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*** Ballon ***


 
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Autorin: Katharina Mühl
   
Fällt der Name Michael Bully Herbig, denken die meisten vermutlich erstmal an dessen Komödien wie beispielsweise (T)Raumschiff Surprise – Periode 1, Schuh des Manitu oder auch die Bullyparade. Nun kommt ein neuer HerbX Film in die Kinos, allerdings keiner, der den Zuschauer durch bloßes Witzeln unterhalten, sondern vielmehr durch Spannung den Atem rauben soll: der Thriller Ballon.
 
Flucht mithilfe eines Heißluftballons
 
Der Film basiert auf einer wahren Begebenheit und erzählt die spektakuläre Flucht zweier Familien im Jahre 1979 aus der DDR in den Westen. Zwei Jahre lang haben die Strelzyks und die Wetzels ihren Fluchtversuch vorbereitet und im Keller heimlich einen riesigen Heißluftballon zusammengebastelt, um so unbemerkt die Grenze zu überqueren.
 
Durch einen Betriebsfehler stürzt dieser jedoch ein paar hundert Meter zuvor ab und das Vorhaben, in den Westen zu fliehen, misslingt. Schnell wird die Stasi auf das Ereignis aufmerksam und arbeitet in hartnäckigen Ermittlungen daran, die „Volksverräter“ ausfindig zu machen. Deswegen sehen die Familien sich gezwungen, ihre Tat zu wiederholen, um mithilfe eines zweiten Heißluftballons (hoffentlich) zu entkommen. Ein Wettlauf gegen die Zeit beginnt.
 
 
Das Ende ist schon zu Beginn bekannt
 
Es wird kein großes Geheimnis um den Schluss des Filmes gemacht. Im Gegenteil, es steht bereits in sämtlichen Infotexten geschrieben, dass der zweite Fluchtversuch gelingt. Somit gründet die Spannung in dem Film also nicht darin, auf den Ausgang der Geschichte hinzuarbeiten und die Frage nach dem Fluchterfolg aufzulösen. Vielmehr interessiert alles darum herum: Was geht in den Figuren vor?
 
Wie schnell und wie erfolgreich laufen die Ermittlungen der Stasi? Welche Fehler machen die Flüchtenden und werden diese bemerkt? Und hier ist leider das Problem: Die Geschichte hat großes Potenzial, jedoch wird dieses von den Filmemachern nicht ausgeschöpft – es wirkt, als hätten sie sich nicht getraut, aus Angst, etwas falsch abzubilden.
 
Der Film verharrt an der Oberfläche
 
Selbstverständlich ist es schwierig, einen Film über die DDR zu machen, wenn man sie selbst nicht miterlebt hat. Allerding scheint der Film so krampfhaft zu versuchen, keinen Fehler zu machen und dieses DDR Setting authentisch zu zeigen, dass alles andere auf der Strecke bleibt. Die Ausstattung ist großartig und wirkt bis ins letzte Detail echt, von der Tapete über das Feuerzeug bis hin zum Briefkasten, niemandem wird auffallen, dass dieser Film ca. 40 Jahre nach dem tatsächlichen Ereignis gedreht wurde. Aber ein authentisches Bild allein trägt leider nicht 120 Minuten lang.
 
Auch die Schauspieler sind Profis: Friedrich Mücke, David Kross, Karoline Schuch, etc. haben sich oft genug bewiesen und gezeigt, dass und wie gut sie spielen können. Nur leider hat Bully sie in Ballon nicht gelassen. Sämtliche potentielle Momente von großen Emotionen wurden vermieden, obwohl die Geschichte an sich eine Menge Spannungsmöglichkeiten bietet:
 
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Konfliktpotenzial wird ignoriert
 
Es gibt viele mögliche Konflikte, wie beispielsweise die Liebesgeschichte zwischen dem Sohn der Strelzyks, Frank, und der Tochter der Nachbarsfamilie, Klara Baumann, deren Vater bei der Stasi ist und auf keinen Fall von den Fluchtplänen erfahren darf. Oder den kleinen Sohn der Wetzels, Oskar, der sich im Kindergarten leider verplappert und unbedacht allen von den Heißluftballonbasteleien seines Vaters berichtet. Diese Möglichkeiten werden einfach übergangen und weder auserzählt noch ausgespielt.
 
Dem Film fehlt die Gänsehaut
 
Vermutlich kann dies damit begründet werden, dass versucht wurde, die Geschichte so weit wie möglich so abzubilden, wie sie sich auch tatsächlich ereignet hat. Allerdings wirkt das Ergebnis so zu glatt, der Film hat keine Ecken und Kanten und somit auch nicht das gewisse Gänsehaut-Etwas, das einem nach dem Sichten ein „Wow“ entlockt. Wenn ein Regisseur für das Thema, das der Film behandelt, brennt, dann spürt man das als Zuschauer und es ist leicht, sich von dessen Begeisterung mitreißen zu lassen.
 
Bei Herbigs Arbeit fehlt mir jedoch die Antwort auf eine entscheidende Frage, die sich nach Sichtung des Filmes aufdrängt: Warum diese Geschichte? Ballon ist solide erzählt, da kann man nicht meckern, jedoch fehlt die Handschrift bzw. die eigene Interpretation; irgendetwas, das den Film besonders macht und begründet, warum er sich diesem Thema annehmen wollte - als Person, die auf den ersten Blick erstmal nicht damit in Verbindung gebracht wird.
 
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Der Film ist kein Thriller, sondern eher eine Doku
 
Im Grunde genommen wirkt es durch die Neutralität wie eine Dokumentation und kein Spielfilm. Als hätte man die Fluchtgeschichte aus der Reporterperspektive unbemerkt und unkommentiert aufgenommen und nun veröffentlicht.
 
Das Ergebnis ist dabei auf keinen Fall schlecht, alleine durch den erfahrenen Cast, die liebevoll ausgestatteten Räumlichkeiten und die authentischen Kostüme ist der Film sehenswert. Nur nicht als Thriller, der auf der großen Kinoleinwand sein Publikum für zwei Stunden in den Bann zieht, sondern eher als informierender Film, der im Fernsehen überzeugen könnte.
 
 
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