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*** Die Addams Family ***


ouatih kritik

Autor: Walter Hummer
 
Ein animiertes Remake einer gelungenen Verfilmung einer legendären Fernsehserie die auf genialen Cartoons basiert sollte einiges zu bieten haben. Die Macher dieses Films haben sich doch sicher einiges einfallen lassen, … oder?
 
They’re creepy and they’re kooky …
 
Ausgerechnet an ihrem Hochzeitstag werden Morticia und Gomez Addams von zornigen Dorfbewohnern aus ihrer Heimat vertrieben. Zum Glück finden Sie bald ein neues Heim in New Jersey. Die verfallene Irrenanstalt ist verflucht, war Schauplatz eines Mordes und einer der kriminellen Geisteskranken bleibt auch noch als Diener. Die beiden Jungvermählten haben also Ihr Traumhaus gefunden. Dreizehn Jahre später leben die Addams mit Tochter Wednesday und Sohn Pugsley immer noch glücklich und zufrieden in ihrem einsamen Spukhaus. Aber dann lernen sie ihre Nachbarn kennen …
 
1938 erschien der erste Cartoon rund um die damals noch namenlose Familie in der renommierten Zeitschrift „The New Yorker“. Der Zeichner Charles Addams, nach dem die Familie später benannt wurde, zeigte in seinen immer nur aus einem Bild bestehenden Cartoons ein beunruhigendes Zerrbild der typischen amerikanischen Familie. In einer der besten Zeichnungen verlassen die Eltern das Haus und erinnern die Babysitterin daran, die Kinder rechtzeitig ins Bett zu bringen und ihnen niemals den Rücken zuzudrehen. Zwischen 1964 und 1966 entstand eine Fernsehserie um diese schräge Familie. Obwohl nur 64 Folgen gedreht wurden, ist die Serie bis heute Kult.
 

 
1991 drehte Regisseur Barry Sonnenfeld eine Kinoversion in der sowohl die fantastische Anjelica Huston als auch der großartige Raúl Juliá und die damals gerade mal elfjährige Christina Ricci die Rollen ihres Lebens spielten. Zwei Jahre später erschien mit „Die Addams Family in verrückter Tradition“ ein wunderbares Gegenargument zu der ewigdummen Behauptung, Fortsetzungen würden immer schwächer ausfallen als der erste Teil (Weitere Beispiele wären übrigens „Aliens“, „Das Imperium schlägt zurück“, „Terminator 2“, Liebesgrüße aus Moskau“, „Shrek 2“, „The Dark Knight“ und so weiter und so fort).
 
Mysterious and spooky
 
Nun warum erzähle ich das alles? Damit unsere Leser am Ende der Lektüre wieder mal schlauer sein können als am Anfang? Zum Teil. Um mit meinen populärkulturellen Kenntnissen anzugeben? Auch. Aber hauptsächlich weil die animierte Neuverfilmung der Geschichte von Morticia, Gomez und ihrer Familie für eine Rezension so furchtbar unergiebig ist. Der Film ist nicht besonders witzig, aber auch nicht komplett langweilig. Der Film ist leider kein bisschen originell, aber er bedient die Erwartungshaltung an einen Film über die Addams Family. In technischer Hinsicht ist der Film weder gut, noch schlecht. Alles an dem Film ist irgendwie mittelmäßig.
 
Der Humor kommt in diesem Film nicht zu kurz. Natürlich ist es witzig, wenn das Makeup von Morticia aus zwei identischen Schattierungen von Grau besteht, weil es sich jeweils um Asche aus den Urnen ihres Vaters und ihrer Mutter handelt. Aber das war einer von vielleicht fünf wirklich guten Gags dieses Films. Und zwei davon waren bereits im Trailer zu sehen. In den restlichen 85 Minuten darf man sich über Dialoge wie den folgenden amüsieren: „Liebling, Deine Hand ist so kalt wie ein toter Fisch.“ „Das ist ein toter Fisch.“.
 
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Auch die visuellen Pointen fallen allzu oft recht farblos aus. Und sie werden selten subtil serviert. Warum trägt Wednesday ihre Zöpfe zu Henkersschlingen geflochten? Das Besondere an dieser Figur ist doch ihr harmloses, fast langweiliges Aussehen hinter dem sich ein morbides Genie verbirgt. Wozu also dieser aufdringliche Holzhammer-Gag, der sich ja auch furchtbar schnell abnutzt? Warum leben die „normalen Menschen“ in einer knallbunten TV-Verkaufsshow-Welt? Wäre es nicht viel nachvollziehbarer, die Addams auf eine wiedererkennbare Version der realen Welt reagieren zu lassen? Wären die Unterschiede zwischen dieser schrägen Familie und den Normalos dann nicht viel witziger?
 
They’re altogether ooky
 
Die visuellen Gags funktionieren auch deshalb bloß mittelmäßig, weil die Animation einfach mittelmäßig ausgefallen ist. Gerade bei Animationsfilmen hat sich das Publikum in den letzten Jahren an eine höhere visuelle Qualität gewöhnt. Die Hintergründe in diesem Film erscheinen meist recht leer. Wenn sich die Figuren bewegen, bewegt sich ihre Kleidung nicht passend zu den Figuren. Die Mimik der Charaktere verändert sich nur selten. Wenn ausgerechnet Mutter Morticia, in der Serie von Carolyn Jones fast immer mit steinerner Miene dargestellt, die ausdrucksvollste Physiognomie zeigt, erkennt man, die Regisseure Greg Tiernan („Sausage Party“) und Conrad Vernon („Monster vs. Aliens“) haben ihre Vorbilder nicht besonders gründlich studiert.
 
Im Großen und Ganzen ist an dieser Version von „The Addams Family“ aber nichts wirklich schlecht ausgefallen. Wirklich misslungen ist nur die deutsche Synchronfassung. Die Sprecher machen ihren Job leidlich gut. An Heidi Treutler und Wolfgang Hess reichen sie aber nicht annährend heran. Synchrondrehbuch und –regie von Pierre-Peter Arnolds fallen aber komplett durch. Wenn Wednesday von „Käfigunterricht 1x1“ spricht, wissen wir, dass sie im Original „101“ gesagt hat, was wiederum so viel wie „Einführungslektion“ bedeutet und nichts mit „1x1“ zu tun hat. Und warum muss der englische Name der Spiesser-Stadt „Assimilation“ denn mit „Assimilierung“ übersetzt werden, obwohl auf der Leinwand der Name „Assimilation“ zu lesen ist und das doch auch durchaus ein deutsches Wort ist? Solche und ähnliche Fehler klingen immer wieder wie Misstöne im Ohr.
 
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Fazit
 
Kinder zwischen 8 und 12 Jahren werden sich über die neue „Addams Family“ durchaus amüsieren können. Für kleinere Kinder ist der Film sicher ungeeignet. Um ältere Filmfans richtig zu unterhalten, hätten sich die Macher mehr einfallen lassen müssen. Da sehen wir uns daheim lieber eine der früheren Versionen an.
 
 
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