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*** JGA: Jasmin. Gina. Anna. ***

 
dfdh kritik
 
Autor: Walter Hummer
 
Eine Komödie die nicht witzig ist, ist sie ein Fehlschlag. Aber was ist eine Komödie, die einen deprimiert?
 
Sieht so ein enttäuschtes Gesicht aus?
 
Jasmin, Gina und Anna, die letzten kinderlosen Singles ihres Freundeskreises wollen einen Junggesellinnenabschied für ihre Freundin ausrichten. Wegen einer Reihe von Missverständnissen und Missgeschicken, die alle so dumm sind, dass ich sie hier nicht wiedergeben möchte, fliegen die drei Damen ohne die Braut nach Ibiza, bekommen dort kein Hotelzimmer, verlieren ihr Gepäck und ihr Geld und schließen sich dort dem Junggesellenabschied von Jasmins Exfreund an, dem sie auch nach acht Jahren noch nachtrauert.
 
Treue Leser*innen wissen, der alte Mann von cinepreview bezieht sich in seinen Rezensionen gerne auf Filmklassiker. In Rezensionen für besonders uninteressante Filme schreibt er auch gerne mal über alles Mögliche bloß um die Beschäftigung mit dem enttäuschenden Film aufzuschieben. Well, here we go again …
 
Am Ende von Sergio Corbuccis „Leichen pflastern seinen Weg“ tötet der von Klaus Kinski gespielte Schurke nicht nur den von Jean-Louis Trintignant gespielten Helden. Der Bösewicht und seine Handlanger ermorden danach die hungernde Bevölkerung eines ganzen Dorfes, einschließlich Frauen und Kinder.
 
 
In „Sophies Entscheidung“ muss Meryls Streep im Konzentrationslager entscheiden, welches ihrer Kinder sofort getötet werden soll und welches vielleicht noch eine Weile unter furchtbaren Bedingungen überleben darf. Viele Jahre nachdem sie den Holocaust überlebt und ihr Kind nie wiedergesehen hat, führt sie eine furchtbare Ehe und bringt sich am Ende um.
 
In „Dancer in the Dark” spielt Björk eine arme Fabrikarbeiterin die langsam erblindet. Um ihrem Sohn eine Operation zu finanzieren, die ihn vor dem gleichen Schicksal bewahren soll, arbeitet sie Doppelschichten. Als ein benachbarter Polizist ihr Erspartes stiehlt, versucht sie ihm das Geld abzunehmen. Schüsse fallen, der Mann ist tot und die Frau kommt vor Gericht. Weil sie ihr Geld nicht für einen Anwalt ausgeben will sondern auf der Operation für ihren Sohn besteht, wird sie zum Tode verurteilt.
 
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Klingt alles furchtbar, oder? Nicht wirklich das, was man „feel-good-movies“ nennen würde. Trotzdem ist keiner dieser drei Filme so deprimierend wie „JGA: Jasmin. Gina. Anna.“. Diese drei Filme hintereinander könnten niemanden so runterziehen, wie der neue Film von Regisseur und Drehbuchautor Alireza Golafshan. Nicht bloß weil die anderen drei Filme alle Meisterwerke sind und „JGA“ formelhafte, einfallslose Dutzendware. Alles, aber auch wirklich alles an diesem Film ist einfach nur deprimierend. Das Weltbild dieses Films ist deprimierend.
 
Die Frauen in diesem Film sind alle doof. Sie wollen alle bloß einen Mann. Die Männer sind noch doofer und alle Egozentriker. Und dann gibt es auch noch Männer, die einfach nicht heiraten wollen. Die sind besonders doof. Als Frau kann man doch nicht ohne Mann leben. Am Ende des Films, gerade wenn man meint, die Heldin könnte tatsächlich gelernt haben, dass man auch mal eine Weile mit sich selbst zurechtkommen können muss, taucht der süße Typ vom Anfang nochmal auf und verheißt doch noch Hoffnung auf eine rettende Beziehung.
 
Keine Sorge, das wird richtig, richtig peinlich
 
Alireza Golafshans Meinung von seinem Publikum ist besonders deprimierend. Er denkt tatsächlich, es gäbe genug Leute, die gutes Geld für ein Ticket für seinen Film ausgeben und sich dann über Szenen wie die folgenden amüsieren könnten (Achtung! Spoiler!):
 
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Die drei Freundinnen haben auf Ibiza kein Hotelzimmer bekommen. Der bestellte Stripper kommt aber trotzdem. Natürlich ist er klein, dick, alt und kein bisschen attraktiv. Weil die Heldinnen kein Hotelzimmer haben, sitzen sie auf einer Parkbank und lassen den Stripper vor einem Kinderspielplatz rund um einen Laternenpfahl mit Mülltonne tanzen und sich ausziehen. Dabei lassen sie grundlos sexuelle Belästigung über sich ergehen.
 
Die Freundinnen sollen mit dem Geld eines der Männer Drogen besorgen. Sie geben ihm Kurkuma-Tabletten und stecken das Geld ein. Der Mann ist gegen Kurkuma allergisch und hält seine Reaktion auf die Tabletten zunächst für den Trip seines Lebens, bevor er ins Krankenhaus gebracht werden muss. Das anschließende Gespräch der Freunde mit dem Arzt ist nicht witzig, dauert viel zu lange und führt nirgendwohin.
 
In weiterer Folge wird eine Hochzeitsgesellschaft mit einer vollgekackten Windel bedroht und eine traurige, betrunkene Frau schlitzt sich mit einem kaputten Glas die Lippe auf, um dann der Braut Blut auf das Brautkleid zu spucken. Muss ich erzählen, was passiert, wenn die Freundinnen versuchen, sich ohne Geld in die Strandbar eines Hotels einzuschleichen? Muss ich nicht? Vielen Dank.
 
Aber nicht bloß Alireza Golafshans Drehbuch ist deprimierend. Auch seine Inszenierung zieht einen runter. Ich war noch nie auf Ibiza. Und nachdem jährlich Millionen Menschen ihren Urlaub auf Ibiza verbringen, müsste es doch etwas zu bieten haben. Diese Insel sollte ein hübsches Setting abgeben können. Möglich, aber im Film sieht man nur billige Supermärkte, wenig einladende Strände, generische Hotels und austauschbare Lokale.
 
Ich gebe zu, ich bin kein großer Fan der Stadt München. Hauptsächlich weil ich die Stadt seit über einem Vierteljahrhundert kenne, ist München meine zweitliebste Stadt auf der Welt. Meine liebste ist jede andere. Aber so furchtbar deprimierend, wie in diesem Film, hätte man die Stadt wirklich nicht in Szene setzen müssen.
 
Münchnerinnen trinken die ersten Cocktails des Junggesellinnenabschieds natürlich im P1. Gibt doch sonst keine Lokale in München. Dort ist es kein bisschen gemütlich, viel zu teuer und das Personal ist unfreundlich. Spätnachts hat in München dann nur noch eine Dönerbude geöffnet. Eine teure Hochzeit findet natürlich im Schützengarten statt. Leute die nichts Besseres kennen, mögen das für eine noble Location halten. Und nicht eine einzige der in München lebenden Figuren spricht als könnte sie vielleicht in Bayern aufgewachsen sein. Das alles hat München nicht verdient.
 
Niemand hat hier irgendjemanden gebumst
 
Die Charaktere und ihre Darstellungen sind natürlich auch deprimierend. Hauptdarstellerin Luise Heyer sieht in jeder Szene so aus, als würde sie gleich anfangen zu weinen. Davon ausgenommen sind nur die Szenen, in denen sie tatsächlich weint. Verglichen mit ihrem Part in „JGA“ war ihre Darstellung in „Der Junge muss an die frische Luft“ direkt fröhlich und aufgekratzt zu nennen.
 
Taneshia Abt spielt eine junge Frau, die wir vermutlich als frech und unabhängig wahrnehmen sollen. Tatsächlich ist ihre Figur eine Nervensäge. Aber das Freche und Unabhängige hat sie im dritten Akt ohnehin überwunden, weil sie dann endlich auch einen Partner hat. Man kann so eine lebenslustige, junge Frau doch nicht alleine durchs Leben oder den Film gehen lassen.
 
Eine junge Darstellerin namens Teresa Rizos könnte möglicherweise Talent haben. Immerhin liefert sie die beiden einzigen Dialogstellen des Films, über die man lächeln könnte. Leider muss sie neben der weinerlichen Freundin und der frechen Freundin die Rolle der doofen Freundin spielen. So bleibt die Frage nach dem Talent unbeantwortet.
 
Dimitrij Schaad hat vor zwei Jahren in „Die Känguru-Chroniken” die männliche Hauptrolle in einer unlustigen Komödie gespielt. Nachdem er nun die männliche Hauptrolle in einer deprimierenden Komödie gespielt hat, sollte er sich überlegen, ob ihm Komödien liegen. Oder Hauptrollen. Oder Filme überhaupt.
 
Axel Stein und einige andere mehr oder weniger unbekannte Nebendarsteller spielen schlechte Karikaturen von Nebenrollen aus besseren Filmen. Das mag einen auch nicht fröhlicher stimmen.
 
Fazit
 
Eine durch und durch deprimierende Komödie ist nicht bloß ein Fehlschlag, sie ist ein Angriff. Ein Angriff auf die Stimmung und den Geldbeutel der Ticketkäufer*innen. Besser daheim bleiben und „Leichen pflastern seinen Weg“ ansehen. Da hat man auch mehr zu lachen.
 
 
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