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***Zu guter Letzt***

zgl kritik
 
Autorin: Timea Sternkopf
 
Hollywood-Grande-Dame Shirley Maclaine (“Das Appartment”) spielt die kontrollsüchtige, dauerhaft schlecht gelaunte Harriet Lauler in Mark Pellingtons Dramedy “Zu guter Letzt”.
 
“Es gibt vier Elemente, die nötig sind, um einen großartigen Nachruf zu verfassen:
 
1. Der Verstorbene sollte von seiner Familie geliebt werden.
2. Der Verstorbene sollte von seinen Mitarbeitern bewundert werden.
3. Der Verstorbene sollte das Leben eines Anderen positiv beeinflusst haben (und wenn dieser Andere einer Minderheit angehört oder ein Krüppel ist, umso besser…)
4. Wildcard - etwas Besonderes im Leben des Verstorbenen.”
 
Harriet Lauler hat eine ganz genau Vorstellung davon, was im Falle ihres Ablebens in ihrem Nachruf stehen sollte. Dumm nur, dass sie keinen dieser Punkte erfüllen kann. Das sollte sich ändern!
 
In den ersten paar Minuten zeigt uns Pellington, dass seine Protagonistin eine einsame alte Dame ist, die in ihrem riesigen Anwesen statt Freunde und Familie nur Angestellte um sich herum hat. Diese werden von ihrer Kontrollsucht terrorisiert: Die Köchin darf nicht kochen, der Gärtner darf nicht die Hecke schneiden. Harriet Lauler macht es lieber selber, schließlich sollte alles perfekt sein.
 
 
Eines Tages liest sie in der Lokalzeitung “Boston Gazette” einen großartig geschriebenen Nachruf, woraufhin sie höchstpersönlich die junge Autorin Anne (Amanda Seyfried) aufsucht und ihr unmissverständlich klarmacht, dass sie ihren Nachruf gefälligst in den nächsten Tagen verfassen soll.
 
Shirley Maclaine spielt “menschliche schwarze Wolke”
 
“Mich hat noch nie etwas überrascht.” Der Gedanke ihren Nachruf dem Zufall zu überlassen erscheint ihr vollkommen unvernünftig. So übergibt die herrische alte Dame eine Liste mit hunderten von alphabetisch geordneten Namen, die Anne abtelefonieren sollte. Anne wird schnell klar, dass niemand etwas Gutes über Harriet zu sagen hat, selbst ihr Priester “hasste sie unglaublich”. Wie soll man einen Nachruf verfassen, wenn Harriet sogar von ihrer Friseurin eine “menschliche schwarze Wolke” genannt wird?!
 
“Zu guter Letzt” handelt von einem alten Menschen, der sein Leben Revue passieren lässt und merkt, dass nicht viel Gutes drinsteckte. Ein letzter Versuch, vor dem unausweichlichen Tod, sollte das Leben auf die richtige Bahn bringen - mit Hilfe eines liebenswürdigen Menschen, der alles umkrempelt. Aus Unsympath wird Gutmensch - diese Formel für ein klassisches Feel-Good-Movie ist nicht gerade neu.

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Vorhersehbar, wie der Wetterbericht in der Antarktis
 
“Zu guter Letzt” erzählt eine Geschichte, die ohne nennenswerte Höhepunkte auskommt. Die Handlung ist in etwa so vorhersehbar, wie der Wetterbericht in der Antarktis. Es passiert rein gar nichts, was den Zuschauer überraschen könnte. Der “Vorsicht Spoiler”-Stempel ist vollkommen unnötig, wenn an dieser Stelle verraten wird, dass aus der alten Grantlerin Harriet Lauler eine anständige, freundliche alte Dame wird.
 
Doch trotz des schwachen Drehbuches und der uninspirierten Inszenierung von “Arlington Road”-Regisseur Mark Pellington muss man eines gestehen: Oscar-Gewinnerin und alter Hollywood-Hase Shirley Maclaine macht ihre Sache in “Zu guter Letzt” ganz wunderbar. Nur schade, dass alles um sie herum in einem Brei aus Wohlfühl-Weichspüler untergeht. Amanda Seyfried versucht ihr Bestes aus ihrem gähnend langweiligen Charakter der jungen Autorin auf Selbstfindungstrip etwas Interessantes rauszuholen. Doch es mag ihr nicht gelingen. Anne bleibt genau so fad wie ihr Umfeld aus Vater, Freund und Arbeitskollegen.
 
Auch das Einstreuen eines Side-Plots über die junge Brenda aus einem Heim für Risikokinder, derer Harriet sich annimmt, kann “Zu guter Letzt” nicht retten. Lediglich die Szene über das Aufeinandertreffen zwischen Harriet und ihrer zerstrittenen Tochter Elisabeth (Anne Heche) sorgt für eine spannende Szene mit einer Prise bissigem Humor.

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Fazit
 
Wäre “Zu guter Letzt” ein Mensch, würde ein wichtiges Element fehlen um einen großartigen Nachruf zu verfassen: Die Wildcard. Der Tragikomödie fehlt schlicht und einfach das Besondere, dieses gewisse Etwas. Filme dieser Art gab es in der Filmgeschichte zur Genüge und durchaus besser. Kann man anschauen, muss man nicht.
 
 
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