ANT WASP 160x600 Wide Skyscraper AB Disney Kinoservice AzF

 
nflix news

youtube1mobile1

*** Fifty Shades of Grey - Befreite Lust ***


 
fsogbl kritik
 
Autor: Walter Hummer
Die Bücher von E. L. James haben vor einigen Jahren Millionen Hausfrauen mit der Welt der SM-Sexspielchen bekannt gemacht. 2015 kam die Verfilmung des ersten Buches in die Kinos. 2017 folgte Teil Zwei. Zum Glück wurde die Verfilmung von Teil Drei nicht auf zwei Filme aufgeteilt.
 
Ganz in weiß, mit einem Blumenstrauß …
 
Hurra! Anastasia Steele und Christian Grey heiraten! Und alles ist so schön! Man weiß gar nicht, wo die Gardinen aufhören und das Brautkleid anfängt. Die Ehe der beiden ist aber auch im Himmel geschlossen worden. Er, ein einfacher Multimilliardär und chronisch eifersüchtiger Kontrollfreak, von diversen Kindheitstraumata schwer gebeutelt, hat seine Traumfrau gefunden; die einzige Frau in Seattle, die noch ein bisschen dümmer ist als er.
 
Und der Himmel hängt voller Geigen, als der frischgebackene Ehemann bereits in den Flitterwochen seiner Frau sagt, was sie zu tun und zu lassen hat. Das ist aber auch in Ordnung, denn immerhin hat der Mann seine Frau in einer seiner vielen Firmen auf einen tollen Job befördern lassen. Wenn das keine wahre Liebe ist, dann weiß ich auch nicht. Alles könnte so schön sein, wenn da nicht der böse Jack Hyde wieder aufgetaucht wäre. Denn obwohl der Ehegatte die unfähigsten Personenschützer zwischen Seattle und Paris engagiert hat, gelingt es dem Bösewicht doch das junge Glück zu bedrohen ….
 
 
Rezensionen beginnen üblicherweise mit einer kurzen Inhaltsangabe. Aber im Fall von „Fifty Shades of Grey – Befreite Lust“ hätten wir darauf wohl verzichten können. Die Fans der Serie kennen die Handlung besser als die handelnden Personen selbst (Anastasia zum Beispiel vergisst im Laufe des Films mehrmals, dass sie in den ersten beiden Filmen auch schon dabei war). Und Filmfreunde, die keine Fans der Reihe sind, werden diesen Film wohl ohnehin meiden.
 
Denn so wie die Bücher schon eine Art fan-fiction waren ("Twilight", bloß ohne Vampire und Werwölfe, dafür mit viel mehr Geld), so sind die Filme einfach vor allem belebte Buchillustrationen. Teil Drei bildet da keine Ausnahme. Bereits nach wenigen Minuten bekommen wir eine ewiglange Montage von Szenen geboten, in der die Luxus-Hochzeit zu den Klängen von dem was man heute für R’n‘B hält in die Luxus-Flitterwochen übergeht. Einen echten Fan stört es nicht, wenn der Hochzeitstanz des Brautpaars nicht zum Takt des Soundtracks passt. Oder wenn die Flitterwöchner eine Opernaufführung besuchen, und wir keinen Ton der Oper hören, weil immer noch der Soundtrack dudelt. Nein, ein echter Fan freut sich, wenn die Bilder auf der Leinwand zu den Bildern in seinem (oder doch sehr viel öfter „ihrem“) Kopf passen.
 
Und diese Bilder sind doch auch wirklich zu schön. Fast so schön, wie die beiden Hauptfiguren. Vor allem Anastasia ist bildhübsch. Zum Glück, möchte man meinen, denn mit ihren geistigen Fähigkeiten kann es nicht weit her sein. Als Christian ihr seinen Privatjet zeigt, fragt sie erstaunt, „Der gehört Dir?“, als hätte er sie nicht bereits im ersten Teil zu einem ihrer ersten Dates mit dem Privathubschrauber herumgeflogen. An anderer Stelle fragt sie ihren Schwager, „Wie war Christian als er kleiner war? Irgendwie spricht er nie darüber.“ Ähm, … die ersten beiden Teile sind mittlerweile auf DVD erhältlich. Die sollte Anastasia sich vielleicht mal ansehen. Da wird das alles erklärt. Die denkwürdigste Dialogzeile der Hauptfigur ist aber: „Babys passieren wenn man Sex hat. Und wir hatten sehr viel Sex.“ Manchmal wirkt es, als würde der Film im Jahr 2018 spielen. Die Autos, Handys und anderen teuren Spielzeuge lassen das vermuten. Das Frauenbild dieses Films stammt aber eher aus dem Jahr 1938. Das wird vor allem in der Schlussszene deutlich.
 
02 ©2018 Universal Pictures03 ©2018 Universal Pictures05 ©2018 Universal Pictures02 ©2018 Universal Pictures
 
Money can’t buy me love
 
Regisseur James Foley hat tatsächlich mal das Meisterwerk “Glengarry Glen Ross” nach einer Vorlage von David Mamet inszeniert. Davon merkt man aber in diesem Film nichts. Er hat vor langer Zeit aber auch jede Menge Musikvideos (unter anderem für Madonna) gedreht. Und das sieht man.
 
Der ganze Film hat etwas von einem viel zu langem Musikvideo aus den 80er-Jahren. Die Ausstattung und die Bauten sind fantastisch. Mir hat vor allem der vier Meter breite Kamin im Penthouse der Greys gefallen, dessen gut zwanzig Gasflammen selbst im Sommer flackern. Das wirkt zwar als hätten die Greys ein an der Seite offenes Krematorium im Wohnzimmer, aber das gibt ein - wenn schon nicht schönes, dann doch - eindrucksvolles Bild ab. In einer Szene geht Anastasia in einer Nobelboutique shoppen.
 
Das Kleid das sie dort kauft, hätten die Kostümbildner der Fernsehserie „Miami Vice“ keiner Prostituierten angezogen, weil es selbst 1984 zu nuttig gewesen wäre. In einer der ... naja … nennen wir sie eben „Sexszenen“ bekommen wir dann sogar die bewährte, „Ich lecke Dir Speiseeis von den besonderen Körperteilen ab“-Nummer zu sehen, die schon alt war lange bevor in Sachsen der erste Swingerclub eröffnet wurde. So oder so ähnlich geht das gut anderthalb Stunden. Gegen Ende sollte wohl noch etwas Spannung aufkommen. Der große Showdown erinnert dann aber doch eher an einen „Tatort“. Nicht an einen mit Til Schweiger. Eher an einen der in Münster oder in Ludwigshafen spielt.
 
Dakota Johnson spielt wieder Anastasia Steele … ´tschuldigung, … Grey. Johnsons leibliche Großmutter, Tippi Hedren, hat vor mehr als 50 Jahren mit Alfred Hitchcock einen Film über Sex, Missbrauch und Vergewaltigung in der Ehe gedreht. Dabei hat sich die Oma nicht ein einziges Mal unbekleidet gezeigt und trotzdem hatte sie in „Marnie“ eine wunderbar erotische Ausstrahlung. Die Enkelin sehen wir nun über weite Strecken dieses Films immer wieder mehr oder weniger nackt. Mir ist von diesen Szenen eigentlich nur in Erinnerung geblieben, dass die junge Frau Johnson ruhig ein bisschen mehr essen sollte.
 
04 ©2018 Universal Pictures06 ©2018 Universal Pictures07 ©2018 Universal Pictures08 ©2018 Universal Pictures
 
Jamie Dornan sehen wir wieder als Christian Grey. Seine Figur leidet im Film unter seiner schwierigen Kindheit und dem völligen Fehlen jeglicher Ausstrahlung. Zum Glück ist er reich, sonst könnte er einem leidtun.
 
Verschiedene andere Schauspieler spielen noch verschiedene andere Rollen. Dabei stellen sie sich alle miteinander so langweilig an, dass man das nicht weiter besprechen muss.
 
Fazit
 
Der dritte Teil der Geschichte von Anastasia und Christian wird Fans der Reihe vermutlich erfreuen. Alle anderen müssen sich für ein paar Szenen mit nackter Haut und angedeutetem Geschlechtsverkehr nicht durch diesen Film quälen.
 
 
Unterstütze FantasticMovies.DE:
                                                                                                                                        
 
 
feedback