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*** Bloodshot ***


ouatih kritik

Autor: Walter Hummer
 
Eine Comicverfilmung rund um einen Helden mit fantastischen Selbstheilungskräften der sein Gedächtnis verloren hat? Na hoffentlich ist der Rest des neuen Films mit Vin Diesel genauso interessant wie das originelle Konzept …
 
Mombasa, Budapest, London, …
 
Ray Garrison ist Soldat. Bei einer – natürlich erfolgreichen - Geiselbefreiungsaktion wird er leicht verletzt. Gleich danach kann er aber mit seiner viel jüngeren, lächerlich attraktiven Frau Dialogzeilen austauschen, damit das Publikum die Exposition kapiert. Ein Bösewicht nimmt das glückliche Paar gefangen und tötet beide. Aber nur Ray wacht danach wieder auf. Ein zwielichtiger Wissenschaftler hat Rays Körper mit Nanotechnologie optimiert … und irgendwie habe ich schon keine Lust mehr, über die Handlung dieses Films zu berichten.
 
Wie entstehen Filme wie „Bloodshot“? Und warum? Der Film war sicher teuer. Trotzdem ist nichts an dem Film auch nur halbwegs gut. Die Qualität schwankt zwischen schwach und mies. Und was an dem Film schlecht ist, ist nicht etwa deshalb schlecht, weil die Macher irgendwelche falschen kreativen Entscheidungen getroffen hätten. Tatsächlich haben die Macher dieses Films leider gar keine kreativen Entscheidungen getroffen. „Bloodshot“ wurde nach dem „Malen nach Zahlen“-Prinzip gestaltet: bekannten Vorlagen werden von Menschen ohne künstlerisches Talent nach einem vorgegebenen Muster bunt ausgemalt. Dazu bedarf es keinerlei Kreativität und das Ergebnis taugt selten etwas.
 
 
Inszeniert wurde der Film von David S. F. Wilson. Ich beschäftige mich seit Jahrzehnten intensiv mit der Filmkunst und habe von diesem Regisseur bisher noch nie etwas gehört. David S. F. Wilson wird er auch nur in der Aussendung des Verleihs genannt. Laut imdb heißt der Mann Dave Wilson und hat bisher eine Folge einer Fernsehserie inszeniert von der ich ebenfalls noch nie gehört habe. Davor hat er an den visuellen Effekten von „Avengers: Age of Ultron“ und einer Reihe von Computerspielen mitgearbeitet. Mehr war über Herrn Wilson nicht herauszufinden, weil es zu ihm nicht einmal einen wikipedia-Eintrag gibt.
 
Was Wilson hier inszeniert lohnt auch kaum einen eigenen Eintrag. Die visuellen Effekte des Films sind nicht ganz schlecht. Gut sind sie aber auch nicht. Das beste Bild des Films liefert eine Szene, in der dem Helden einmal das halbe Gesicht weggerissen wird. Im Laufe des Films sehen wir die „halbes-Gesicht-wird-weggerissen“-Nummer noch zwei oder dreimal, aber jedes Mal in schlechterer Ausführung. Andere CGI-Szenen fallen noch weniger überzeugend aus. Trotzdem sind die visuellen Effekte noch das Beste an der Inszenierung.
 
Das liegt aber nicht an den Effekten, sondern an der Inszenierung. Die Actionszenen sind fast ausnahmslos unübersichtlich gestaltet. Sie lassen jedes Gefühl für den Raum und die Zeit in der sie sich abspielen vermissen. An einer Stelle sitzt der Held in einem Porsche der frontal von einem Truck gerammt wird. Während die Schergen aus dem Truck aussteigen, sehen wir den Helden bereits außerhalb des zerstörten Autos. Wie ist er aus dem Wrack entkommen? Man weiß es nicht. Während einer Schießerei in einem Tunnel variiert die Zahl der Gegner ständig. Dafür sehen wir den Helden von Einstellung zu Einstellung mal auf einer Seite des Geschehens und mal auf der anderen. Gehört etwa auch Teleportation zu seinen neuen Superkräften?
 
Bei der Inszenierung ruhigerer Szenen stellt sich der Regisseur auch nicht geschickter an. Warum nimmt man den Helden beim Sitzen und Nachdenken mit wackliger Handkamera auf? War kein Stativ zur Hand? Und sollen wir annehmen, Held und Heldin seien einander näher gekommen nachdem in einer Szene zwei gelangweilte Schauspieler ohne jede Chemie zwischen ihnen lächerliche Dialogzeilen aufgesagt haben?
 
01 ©2020 Sony Pictures02 ©2020 Sony Pictures03 ©2020 Sony Pictures04 ©2020 Sony Pictures
 
Nanotechnik und irgendwas mit gelöschtem Gedächtnis …
 
Für die lahmen Dialoge kann man die Regie nur bedingt verantwortlich machen. Die gehen, ebenso wie die lächerliche Handlung, auf das Konto der Autoren. Jeff Wadlow hat mit „Kick Ass 2“den deutlich schwächeren der beiden Filme dieser Serie und mit „Wahrheit oder Pflicht“ einen Horrorfilm über und für sehr doofe Teenager geschrieben. Aber der zweite Autor Eric Heisserer hat unter anderem die Drehbücher zu so hervorragenden Filmen wie „Arrival“ und „Bird Box“ geschrieben. Vielleicht hat er für „Bloodshot“ nur seinen Namen hergegeben. Falls Heisserers Beitrag doch erheblicher gewesen sein sollte, steckt er wohl in einer schlimmen Krise.
 
Die Arbeit mit den Darstellern fällt aber auf jeden Fall in die Kompetenz des Regisseurs. „Kompetenz“ ist bei Dave Wilson natürlich ein starkes Wort. Hauptdarsteller Vin Diesel war nie ein großer Mime. Aber kompetente Regisseure wie Steven Spielberg oder Rob Cohen haben in „Der Soldat James Ryan“, „The Fast and the Furious“ und „XXX – Triple X“ gezeigt wie man Diesel effektiv einsetzen kann. Wilson hat es während der Dreharbeiten zu „Bloodshot“ nie geschafft, den Star des Films aus seiner Komfortzone herauszulocken.
 
„Bloodshot“ wäre ohne Vin Diesel wohl auch kein guter Film geworden. Aber Diesels Besetzung lässt die hanebüchene Handlung noch lächerlicher wirken. Wieso sollte man ausgerechnet einen Mann über Fünfzig mit deutlichem Übergewicht für dieses millionenteure Projekt auswählen? Und hilft die Nanotechnik dem Helden dabei, dauernd den Bauch einzuziehen?
 
Mit einem jüngeren und agileren Hauptdarsteller hätte man die Kampfszenen vermutlich deutlich dynamischer gestalten können. Mit Vin Diesel laufen diese Szenen in „Bloodshot“ immer nach dem gleichen Muster ab: Nahaufnahme von Diesel wie er seinen Arm bewegt. Schnitt. Stuntman stürzt durch die Gegend. Schnitt. Nahaufnahme von Diesel der schießt. Schnitt. Stuntman stürzt zu Boden. Nahaufnahme von Diesel der etwas wirft. Schnitt. Explosion. Stuntman fliegt durch die Luft. Und so weiter und so fort. Diesel bewegt sich in den einzelnen Einstellungen der Actionsequenzen kaum jemals. Und wenn, dann nicht schnell. Die Arbeit, die er hätte leisten sollen, hat der Schnitt übernommen.
 
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Eiza González hat in „Baby Driver gezeigt, welche Wirkung sie auf der Leinwand entfalten kann. Hier vermittelt sie in der Rolle einer weiteren Supersoldatin nichts dergleichen. Lamorne Morris („New Girl“) wirkt sympathisch in einer Rolle, die ein reines Handlungselement ist. Und Guy Pearce sehen wir in einer Rolle die er in „Iron Man 3“ sehr viel interessanter gespielt hat. Aber damals hatte er auch ein richtiges Drehbuch und einen richtigen Regisseur. Beides hat sicher geholfen.
 
Fazit
 
Und noch eine Comicverfilmung. Leider nicht so gut gespielt wie all die anderen Comicverfilmungen die wir im letzten Jahr zu sehen bekommen haben … und auch nicht so spannend … oder so unterhaltsam …
 
 
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