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*** Once Upon A Time ... in Hollywood ***


ouatih kritik

Autor: Walter Hummer
 
Quentin Tarantino hat vor mehr als fünfundzwanzig Jahren mit seinem ersten Film für Aufsehen gesorgt und mit seinem zweiten Film das internationale Kino nachhaltig geprägt. Sein neunter Spielfilm ist sein bisher reifstes Werk.
 
You don’t know what’s goin’ on …
 
Hollywood 1969: Rick Daltons (Leonardo DiCaprio) Karriere als Schauspieler ist am Ende. Einige Jahre zuvor hatte er noch seine eigene Fernsehserie. Aber mittlerweile bekommt er nur noch Nebenrollen als Schurke angeboten. Geblieben sind ihm nur sein bester Freund, der Stuntman Cliff Booth (Brad Pitt in seiner besten Rolle seit langem), und sein Haus am noblen Cielo Drive in Hollywood. Die vornehme Adresse macht ihn zum Nachbarn von Roman Polanski und Sharon Tate, dem heißesten Promi-Pärchen seiner Zeit. Aber die Anwohner des Cielo Drive wissen nicht, was die Zukunft für sie bereit hält …
 
1969 waren die Vereinigten Staaten noch unschuldig. Die Autos waren groß, Benzin war billig und Fernsehstars machten Werbung für Zigaretten. Der Vietnamkrieg war noch nicht verloren. Der Präsident hatte sich noch nicht als Verbrecher entpuppt. Die Nationalgarde noch nicht auf friedliche Studenten geschossen. Die Hippie-Bewegung war noch eine friedliche Gegenkultur junger Leute und niemand hatte je von der „Manson-Family“ gehört, die im Sommer 1969 sinnlose Morde begehen sollte.
 

 
Ist Quentin Tarantino der richtige Regisseur für einen Film, der diese unschuldige Zeit heraufbeschwören soll? Seine letzten drei Filme spielten zwar alle vor historischem Hintergrund. Aber sie waren auch zunehmend durchgeknallt und brutal. „Inglourious Basterds“ war eine abgedrehte Gewaltfantasie über das Ende des Zweiten Weltkriegs. „Django Unchained“ handelte von einem ehemaligen Sklaven, der auf der Suche nach seiner Frau jede Menge unter Druck stehende Blutbeutel durchlöchert. Und „The Hateful Eight“ handelte von gar nichts mehr. Die Eight waren hateful, weil Tarantino einen Vorwand für weitere Gewaltszenen brauchte. Einen anderen Grund gab es nicht.
 
Ist Tarantino also der richtige Filmemacher, um die Geschichte eines authentischen, furchtbaren Mordes an einer wunderschönen, schwangeren, jungen Frau zu erzählen? Ja, auf jeden Fall. Aus einer ganzen Reihe von teilweise überraschenden Gründen.
 
You’ve been away for far too long …
 
Natürlich zeigt „ Once Upon a Time ... in Hollywood” kein realistisches Bild Hollywoods im Jahre 1969. Tarantino hatte bei keinem seiner Filme je die Intention so etwas Ähnliches wie die Realität abzubilden. In einem Interview meinte er einmal: „I never went to film school. I went to films.“. Wo andere große Filmemacher ihre Version der Realität zeigen wollen, zeigt er seine Version der Filme die er gesehen hat. Und so ist sein neuer Film nur nebenbei eine Reminiszenz an das Amerika von 1969. Vor allem ist dieser Film eine Reminiszenz an das Hollywood von damals und die Filme dieser Epoche.
 
Tarantino ist als Regisseur viel zu gut, um nicht zu sehen, wie „altmodisch“ er Teile seines Films gestaltet hat. Oder dass seine Versionen der fiktiven Fernsehserien viel zu aufwendig gestaltet sind. Aber was für einen großartigen Look hat er diesem Film damit beschert! Das ist der erste Film dieses Filmemachers, der im ursprünglichen Sinn des Wortes „schön“ ist. Die Autofahrten durch Hollywood und andere Teile von Südkalifornien grenzen beinahe an Angeberei. Es wirkt beinahe als würde Tarantino uns zurufen „Seht mal, wie absurd großartig die Ausstattung meines Films ist!“. Aber nur beinahe, denn die Ausstattung, die Kameraarbeit, der Soundtrack und unzählige weitere Einzelteile fügen sich zu einem so wunderschönen Ganzen zusammen, dass man diesen Film mehrmals sehen muss, um ihn richtig würdigen zu können.
 
Zum Beispiel sehen wir in zwei kurzen Einstellungen eine Boeing 747 der nicht mehr existierenden Fluglinie Pan Am. Warum dieser Aufwand? Weil die Pan Am damals die größte Fluglinie der Welt war und weil sie damals als erste Maschinen dieses Typs in ihrer Flotte hatte und weil Stars damals einfach mit Pan Am flogen und weil Clint Eastwood 1968 in „Coogan’s Bluff“ vom Dach des Pan Am-Gebäudes davonflog und weil Stanley Kubrick im gleichen Jahr in „2001: A Space Odyssey“ die Pan Am sogar zum Mond fliegen ließ und weil die Pan Am einfach zur Zeit gehört und weil Tarantino das alles und noch viel mehr weiß und weil diese zwei kurzen Einstellungen einfach bezaubernd sind und dieser Film dadurch einfach noch ein bisschen schöner wird. Darum.

01 ©2019 Sony Pictures03 ©2019 Sony Pictures04 ©2019 Sony Pictures05 ©2019 Sony Pictures
 
You’re out of touch, my baby …
 
Natürlich ist Tarantinos Film nicht nur schön. Er ist auch witzig, unterhaltsam und spannend. Die Dialoge gehören wieder mal zu den besten die man in diesem Jahr im Kino zu hören bekommen wird. Obwohl in praktisch jeder Szene gesprochen wird, hat man nie das Gefühl, der Film würde zerredet werden. In einer kleinen Szene erklärt die Figur von Al Pacino in wenigen Sätzen wie eine Karriere in Hollywood beendet wird. Jede der Figuren liefert interessante Textzeilen. Aber kaum eine hat so coole Sätze abzuliefern wie der von Brad Pitt dargestellte Cliff. Und Pitt liefert seinen Text mit echter Verve.
 
Und so ist Tarantinos neunter Spielfilm natürlich auch wieder richtig cool. Wir sehen fünfmal einen „Film im Film“ und einer ist cooler als der andere. Fans werden sich übrigens vielleicht noch erinnern, wo sie DiCaprios Cadillac schon mal gesehen haben und was damals in seinem Kofferraum angeliefert wurde. Eine Montage zu den Klängen von „Out of Time“ ist pures Gold. Und wenn man bereits meint, zu wissen wie es weitergeht, nimmt der Film eine wirklich überraschende Wendung.
 
My poor oldfashioned baby …
 
Tarantino hatte immer ein gutes Auge für die Besetzung seiner Filme. Er hat unbekannte Darsteller wie Michael Madsen und Christoph Waltz entdeckt und ihre internationalen Karrieren begründet. Und er hat immer verstanden, aus bekannten Darstellern das Beste herauszuholen. Schauspieler wie Pam Grier, Uma Thurman und John Travolta zeigten unter seiner Regie großartige Leistungen. In seinem neuen Film schafft Tarantino wieder beides.
 
Leonardo DiCaprio ist einer der besten Schauspieler unserer Zeit. Während des Films musste ich daran denken, wie seine Rolle vor Vierzig Jahren wohl von Jack Nicholson gespielt worden wäre, bloß nicht so gut. Er spielt die Ratlosigkeit und die Unsicherheit des amerikanischen Mannes in der Krise grandios. Sein Rick Dalton ist sich nicht bewusst, dass seine Zeit auch 1969 bereits vorbei war. Er versucht Herr einer Lage sein, die er gar nicht versteht.
 
Brad Pitt wurde vor langer Zeit als neuer Robert Redford gehandelt. Aber in den letzten Jahren hat er kaum gezeigt, was er als ernsthafter Darsteller zu leisten vermag. In diesem Film sehen wir gleichzeitig seine reifste Leistung seit langem und eine physische Präsenz, die sein Alter Lügen straft. Ganz nebenbei zeigt uns seine Chemie mit DiCaprio, wie lange wir keine echte, glaubhafte Männerfreundschaft mehr im Film gesehen haben.
 
Sharon Tate ist heute fast nur noch wegen ihres grausamen Todes bekannt. Filmfans kennen vielleicht noch Polanskis „Tanz der Vampire“. Aber wer kennt heute noch Filme wie „Das Tal der Puppen“ oder „Rollkommando“? Tate war sicher keine große Schauspielerin, aber sie sah aus wie ein bildhübscher Engel. Ihre unschuldige Ausstrahlung verlieh ihr eine ganz besondere Präsenz. Margot Robbie zeigt all das und noch viel mehr. Ihre Darstellung wirkt gleichzeitig sexy und unschuldig, berechnend und arglos. Ihre Rolle steht damit exemplarisch für weite Teile der amerikanischen Gesellschaft dieser Epoche. Und Robbie empfiehlt sich damit so ganz nebenbei wieder einmal für einen Oscar.
 
Die noch recht unbekannte Margaret Qualley („The Nice Guys“) vermittelt eine naive Bedrohlichkeit, die uns recht eindrücklich vermittelt, welche Mechanismen in den Hippiekommunen dieser Zeit wirklich am Werk waren.
 
Dakota Fanning („Krieg der Welten“) ist in einer kleinen aber beängstigenden Rolle kaum wiederzuerkennen. Bruce Dern darf in einer Szene mit Brad Pitt an Josef Egger in „Für ein paar Dollar mehr“ erinnern. Al Pacino stiehlt DiCaprio in einer gemeinsamen Szene die Show.
 
Und die gerademal zwölfjährige Julia Butters stiehlt nicht nur DiCaprio die Show.
 
Fazit
 
Tarantinos neuer Film ist sicher sein reifstes Werk und einer der besten Filme des Jahres. Unbedingt ansehen! Und dann darüber nachdenken und nochmal ansehen!
 
 
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