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*** Motherless Brooklyn ***


ouatih kritik

Autor: Christopher Diekhaus
 
Fast 20 Jahre kämpfte der bisher mit drei Oscar-Nominierungen bedachte Schauspieler Edward Norton für die Verfilmung des Kriminalromans „Motherless Brooklyn“, dessen Rechte er sich bereits Ende der 1990er Jahre gesichert hatte. Als Regisseur, Produzent, Drehbuchautor und Hauptdarsteller bastelte er akribisch an einer Leinwandversion, die nun auch in den deutschen Kinos anläuft.
 
Verbeugung vor der Schwarzen Serie
 
Der Film noir, eine Strömung düster-melancholischer Kriminalgeschichten im US-Kino von Anfang der 1940er bis Ende der 1950er Jahre, hat die Fantasie vieler Filmemacher befeuert. Immer wieder entstanden Detektivthriller, die sich tief vor den Arbeiten der klassischen Ära verneigten und von denen manche – etwa Roman Polanskis clevere Hommage „Chinatown“ – selbst Kultstatus erlangten.
 
Das Subgenre des sogenannten Neo-Noir trieb einige aufregende Blüten, hat in den letzten Jahren aber – zumindest auf der großen Bühne – merklich an Bedeutung verloren. Mit seiner Adaption des von Jonathan Lethem verfassten Romans „Motherless Brooklyn“ sorgt der in jüngerer Vergangenheit nur selten auf der großen Leinwand aufgetauchte Schauspieler Edward Norton für etwas Abhilfe. Seine inhaltlich stark von der Vorlage abweichende Verfilmung präsentiert sich unverkennbar als Liebeserklärung an das Noir-Kino und seine gebrochenen Helden.
 
 
Bezeichnend ist allein die Tatsache, dass der kreative Kopf hinter dem Projekt seine Geschichte im Jahr 1957 ansiedelt, während die Handlung im Buch im Jahr 1999 spielt. Gleich zu Beginn muss der für eine Detektei arbeitende Lionel Essrog (Edward Norton), ein Mann mit Tourette-Syndrom, einen herben Schicksalsschlag verkraften. Sein Chef und Mentor Frank Minna (Bruce Willis) wird bei einem geheimnisvollen Treffen entführt und kurz darauf erschossen. Im Gegensatz zu seinen Kollegen will Lionel die Tat unbedingt aufklären und versucht, den letzten Fall des Toten zu rekonstruieren. Seine Ermittlungen führen den Assistenten, der über ein unglaubliches Erinnerungsvermögen verfügt, zu der engagierten Gentrifizierungsgegnerin Laura Rose (Gugu Mbatha-Raw) und auf das glatte Politparkett New Yorks.
 
Angenehm altmodisch
 
Männer mit breiten Hüten und hochgeschlagenen Kragen, verqualmte Jazz-Lokale, dunkle Hinterhöfe, Voiceover-Kommentare der Hauptfigur, undurchsichtige Verwicklungen und eine möglich Femme fatale. „Motherless Brooklyn“ greift viele typische Noir-Zutaten auf und erzeugt mit seinem akkuraten, ausgesuchten Szenen- und Kostümbild eine altmodische Krimistimmung, ohne dabei zu sehr in die Nostalgiefalle zu tappen.
 
Dank des an einer Nervenkrankheit leidenden Protagonisten, der regelmäßig obszöne Wortspiele von sich gibt und von Zuckungen übermannt wird, hat der Film allerdings ein spannendes Alleinstellungsmerkmal. Norton, der Lionel eindringlich und mit großem Feingefühl verkörpert, zieht aus den Ausbrüchen durchaus einige skurrile Momente, überschreitet aber nie die Grenze zur Bloßstellung. Mehr als einmal hebt das Drehbuch auf Essrogs Verfassung, seine mit dem Tourette-Syndrom verbundenen Ängste ab und bemüht sich, dem Publikum das Chaos in seinem Kopf näherzubringen. „Motherless Brooklyn“ ist geprägt von einer tiefen Menschlichkeit und schafft es deshalb, den Zuschauer emotional zu packen.
 
01 ©2019 Warner Bros Pictures02 ©2019 Warner Bros Pictures03 ©2019 Warner Bros Pictures04 ©2019 Warner Bros Pictures
 
Der Krimiplot, der fulminant anläuft, in der ersten Stunde dann aber manchmal etwas zu behäbig voranschreitet, nimmt einige interessante Wendungen und wird wiederholt von ruhigen, atmosphärischen Charaktermomenten unterbrochen. Die Geschehnisse mögen sich in der Vergangenheit zutragen. Erfrischend ist jedoch, wie Norton seine Verschwörungsstory mit hochaktuellen sozialen und politischen Überlegungen auflädt.
 
Die rücksichtslose Verdrängung armer Menschen aus ihren Wohnvierteln, systemimmanenter Rassismus und das perverse Machtverständnis weißer Alphatiere werden hier kritisch unter die Lupe genommen. Erinnert fühlt man sich unweigerlich an das eingangs erwähnte Meisterwerk „Chinatown“, dessen Klasse „Motherless Brooklyn“ aber sicher nicht erreicht. Grund dafür ist neben der etwas oberflächlichen Zeichnung einiger Nebenfiguren auch der etwas übereilt anmutende Schlussakt. Wer klassische, stimmungsvoll inszenierte Detektivgeschichten im heutigen Kino vermisst, sollte sich Nortons zweite Regiearbeit dennoch unbedingt anschauen.
 
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Fazit
 
Aufwendig ausgestatteter Kriminalfilm nach Bestsellervorlage, der gewiss nicht alles richtig macht, den Betrachter stellenweise allerdings gefangen nimmt und von einem überzeugenden Hauptdarsteller getragen wird.
 
 
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