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*** Doctor Sleeps Erwachen ***


ouatih kritik

Autor: Walter Hummer
 
Stanley Kubricks „Shining“ war ein verstörendes Meisterwerk und gleichzeitig eine misslungene Romanadaption, weil der Meister die Kernaussage der Vorlage von Stephen King entweder nie verstanden oder einfach absichtlich ignoriert hat. Mike Flanagans „Doctor Sleep“ hält sich eher an Kubrick als an King.
 
Shining
 
Danny Torance hat als Kind Furchtbares im „Overlook Hotel“ erlebt. Als Erwachsener ist er ein Trinker und muss erst einen absoluten Tiefpunkt erleben, ehe er ein wenig Frieden und Freundschaft in einer Kleinstadt in New Hampshire findet. Mittels „Shining“ hält er über mehrere Jahre Kontakt zu Abra, einem Mädchen das über ähnliche Fähigkeiten wie Danny verfügt. Während all der Zeit treibt eine Gruppe namens „Der wahre Knoten“ überall in den USA ihr Unwesen. Diese menschenähnlichen Wesen ernähren sich von der Lebensenergie von Kindern mit übersinnlichen Fähigkeiten. Sie quälen und töten ihre Opfer um das freizusetzen, was sie den „Steam“ nennen. Bald hat der „Knoten“ es auf Abra abgesehen …
 
Stephen Kings Roman „Shining“ handelt von einem Mann, der versucht seine Ehe und seine Familie zu retten. Regisseur Kubrick wollte 1980 den ultimativen Horrorfilm machen und hat die Aussage des Films zugunsten von damals unvergleichlichen Szenen voll Grusel und Schockeffekten geopfert. Kings Buch „Doctor Sleep“ von 2013 erzählt eine Geschichte von Sucht und Gewalt in der Familie und wie erwachsene Kinder davon geprägt werden. Regisseur und Drehbuchautor Mike Flanagan hat praktisch jede emotionale Qualität dieser Vorlage über Bord geworfen und eine wirre, unausgewogene Fortsetzung zu Kubricks Film von 1980 gedreht.
 

 
Als Filmkritiker habe ich nur wenig Verständnis, wenn die Fans einer Buchvorlage die ewiggleiche Klage anstimmen, wonach Filmemacher die besten Stellen aus dem Roman nicht verfilmt hätten. Buch ist Buch und Film ist Film. Zwei unterschiedliche Kunstformen verlangen unterschiedliche Herangehensweisen. Was im Buch funktionieren mag, kann tatsächlich unverfilmbar sein. Die meisten Bücher haben mehrere Hundert Seiten, während Filme in plusminus zwei Stunden mit der Geschichte durch sein sollten. Trotzdem ist es unbegreiflich, welche Teile der Vorlage Flanagan geopfert hat.
 
Vor allem, wenn man betrachtet welchen Unsinn er teilweise hinzugefügt hat. Im Buch verarbeitet Danny seinen eigenen Schmerz, indem er den Schmerz Sterbender auf sich nimmt. Aber Dannys Arbeit in einem Hospiz wird im Film schnell in drei kurzen Szenen abgehandelt. Es wirkt als möchte Flanagan unsere Zeit nicht mit dieser berührenden Geschichte von würdevollem Sterben verschwenden, weil er uns so schnell als möglich so viele Gräuel als möglich vorführen möchte. Wir alle erinnern uns an die verwesende Leiche der alten Frau in „Shining“. Kubrick, nie ein zimperlicher Filmemacher, hat uns diesen verstörenden Anblick damals genau einmal zugemutet. Einmal, nicht öfter. Ich habe irgendwann aufgehört zu zählen, wie oft Flanagan uns den wandelnden Kadaver in seinem Film präsentiert.
 
REDRUM
 
Weite Teile des Films wirken wie verfilmte fan-fiction oder wie diese youtube-Videos, in denen Fans kleine Geschichten aus dem „Star Wars“-Universum erzählen. So etwas ist manchmal durchaus interessant anzusehen. Aber das hat nicht viel mit Filmemachen zu tun. Eigene Ideen zeigt Flanagan kaum. Und auch aus dem Buch übernimmt er nur das Nötigste um seine „Shining“-Fortsetzung so gruselig als möglich zu gestalten. Die Arbeit des Helden, seine Vergangenheit, seine Freunde, … für all das zeigt Flanagan wenig Interesse. Dabei bildet die Szene, in der Danny seinen absoluten Tiefpunkt erreicht, einen dramatischen Höhepunkt des Films.
 
Flanagan übernimmt fast nichts aus dem Roman, was den Film irgendwie gehaltvoller machen könnte. Und was er selbst hinzufügt, hätte er besser weggelassen. Das erste Zusammentreffen der guten und der bösen Kräfte wird in einer banalen Schießerei aufgelöst. Die Wahl des Ortes an dem die Konfrontation mit der Anführerin des „Knotens“ stattfinden soll, hatte im Buch eine schlüssige Begründung. Im Film ergibt es keinen Sinn dorthin zurückzukehren. Nachdem man mehrmals auf die Uhr geblickt hat und sich gerade fragt, wie lange der Film denn noch dauern mag, kommt es zum Finale. Und das ist dann einfach nur kompletter Unsinn.
 
01 ©2019 Warner Bros Pictures02 ©2019 Warner Bros Pictures03 ©2019 Warner Bros Pictures04 ©2019 Warner Bros Pictures
 
And we all shine on …
 
Die Besetzung hätte es beinahe geschafft, diesen Film noch zu retten. Ewan McGregor („Trainspotting“) spielt gewohnt souverän. Leider hat man seiner Rolle fast alles weggenommen, was sie interessant gemacht hätte.
 
Die erste wirklich positive Überraschung des Films ist die Leistung von Rebecca Ferguson („Mission: Impossible: Fallout“). Ich habe zuletzt in meiner Rezension zu „Wenn Du König wärst“ angedeutet, sie wäre ein passabler Ersatz für Eva Green. Ihre Darstellung der Anführerin des „Knotens“ lässt solche Vergleiche nicht mehr zu. Ferguson spielt hier nicht einfach eine Hexe oder eine böse Frau. Sie spielt das reine Böse in Gestalt einer wunderschönen Frau. Ferguson zeigt die beste Leistung ihrer Karriere. Dabei stiehlt sie den anderen Darstellern nicht bloß die Show, sie klemmt sich fast den ganzen Film unter dem Arm und haut damit ab.
 
Die zweite angenehme Überraschung des Films liefert die junge Kyliegh Curran als Abra. In ihrer gerade mal zweiten Filmrolle, spielt sie ein intelligentes Mädchen, das mit ihren übersinnlichen Kräften umzugehen weiß. In einer Szene in der sie kurz von einer anderen Person gesteuert wird oder wenn sie ein Gespräch mit ihrer Mutter sucht, zeigt sie eine enorme Bandbreite.
 
Beeindruckendes leistet auch Jacob Tremblay („Raum“, „Good Boys“) in einer Nebenrolle, in der er Schreckliches zu erleiden hat. Emily Alyn Lind („Revenge“) und Zahn McClarnon („Westworld“) wirken bedrohlich als Mitglieder des „Knotens“. Der stets verlässliche Cliff Curtis („Sunshine“, „Training Day“) bekommt leider kaum etwas zu tun.
 
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Fazit
 
Mike Flanagan präsentiert mit „Doctor Sleep“ eine wenig originelle Fortsetzung zu Kubricks „Shining“ auf die niemand gewartet hat. Die teilweise hervorragende Besetzung macht den Film halbwegs sehenswert.
 
 
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