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***Sing***

 sing kritik
 
Autor: Sascha Fersch
 
Der Titel ist Programm. In dem Film Sing tragen 65 Hits den Zuschauer einmal quer durch die letzten 30 Jahre der Popmusik und bieten so ein unterhaltsames Familienkino-Erlebnis.
 
Das Theater als Ort der Begegnung
 
Es erscheint etwas paradox, dass sich gerade ein digital animierter Kinofilm mit der verbindenden Kraft des Theaters auseinandersetzt. Doch Illumination Entertainment hat sehr bewusst dieses Setting gewählt, denn diese nostalgische Note gibt dem Film eine Erdung die er sonst oftmals droht zu verlieren. In dieser sehr menschlichen Welt, die allerdings ausschließlich von verschiedensten Tieren bevölkert ist, hält der magische Ort die Handlung zusammen und dient als Plattform für die einzelnen Schicksale. Und im besten Fall animiert es den ein oder anderen auch selbst mal wieder ins Theater zu gehen.
 
Der Koala Buster Moon ist ein Theatermensch mit Leib und Seele, nur geschäftlich läuft es nicht so gut und sein alterwürdiges Moon-Theater steht kurz vor dem Ruin. Er fasst einem letzten verzweifelten Plan und versucht das moderne Konzept von Castingshows auf seine Bühne zu übertragen. Wegen des durch einen Tippfehler enormen Preisgeldes, rennen ihm alle Tiere mit vermeintlichem Talent die Türen ein. Er hat recht schnell seine Favoriten zusammen, doch da beginnen schon die Schwierigkeiten. Jeder einzelne Charakter hat mit seinen eigenen Problemen zu kämpfen, von Auftrittsangst über familiäre Anerkennung bis hin zu Ego-Problemen.
 
Dass Buster Moon das Preisgeld nicht hat und die Bank vielmehr bereits hinter seinem letzten Hemd her ist kommt erschwerend hinzu. Als dem Theater der Strom abgestellt wird findet der Koala noch eine kreative Lösung. Doch nach mehr und mehr Rückschlägen scheint die Situation ausweglos, die einzige Rettung könnte Nana sein, eine sehr alte, sehr reiche und sehr eigensinnige Operndiva, die selbst ihre größten Erfolge in eben diesem Theater gefeiert hat. Buster Moon will ihr eine exklusive Privat-Vorstellung bieten um sie zu überzeugen, doch sind seine Talente dazu bereit?
 
 
Castingshows als filmisches Konzept
 
Es gibt schon länger Filme über Castingshows, angefangen bei Sister Act 2 bis hin zu Pitch Perfect. Die Anziehungskraft dieser Formate geht also längst über das Fernsehen hinaus, es ist das perfekte Märchen, von heute auf morgen der Welt zu zeigen was man wirklich kann und damit auch noch Geld zu verdienen. Dass die Realität oftmals anders aussieht kann man auch in diesem Film zumindest erahnen, wenn man genauer hinschaut. Dementsprechend rückt der Wettbewerbsgedanke im Laufe der Handlung auch zunehmend in den Hintergrund, wichtig ist in erster Linie, überhaupt kreativ tätig zu werden.
 
Die Animateure von Illumination haben bereits mit ihren Vorgängerfilmen bewiesen dass nicht nur Pixar gleichzeitig liebenswerte und pointierte Charaktere erschaffen kann. Nach dem riesigen Erfolg Ich - Einfach unverbesserlich war der Druck sehr hoch, ein neues Meisterwerk zu schaffen. Die Strategie, nach Pets gleich wieder mit tierischen Hauptdarstellern zu punkten, wird sicherlich vor allem bei den jüngeren Zuschauern aufgehen. Außerdem animieren allein die vielen bekannten Lieder zum Mitsingen und bieten einen großes Unterhaltungspotential. Dabei wurden auch die Eltern nicht vergessen und ein paar alte Musik-Klassiker haben auch ihren Platz gefunden.
 
Dementsprechend war es wohl auch eine große Aufgabe für die Sprecher, nicht nur ihre Figuren sprachlich zum Leben zu erwecken sondern auch noch überzeugend zu singen. Im Original sind das mit Seth MacFarlane, Reese Witherspoon und Scarlett Johansson begabte Allrounder die schon oft bewiesen haben dass sie Singen können. In der deutschen Synchronisation dürfen dafür Klaas Heufer-Umlauf, Alexandra Maria Lara und Stefanie Kloß (die Sängerin von Silbermond) am Mikrofon zeigen was sie können. Wer genau hinhört entdeckt sogar einen sehr überzeugenden Olli Schulz als Best Buddy des Hauptdarstellers.
 
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Wenn Tiere wirklich singen könnten
 
Ein gewagter Spagat ist diese Welt schon, Tiere die sich alle zusammen in einer vollkommen menschlich strukturierten Welt tummeln, ohne sich gegenseitig zu jagen und zu fressen. Was im ersten Moment idyllisch klingt offenbart aber bald so viele Schwächen, dass man den Figuren fast wünschen würde, sie dürften einfach nur Tiere sein. Die allzu menschlichen Sorgen wie Geldnöte, Verkehrskollaps und beruflicher Alltag machen auch Schweine, Affen und Elefanten nicht gerade glücklich. Doch obwohl dieser Film sicherlich eine Fabel auf diese menschlichen Missstände sein will, gelingt ihm das nicht durchgängig.
 
Zu forciert wirkt manchmal die Handlung, durch die vielen Charaktere die alle etabliert werden wollen, wirkt die Erzählung teilweise etwas gehetzt. Außerdem haftet Castingshows mittlerweile ein etwas fader Beigeschmack an. Zwar stimmt die Moral am Ende wieder, doch initiativ ist sowohl die halbgare Castingshow im Film als auch der Film selbst sehr Nahe an der kapitalistischen Realität, schlichtweg mit Außenseiterstorys und bereits bekannter Musik Quote zu erzeugen. Auch das Theater als solches wird zu unrecht auf musikalische Revuen reduziert, was mit klassischen theatralen Stoffen eher wenig zu tun hat.
 
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Fazit
 
Die Musik übertüncht sehr gekonnt einige Schwachstellen in der Erzählung, dafür punktet der Film mit liebevollen Figuren, lustigen Momenten und einigen Ohrwürmern. Also bestes Familienkino ohne tiefere Bedeutung aber wenigstens einer schmalzigen Portion Moral.
 
 
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