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*** Gott, du kannst ein Arsch sein! ***


 

ouatih kritik

Autorin: Katharina Mühl
 
Gott, du kannst ein Arsch sein! … ist eine Hommage an das Leben. Die Frage ist nur, an welches Leben. An die romantisch-kitschigen heile Welt-Bilder, die dem Klischee der Hollywood-Romanzen entspringen? Oder an die Realität, die sich zwar nicht immer ganz so filmreif anfühlt, aber dennoch turbulent, fordernd und bezaubernd zugleich sein kann?
 
Das Schicksal ist ein mieser Verräter ...
 
Der Film basiert auf einer wahren Begebenheit, er erzählt die Geschichte der 16-jährigen Steffi Pape, die soeben ihren Realschulabschluss gemacht hat und kurz davor steht, eine Ausbildung bei der Polizei anzutreten. Steffi hat alles, womit man standardmäßig eine glückliche Situation assoziiert: Eltern, die sie lieben, einen Ausbildungsplatz und eine glückliche Beziehung. Umso erschütternder trifft sie der Befund, an unheilbarem Krebs erkrankt zu sein.
 
Während ihre Mutter sie aus lauter Sorge am liebsten sofort in ein Krankenhaus einliefern würde, möchte Steffi ihr Leben weiterführen wie bisher und widersetzt sich dem elterlichen Verbot, auf ihre Abschlussfahrt nach Paris zu fahren. Auf dem Weg dorthin erlebt sie ein Abenteuer nach dem nächsten und verliebt sich in das Leben.
 
 
Gott, du kannst ein Arsch sein! ist prominent besetzt. Neben Til Schweiger, Heike Makatsch und Jürgen Vogel flimmern Schauspieler*innen wie Jasmin Gerat und Dietmar Bär über die Leinwand. Herausragend sind jedoch vor allem die Nachwuchsdarsteller*innen Sinje Irslinger, Max Hubacher und Nuala Bauch. Alle drei spielen mit einer absolut überzeugenden Natürlichkeit. Die Mischung aus Hilflosigkeit gegenüber dem Schicksal, gepaart mit der Freude, (er)leben zu dürfen, trägt den Film glücklicherweise, weswegen die schlecht geschriebenen Dialoge nach kurzer Zeit zumindest stellenweise in Vergessenheit geraten.
 
Dramatisch, aber ohne Tiefgang
 
Vermutlich gerade, weil jedes einzelne Mitglied der Cast und Crew seine Arbeit mit Bravur erledigt hat (hier sind unglaublich schöne (Landschafts-)Aufnahmen entstanden), fällt umso mehr auf, dass das Drehbuch den Film leider stark bremst. Die Geschichte ist in jeder Sekunde vorhersehbar und überrascht an keiner einzigen Stelle. Im Grunde reicht es, den Trailer zu sehen, um zu wissen, was im Film passieren wird. Auch die Dialoge wirken derart unnatürlich, dass nicht einmal der hochkarätige Cast sie immer überzeugend rüber bringen kann.
 
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Keine der Figuren besitzt eine eigene Sprache, selbst Jugendliche reden genau wie Erwachsene. Situationen werden glattgebügelt und zielen immer in eine bestimmte Richtung ab. Somit zeigt der Film keine Zwischentöne. Als Steffis Mutter ihre Tochter wiederfindet, die sich gegen den elterlichen Willen auf den Weg nach Paris gemacht hat, jauchzt sie himmelhoch, weil sie merkt, wie gut es Steffi tut, Abenteuer zu erleben. Die überpräsente Sorge um ihr erkranktes Kind ist von einer Sekunde auf die andere komplett vergessen.
 
Der Film soll eine Hommage an das Leben sein, aber zeigt ein Leben, das es nur auf Kinoleinwänden gibt. Steffi stolpert von einem Klischee-Sonnenuntergang in den nächsten, gefolgt von einem Strandspaziergang und einer Tour durch Paris. In dem Film regnet es nie, Probleme lösen sich stets innerhalb von 3 Minuten in Luft auf. Und das ist verdammt schade. Denn wer möchte ein Leben leben, das sich anfühlt, als wäre man in einem niemals endenden Werbespot gefangen?
 
Fazit
 
Der Film liefert tolle Bilder, sympathische und talentierte Schauspieler*innen, aber leider keine packende Geschichte. Was schade ist. Denn wer möchte ein Leben, das zwar nach außen hin perfekt aussieht, aber keinerlei Tiefgang besitzt? Sind denn nicht gerade die Zwischentöne das Interessante und Lebenswerte? Und lebt Kunst nicht von Widersprüchen, statt von glattgebügelter Inszenierung?
 
 
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