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*** Edison: Ein Leben voller Licht ***


 

ouatih kritik

Autor: Walter Hummer
 
Benedict Cumberbatch spielt Thomas Edison und Michael Shannon spielt George Westinghouse in diesem Film über die Auseinandersetzung, welche Stromspannung im späten 19. Jahrhundert Standard werden sollte. Für Licht und Spannung sollte also gesorgt sein …
 
Gleichstrom oder Wechselstrom?
 
1880 ist Thomas Alva Edison bereits als genialer Erfinder bekannt. Entsprechend exzentrisch ist sein Verhalten. Seinen Geldgeber J. P. Morgan behandelt er in Anwesenheit des amerikanischen Präsidenten von oben herab. Eine freundliche Einladung des mindestens ebenso erfolgreichen Erfinders und Industriellen George Westinghouse nimmt er einfach nicht wahr. Nachdem Westinghouse die Elektrifizierung amerikanischer Großstädte mit Wechselstrom vorantreiben will und Edison vehement den Einsatz von Gleichstrom fordert, werden die beiden Genies zu Rivalen ...
 
So wie Thomas Edison ein ganz besonderer Mann mit vielen Problemen war, so ist „Edison – Ein Leben voller Licht“ ein ganz besonderer Film mit vielen Problemen. (Der Originaltitel „The Current War“ ist übrigens ein interessantes Wortspiel mit dem Begriff „current“, der im Englischen sowohl „aktuell“ als auch „Strom“ oder „Stromstärke“ bedeutet). Deutlich werden die Probleme dieses Films bereits in einer seiner ersten großen Szenen:
 
Wir haben zuvor in vielen Dialogzeilen Edisons nächstes Projekt, die Beleuchtung eines Häuserblocks in Ney York City, erklärt bekommen. Ein weiterer Dialog zwischen Edison und seinem Assistenten (Tom Holland) soll für Spannung sorgen. Edison selbst steuert dann nochmal die Erwartungshaltung wenn er vor Publikum in Aussicht stellt, der Versuch würde vermutlich scheitern. Dann wird ein Schalter umgelegt und … was wir zu sehen bekommen ist leider nicht besonders beeindruckend. Klar, es gehen Lichter an. Aber eindrucksvoll ist das was wir auf der Leinwand zu sehen bekommen nicht wirklich. Dass sich der Film kaum Zeit nimmt, die Reaktion der Protagonisten zu zeigen, ist auch nicht hilfreich.
 
 
Fehler wie diese wiegen schwer in einem Film, dessen Hauptthema „Licht“ ist und der zum größten Teil ganz wunderbar aussieht. Der Kontrast zwischen der, damals noch recht schwachen künstlichen Beleuchtung und dem klaren Licht unter freien Himmel, wird in einzelnen Szenen wunderbar vermittelt. Auch andere Teile der visuellen Gestaltung sind hervorragend gelungen. Computergenerierte Bilder fügen sich nahtlos und stimmig ins Gesamtbild ein. Der Film ist über weite Strecken hervorragend montiert.
 
Glühbirne und Phonograph
Aber schon die Kameraarbeit fällt teilweise fragwürdig aus. In einigen Szenen ergeben die, im wahrsten Sinne des Wortes „schrägen“ Bildausschnitte durchaus Sinn. Aber warum in vergleichsweise ruhigen Dialogszenen die Protagonisten immer wieder schräg im Bild sitzen oder stehen, mag sich dem Betrachter oft genug nicht erschließen. Der Film selbst ist leider meistens nicht halb so dramatisch wie seine visuelle Gestaltung. Und auch die Musik klingt oft viel dramatischer als das was auf der Leinwand zu sehen ist.
 
Wenn die visuelle und musikalische Gestaltung des Films schon recht unausgewogen ausfallen, lassen ihn Drehbuch und Regie fast völlig kippen. Autor Michael Mitnick („Hüter der Erinnerung“) hat viel zu viel in sein Drehbuch gepackt. Und Regisseur Alfonso Gomez-Rejon („Glee“, „American Horror Story“) nimmt sich für kaum etwas davon Zeit. Thomas Edisons geniale Geschäftspraktiken gäben Stoff für einen eigenen Film ab. Seine erste Ehe gäbe Stoff für einen eigenen Film ab. Westinghouse‘ Leben gäbe Stoff für einen eigenen Film ab. Nikola Teslas Leben gab schon mal Stoff für einen eigenen Film ab und zwar 1980 für den großartigen aber leider vergessenen „Das Geheimnis des Nikola Tesla“.
 
Aber hier bekommen wir von allem ein bisschen und nichts richtig gezeigt. Im Film wird über Edisons Genie gesprochen, aber meist stellt sich die Hauptperson eher dumm an. Edisons Frau stirbt, aber ihr Tod lässt uns kalt, weil wir sie in den wenigen Szenen zuvor kaum kennengelernt hatten. Über den Menschen Westinghouse erfahren wir praktisch nichts, bekommen aber immer wieder Rückblenden an ein einziges Erlebnis im Sezessionskrieg gezeigt, das am Ende ohne Bedeutung für die Handlung bleibt. Die Figur des Nikola Tesla ist so wenig ausgearbeitet, sie wirkt wie ein nachträglicher Einfall zum Film.
 
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„Edison – Ein Leben voll Licht“ hat also kaum Zeit für seine Figuren und ihre Geschichten. Der Film zeigt teilweise wunderschöne Bilder, aber in Szenen in denen es auf die Bilder ankäme fehlt ihm dafür auch oft die Zeit. Wofür der Film jede Menge Zeit hat, das sind Dialoge. Es wird viel Dialog gesprochen in diesem Film. Und nur wenig davon ist gelungen. Wenn Edison bei Verhandlungen mit seinem Geldgeber sagt, „Gegenangebot: Ich gebe ihnen nicht was sie wollen, aber sie geben mir alles was ich will.“ wartet man auf die Pointe. Und zwar vergeblich, den Autor Mitnick hält Edisons Satz schon für witzig und originell.
 
An anderer Stelle lässt Mitnick seine Hauptperson wörtlich fragen, was er denn verloren habe, nur damit eine arg konstruierte und leider traurige Pointe folgen kann. Auch andere Pointen lassen jede Leichtigkeit vermissen. Wenn eine Figur meint, es würde nie wieder etwas den Namen „Tesla“ tragen, stellt sich die Frage, ob dieser müde Scherz die Anstrengung wert war. Auch die visuellen Pointen lassen viel Mühe erkennen. Eine Geste mit einem Messer wirkt gestelzt. Ebenso die Szene in der ein Richter seinem Zeugen Feuer für die Zigarre gibt. Und vielleicht hat man tatsächlich auf dem Rücken eines Verurteilten Autogramme geschrieben. Trotzdem wirkt das Bild zu bemüht.
 
Den Abschluss des Films bildet eine Auseinandersetzung um die Beleuchtung der Weltausstellung in Chicago. Ich schreibe „Abschluss des Films“ und nicht „Höhepunkt“, weil diese Auseinandersetzung in keiner Szene spannend wird. Danach folgt eine längere Dialogszene um eine „13-Stunden-Glühbirne“. Diese besondere Glühbirne war für die beiden Hauptfiguren seit langer Zeit von so großer Bedeutung, dass sie während der vorangegangenen 97 Minuten des Films kein einziges Mal erwähnt wurde. Es wirkt, als wollten Autor und Regisseur am Ende noch schnell diese eine weitere Idee loswerden, egal ob sie noch in den Film passt oder nicht.
 
Kinetoskop und Kinetograph
 
Benedict Cumberbatch spielt nach Stephen Hawking, Julian Assange, Sherlock Holmes, dem Code-Knacker Alan Turing, “Doctor Strange” und Khan aus “Star Trek” mal wieder ein exzentrisches Genie. Und weil er schon so viele exzentrische Genies gespielt hat, sollten wir vielleicht Nachsicht haben wenn ihm diesmal praktisch nichts Neues zur Gestaltung seiner Rolle eingefallen ist.
 
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So unausgewogen wie der ganze Film sind auch die Leistungen der Hauptdarsteller. Michael Shannon („Take Shelter“, „Shape of Water“) liefert eine auf unaufgeregte Weise geniale Darstellung ab. Sein Westinghouse vermittelt mit einem Blick mehr als Cumberbatchs Edison mit zwölf Seiten Dialog. Man muss diesen Film nur wegen Michael Shannon gesehen haben, der sich damit endgültig als einer der großen Charakterdarsteller unserer Zeit empfiehlt.
 
„Spider-Man“ Tom Holland darf als Edisons Assistent Stichworte geben und die Handlung kommentieren. Aber nicht nur sein Talent wird verschwendet. Nicholas Hoult (bekannt als „Beast“ aus den neueren „X-Men“-Filmen) darf Nikola Tesla als verwirrten Gecken spielen. Sechs seiner sieben Szenen tragen praktisch nichts zur Handlung bei. Der Rest der Nebendarsteller ist komplett austauschbar.
 
Fazit
Dieser Film bietet viel Licht, aber auch Schatten. Spannung kommt trotz der hohen Amperezahl leider kaum jemals auf.
 
 
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