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*** The Gentlemen ***


ouatih kritik

Autor: Peter Osteried
 
Es ist lange her, dass Guy Ritchie einen Film wie THE GENTLEMEN gemacht hat. In jüngster Zeit war er mehr von der britischen Vergangenheit fasziniert, vom viktorianischen England eines Sherlock Holmes oder dem mythischen Britannien aus King Arthurs Zeiten.
 
Nun jedoch ist er zu seinen Wurzeln zurückgekehrt und hat einen Film abgeliefert, der ganz in der Tradition seiner frühen Werke BUBE DAME KÖNIG GRAS und SNATCH steht.
 
Gangster unter sich
 
Mickey Pearson (Matthew McConaughey ist Amerikaner, lebt aber seit Jahren in London. Dort hat er es zu etwas gebracht, auch wenn sich damit nur schwer protzen lässt. Er ist der weithin größte Produzent von Marihuana. Aber nun denkt er darüber nach, sein Geschäft zu verkaufen. 400 Millionen Dollar will er damit machen. Es gibt auch einen Interessenten, aber Matthew (Jeremy Strong) ist längst nicht der einzige, der mit Pearsons Ausstieg fetten Reibach machen will.
 
Der Triaden-Emporkömmling Dry Eye (Henry Golding) ist ebenso heiß drauf. Und der Privatdetektiv Fletcher (Hugh Grant) erkennt eine Chance, da er Mickey 20 Millionen Pfund abpressen will. Darum sucht er auch Mickeys rechte Hand Raymond (Charlie Hunnam) auf. Er erzählt ihm eine Geschichte, von der er sicher ist, dass es allen Beteiligten lieber ist, wenn sie nicht ans Licht der Öffentlichkeit gerät. Aber dafür muss eben jemand zahlen …
 
 
Elegant erzählt
 
Ritchie hat eine wunderbare Geschichte entwickelt, die wie seine frühen Filme von skurrilen Figuren belebt wird. Erzählerisch arbeitet Ritchie sehr elegant. Das Gespräch zwischen Fletcher und Raymond ist die Rahmenhandlung, aus der heraus die Geschichte erzählt wird – nachdem man erlebt hat, wie McConaugheys Figur in einem Pub erschossen wird.
 
Schon die Rahmenhandlung ist köstlich, weil hier zwei sehr unterschiedliche Charaktere aufeinanderprallen. Grant spielt den überkandidelten Privatdetektiv, der ständig sexuelle Avancen macht, während Hunnam ein betont ruhiger Mann ist, aber das ist nur Fassade. Darunter brodelt die Lust auf rohe Gewalt.
 
Die Dialoge sind geschliffen. Perfekt. Sie sind pointiert, glaubwürdig, echt – und dabei ikonisch. Das eine oder andere wird in den cineastischen Zitatenschatz übergehen. Weil Ritchie einfach ein Meister darin ist, Dialoge mit Coolness aufzuladen.
 
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Perfekte Rollen
 
Ritchie greift hier auf ein paar Schauspieler zu, mit denen er schon gearbeitet hat. Er hat Grant und Hunnam die Rollen praktisch auf den Leib geschrieben. Aber auch das übrige Ensemble ist hervorragend und profitiert von Ritchies Gespür dafür, Figuren dreidimensional zu gestalten. Das Highlight ist Colin Farrell, der zwar nur eine Nebenrolle spielt, aber eine, die es in sich hat. Er ist der Coach, der jungen Männern das Boxen beibringt, und in Raymonds Schuld gerät. Grandios, wie er diese begleicht – sozusagen mit Zinseszins. Hier zeigt sich auch Farrells wunderbares Gespür dafür, mit kleinen Gesten und Manierismen etwas auszusagen.
 
Die Szene, als er Raymond am Ende zu Hilfe eilt, ist einfach ein Brüller. Insbesondere auch wegen seiner zurückhaltenden Art, mit der er Raymond zu verstehen gibt, was gerade geschehen ist.
 
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Fazit
 
THE GENTLEMEN ist ein – der Name gibt es fast schon vor – eleganter Film, der mit einer großen Menge an Figuren jongliert, deren Geschichten vorantreibt, sie aber auch exzellent zusammenführt. Und das mit einer gehörigen Portion Coolness, die sich nicht nur in den geschliffenen Dialogen widerspiegelt, sondern den Film von vorne bis hinten durchzieht.
 
Guy Ritchie kehrt mit diesem Werk nach vielen, vielen Jahren zu seinen Wurzeln zurück. Es ist vielleicht bezeichnend, dass er damit auch seinen besten Film seit Jahren abgeliefert hat. Vielleicht ist es einfach so, dass moderne Gangster ihm mehr liegen, als geschleckte Agenten in den 1960ern, mittelalterliche Könige und viktorianische Detektive.
 
 
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