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*** Narziss und Goldmund ***


ouatih kritik

Autor: Peter Osteried
 
Herman Hesses Romane werden nur sehr selten verfilmt, dabei bieten sich einige für die große Leinwand, aber auch die Mattscheibe an. NARZISS UND GOLDMUND hätte man sich auch gut als aufwendigen Fernseh-Mehrteiler vorstellen können, der österreichische Regisseur Stefan Ruzowitzky, Oscar-Preisträger für den Film DIE FÄLSCHER, hat nun jedoch einen großen, prächtigen Kinofilm abgeliefert.
 
Beste Freunde
 
Narziss und Goldmund sind zwei Jungen, die im Kloster aufwachsen. Der eine wollte schon immer Mönch werden, der andere wurde von seinem Vater dort ausgesetzt, nachdem er dessen Mutter, eine Hure, verjagt hat. Die Jahre vergehen und beide werden beste Freunde. Narziss sieht in Goldmund aber mehr als das, auch wenn er es nie wagen würde, seinen Impulsen zu folgen.
 
Allerdings haben einige der Brüder erkannt, wie es um Narziss‘ Schwärmerei steht und so bedrängt der Abt ihn, Goldmund zu ermutigen, das Kloster zu verlassen, da er nicht dazu gemacht ist, ein Mönch zu werden.
 
 
15 Jahre später treffen sie sich wieder. Narziss ist mittlerweile Abt und wohnt einem Fest des Fürsten bei. Im Schlafgemach der Frau des Fürsten wird Goldmund aufgegriffen, den man verprügelt und in den Kerker wirft. Narziss befreit ihn jedoch und nimmt ihn mit zum Kloster, wo Goldmund ihm erzählt, wie es ihm in den letzten 15 Jahren ergangen ist. Eine Geschichte voller Abenteuer, Leben, Freude, Leid und Liebe – eine Geschichte, die Narziss zweifeln lässt, ob er den richtigen Lebensweg eingeschlagen hat.
 
Zwei Leben
 
Über den Titel mag ein modernes Publikum stolpern, dass die Namen komisch sind, gibt aber auch Goldmund zu, als er darüber sinniert, welchen Namen sein Sohn haben könnte. Es ist mehr Goldmunds als Narziss‘ Geschichte, die hier erzählt wird. Narziss ist der Abt, ein Mann, der dafür zu sorgen hat, dass im Kloster die Zeit stillsteht und sich nichts verändert, während Goldmund das Leben mit beiden Händen packen will, auch wenn er weiß, dass es für Freude und Liebe immer auch einen Preis zu zahlen gibt. Ein Preis, den Narziss in der Geborgenheit des Klosters niemals zahlen muss, aber wenn man beider Leben vergleicht, ist man als Zuschauer sehr schnell sicher, welches das bessere war.
 
Der Film stellt gekonnt zwei Leben gegenüber, Jannis Niewöhner hat als Goldmund aber deutlich mehr zu tun als sein Kollege Sabin Tambrea. Seinen Lebensweg verfolgt man mit Interesse und Mitgefühl und merkt doch, dass man einem Rastlosen zusieht. Goldmund hat einmal die Chance auf echtes Glück, aber sie wird ihm genommen. Ansonsten ist er getrieben davon, die Mutter zu finden, die ihn vor so lange Zeit verlassen hat.
 
01 ©2020 Sony Pictures02 ©2020 Sony Pictures03 ©2020 Sony Pictures04 ©2020 Sony Pictures
 
Starke Inszenierung
 
NARZISS UND GOLDMUND sieht hervorragend aus. Man merkt das große Budget schon, zumal der Film auch bis in die Nebenrollen topp besetzt ist. So gibt es auf Goldmunds Lebensweg auch Emilia Schüle, Uwe Ochsenknecht, Sunnyi Mellies, Jessica Schwarz und André Hennicke zu sehen. Wo die Männer in seinem Leben immer ein Quell des Schmerzes sind, sind die Frauen für ihn Inspiration. In jeder von ihnen findet er ein bisschen was, das er mit seiner Mutter assoziiert – und sie alle will er in einem prächtigen Altar mit der Jungfrau Maria in der Mitte und drumherum einige Heilige verewigen.
 
Der Film hat mit Goldmunds Erzählung eine leicht episodische Struktur, ist aber mit dem Treffen zweier alter Freunde schön eingerahmt. Er schafft es, ein glaubwürdig anmutendes Bild des Mittelalters zu gestalten, wirkt dabei aber nicht steif, sondern behandelt die Figuren so, wie es auch bei modernen Pendants der Fall sein würde.
 
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Fazit
 
NARZISS UND GOLDMUND ist eine der seltenen Hermann-Hesse-Verfilmungen und vielleicht sogar die Beste, denn Regisseur Stefan Ruzowitzky hat mit großen Aufwand und Gespür für die Zeit und seine Schauspieler einen schönen Film abgeliefert, dessen Thema nie an Aktualität verliert. Immerhin geht es darum, dass man die wenige Zeit, die einem auf Erden geschenkt ist, so gut wie möglich nutzen sollte. Am Ende stehen zwei Lebensentwürfe gegeneinander – und der Zweifel eines Geistlichen, ob seiner der Richtige ist.
 
 
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