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***Battle of the Sexes***

 
bots kritik
 
Autorin: Marie Wördemann
Die schönsten Momente im Kino sind solche, in denen man am liebsten zugleich lachen und weinen möchte: In der Rolle des spielsüchtigen Ex-Tennischampions Bobby Riggs sucht Steve Carell in einer Szene einen Psychiater auf - eine dringende Maßnahme zur Rettung seiner Ehe - nur um mit diesem einen Schnitt weiter von der Liege aus zu pokern.
 
Das Regieduo aus Valerie Faris und Ehemann Jonathan Dayton schenkt seinen Zuschauern in Battle of the Sexes – Gegen jede Regel viele solcher Momente und doppeldeutiger Dialoge, die aufs Glatteis führen. Dass sie es brillant verstehen, Leichtigkeit und Humor immer parallel mit Ernsthaftigkeit und Tragik aufzuwiegen, haben die beiden bereits mit ihrem preisgekrönten Erstling „Little Miss Sunshine“ (ebenfalls mit Carell in einer der Hauptrollen) bewiesen. Wenn ihr neuester Film beginnt, huscht die Kamera irrend über ein Tennisfeld, das aber erstaunlich seltener Schauplatz bleiben wird.
 
Ein harter Weg zum Erfolg
 
Denn der titelgebende Kampf der Geschlechter – das legendäre Tennismatch zwischen erwähntem Bobby Riggs (Carell) und dem weiblichen Nr.1-Star Billie Jean King (Emma Stone), welches im Zuge von Frauenbewegung und sexueller Revolution im Amerika der 70er Jahre zum medial gehypten Schaukampf wurde – findet nicht nur dort statt: Er wird auf allen Ebenen ausgefochten. Emma Stones entschlossene Augen hinter der Brille scheinen sich von keiner sexistischen Ungerechtigkeit dieser Welt aus der Fassung bringen zu lassen, während sie sehr resolut die Angleichung der Preisprämien für weibliche Tennisspielerinnen fordert.
 
 
Ihre Gegner: Eine braunbeanzugte, Nachkriegs-Assoziationen weckende Herrenriege, deren Mitglieder sich in zementierten Machtstrukturen festkrallen und den großmäuligen Chauvinisten Riggs ausgesprochen gern als ihren öffentlichen Sprecher sehen. Ihre Sprüche, bei denen sich nicht nur dem weiblichen Anteil des Publikums die Zehennägel aufrollen dürften, scheinen an der jungen Frau einfach abzuprallen. Was ihr dann doch den Boden unter der Füßen wegzieht – zumindest vorübergehend – ist etwas ganz anderes: Ihr aufkeimendes Interesse für eine Frau. Innerhalb eines lauten, vollen Friseursalons wird durch Close-Ups und eine fast schon meditativ anmutende Musik ein völlig neuer, intimer Raum aufgemacht, in dem Stones` B.-J. King ihre Stylistin Marilyn so herzzerreißend unsicher anlächelt, dass einem ein Schauer über den Rücken läuft. Temporeiche Schnitte nehmen den Zuschauer von Zeit zu Zeit mit auf die Gegenseite, in das Leben ihres späteren Herausforderers.
 
Humorvoll zum Sieg
 
Carrels Bobby Riggs ist ein wenn nicht sympathischer, so doch immerhin bemitleidenswerter Typ, dem man seine Sprüche à la „Männer sind die überlegene Rasse“ nicht einmal wirklich übel nehmen kann, weil er selbst nichts und niemanden ernst zu nehmen scheint. Er ist ein alberner Show-Clown, der das Geld seiner Frau verspielt, beim Herumtollen mit seinem Sohn die Wohnungseinrichtung demoliert und am Ende immer hofft, alles grinsend und mit einem flotten Spruch wieder einrenken zu können.
 
Die Darstellung solch vehement verteidigter und quasi universeller Spielsucht macht diesen Riggs zu einer tragikomischen Figur, hinter deren wie ins Gesicht tätowiertem Grinsen man immer auch eine gewisse Verlorenheit zu erahnen meint. Man könnte die so recht deutlich auf die Empathie des Zuschauers hin ausgerichtete Figurenzeichnung als Verharmlosung kritisieren, doch gerade dadurch entsteht ein spannender Kontrast zu Riggs‘ extrem polarisierendem, öffentlich zur Schau getragenen Chauvinismus, welcher wiederum lange unter der Oberfläche schlummernde Konflikte endlich zum Ausbrechen bringt. Man mag bemängeln, dass Faris und Dayton bei manchen Nebenfiguren – etwa dem schwulen, gutherzigen Kostümdesigner oder der dauerrauchenden, gestressten Managerin der Frauenmannschaft – auf Stereotype zurückgreifen.
 
Jedoch sind diese Darstellungen so nuanciert und humorvoll, dass man es ihnen gerne nachsieht. In Battle of the Sexes ringen Menschen mit dem Altern, mit Moralstrukturen, Leistungsdruck, Instrumentalisierung, mit der eigenen Bedeutungslosigkeit und Lächerlichkeit, ihren Süchten und Sehnsüchten. Das ist angenehm unkitschig und zugleich sehr berührend erzählt. Dadurch gelingt es, Battle of the Sexes zu einem Film zu machen, der mehr verhandelt als den Ausgang eines bedeutsamen Tennismatches.
 
Fazit
 
Das Spiel wird nicht nur zum Symbol im aktuell neu aufflammenden Kampf gegen Frauenfeindlichkeit und Ungleichheit, sondern auch für die Auseinandersetzung mit einengenden Rollenzuschreibungen und Klischees, von denen im Grunde beide Geschlechter betroffen sind und denen wir auch heute noch allzu oft begegnen.
 
Und so ist es bestimmt kein Zufall, dass durch Spiegelungen und parallelen Bildaufbau Frauen und Männer in diesem Film zumindest visuell zueinander finden: Die Macho-Männerschar wird über den Vorgang des Föhnens mit der gackernden Frauengruppe verbunden und selbst Riggs und King, in ähnlichem Raum und ähnlicher Pose inszeniert, verweisen aufeinander. Am Ende trifft man sich eben doch im eigenen Menschsein.
 
 
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