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*** Operation: Overlord ***


oolord kritik
 
Autor: Christopher Diekhaus
      
Bizarre Menschenversuche im Zweiten Weltkrieg: Mit „Operation: Overlord“ wagt sich „Lost“-Mastermind J. J. Abrams als Produzent auf das Feld des Nazi-Zombie-Subgenres und legt gemeinsam mit Regisseur Julius Avery („Son of a Gun“) einen deftigen Action-Schocker vor.
 
Unter der Erde wartet das Grauen
 
Leidenschaftlich wurde im Vorfeld spekuliert, ob das neue Werk aus der Abrams-Schmiede vielleicht der nächste Teil der lose zusammenhängenden „Cloverfield“-Reihe sei, die bislang aus „Cloverfield“, „10 Cloverfield Lane“ und „The Cloverfield Paradox“ besteht. Entgegen allen Mutmaßungen erblickt „Operation: Overlord“ nun als eigenständiger Film das Licht der Welt. Im Mittelpunkt der recht überschaubaren Handlung steht ein junger Soldat namens Boyce (Jovan Adepo), der im Sommer des Jahres 1944 an der Landung der Alliierten im Norden Frankreichs teilnimmt und zusammen mit einem kleinen Trupp Fallschirmjäger einen deutschen Radioturm zerstören soll. Ihr Flugzeug wird jedoch vom Himmel geschossen, und plötzlich finden sich nur eine Handvoll Kämpfer spärlich ausgerüstet hinter feindlichen Linien wieder.
 
 
Im Wald treffen die Überlebenden auf die Einheimische Chloe (Matilde Ollivier), folgen ihr ins Dorf und erhalten Zuflucht in ihrem Haus. Als sich der verunsicherte Boyce auf Drängen seines prinzipientreuen Kameraden Ford (Wyatt Russell) zur nahegelegenen Radiostation durchschlägt, erfasst ihn das kalte Grauen. Denn in den Kellerräumen der Militäranlage stolpert der junge Mann über unheimliche Labore, in denen ein deutscher Arzt (Erich Redman) groteske Experimente betreibt.

Ihre Geschichte nehmen Abrams und Avery – anders als man es aus den Untiefen der Nazi-Zombie-Fiktionen kennt – durchaus ernst und erwecken zunächst den Anschein eines düster-realistischen Kriegsfilms im Stile von Steven Spielbergs „Der Soldat James Ryan“. „Operation: Overlord“ – so lautete der Codename der Befreiung Nordfrankreichs durch die Alliierten – beginnt mit einer beunruhigenden Sequenz im Flugzeug, die die Anspannung der größtenteils jungen Fallschirmgruppe treffend auf den Punkt bringt. Fast hautnah zu spüren ist schließlich die Wucht des Angriffs. Wild wirbelt die Kamera durch den Bauch des Fliegers. Krachend lassen die Feuer- und Schussgeräusche den Kinosaal erzittern. Und immer panischer wird das Verhalten der Besatzung. Inszenatorisch gelungen ist sicher auch der erzwungene Absprung von Boyce, dessen Sturz durch die Wolken und dessen Eintauchen ins Wasser in einer einzigen fließenden Einstellung eingefangen wird. Mit diesem mitreißenden Auftakt legt Avery die Messlatte hoch und macht den Schrecken des Krieges für den Zuschauer ungeschönt erfahrbar.
 
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Geradlinig, blutig und grimmig
 
Eingefleischte Horrorfreunde, die von Anfang an auf ein Schlachtfest spekulieren, müssen etwas Geduld mitbringen, da der Regisseur und seine Drehbuchautoren Billy Ray („Vor ihren Augen“) und Mark L. Smith („The Revenant – Der Rückkehrer“) rund eine Stunde lang nur mit Andeutungen arbeiten. Bricht die Hölle aber einmal los, entpuppt sich „Operation: Overlord“ als knallharter Survival-Streifen, dessen drastische Make-up-Effekte Genrefans zufriedenstellen sollten. Zartbesaitete Kinogänger dürften nicht nur beim Anblick der blutigen Exzesse schweißnasse Hände kriegen. Auch das unheimlich-groteske Szenenbild – gemeint ist vor allem der unterirdische Laborkomplex – wird so manchen Betrachter nachhaltig erschüttern.
 
Während die Figuren in vielen anderen Schockbeiträgen als billiges Kanonenfutter herhalten und sich dadurch zum Mitfiebern disqualifizieren, verfolgt man den verzweifelten Kampf der Protagonisten in diesem Fall mit einigem Interesse. Und das, obwohl das Skript keine großen Anstrengungen unternimmt, um Boyce und Co facettenreich zu zeichnen. Averys routinierte, adrenalingetränkte Inszenierung und die soliden Darstellerleistungen heben den Mix aus Kriegs- und Horrorfilm über den lächerlichen Nazi-Zombie-Trash hinaus, wenngleich man inhaltlich auf originelle Ideen verzichten muss.
 
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Ab und an blitzen Brüche und Ambivalenzen in der Erzählung auf. Etwa dann, als Boyce, die Stimme der Vernunft, gegen die Foltermethoden eines Kameraden opponiert. Zu Ende denken will „Operation: Overlord“ diesen Konflikt aber leider nicht. Suboptimal ist überdies die Entscheidung, im Finale eine Actionshow zu entfachen, anstatt sich stärker auf die beklemmende, kammerspielartige Stimmung in den finsteren Kellergewölben zu konzentrieren. Hätten Avery und seine kreativen Mitstreiter hier an einigen Stellschrauben gedreht, würde ihr grimmiger Reißer das Publikum noch ein Stück mehr in seinen Bann ziehen.
 
Fazit
 
Nichts Neues an der Drehbuchfront, dafür aber ordentliches Schockhandwerk, das in manchen Momenten durch Mark und Bein geht.
 
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