählich auf. Das Grauen wird erst kaum, dann zunächst in seiner menschlichen Gestalt und erst am Ende in der Totalen gezeigt. Ein Tod am Ende des Films ist gar nicht im Bild zu sehen und verliert dadurch trotzdem nichts von seiner furchtbaren Wirkung.
 
But they had each other …
 
„Antlers“ wirkt aber auch deshalb reifer und erwachsener als andere Horrorfilme der letzten Zeit, weil hier echte, zum großen Teil erfahrene Schauspieler zu sehen sind und keine Modells die Text vortragen.
 
Keri Russel wurde vor mehr als zwanzig Jahren mit der Serie „Felicity“ bekannt. Seitdem war diese verlässliche Darstellerin u.a. in „Jennas Kuchen“, „Planet der Affen: Revolution“ und zuletzt in „Star Wars: The Rise of Skywalker“ zu sehen. Hier schafft sie es großartig, eine erfahrene Frau zu spielen, die ihre traumatische Familiengeschichte bewältigen und gleichzeitig ihrem Schüler helfen will.
 
Jesse Plemons hat es immer wieder geschafft, selbst in kleinen Nebenrollen in Produktionen wie „Breaking Bad“, „The Homesman“ und „Vice“ authentische, realistische Charaktere darzustellen. Und auch hier ist seine Figur des Sheriffs kein bloßes Handlungselement sondern eine vollständige Person.
 
Graham Greene hätte für seine Darstellung des „Kicking Bird“ in „Der mit dem Wolf tanzt“ den Oscar verdient. Hier hat er nur wenige Szenen, in denen er wieder den weisen Ureinwohner gibt.
 
Amy Madigan war in den Achtzigerjahren eine vielseitige, vielbeschäftigte Charakterschauspielerin in Filmen wie „Straßen in Flammen“ oder „Feld der Träume“ bevor sie neben ihrem Mann Ed Harris in „Pollock“ die Rolle der Peggy Guggenheim übernahm. Seither ist sie leider nur selten im Kino zu sehen gewesen. Sie ist mit der kleinen Rolle der Schuldirektorin natürlich unterfordert.
 
Der junge Jeremy T. Thomas schafft es, uns in der Rolle des Lucas das ganze Grauen seiner schrecklichen Situation zu vermitteln.
 
Fazit
 
Es braucht wirklich nicht viel für einen gelungen Horrorfilm. Ein sinnvolles Drehbuch, ein Regisseur der weiß was er tut und kompetente Darsteller reichen aus und schon fühlen wir uns im Kino gruselig unterhalten und nicht für dumm verkauft.
 
 
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