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***Coco - Lebendiger als das Leben***

 
coco kritik
 
Autor: Walter Hummer
Pixar schickt seine Helden gerne auf ganz besondere Reisen. In „Coco“ reist der kleine Miguel ins Reich der Toten. Dort lernt er genauso viel über das Leben wie über den Tod.
 
Wenn die Lampe gehüpft kommt …
 
Seit einigen Jahren ist Pixar das Filmstudio mit der besten Erfolgsbilanz. Wer kennt noch ein anderes Studio dessen schwächste Filme immer noch origineller und erfolgreicher als der Durchschnitt wären? In anderen Studios fragen sich die Verantwortlichen regelmäßig, aus welcher alten Fernsehserie man wohl noch einen Film machen könnte oder wie oft man ein Franchise noch neu starten kann. Bei Pixar stellen sich die Kreativen ganz andere Fragen. „Was wäre wenn Spielzeuge lebendig wären?“, „Was wäre wenn Superhelden keine Superhelden mehr sein dürften?“ oder „Was wäre wenn die Monster im Schrank, Angst vor Kindern hätten?“ Diesmal hat man sich gefragt, „Welchen Unterschied macht es für die Toten, ob man an sie denkt oder nicht?“ Und aus dieser Frage hat man einen wunderbaren Film für die ganze Familie gemacht.
 
Musik oder Familie?
 
Der kleine Miguel lebt in der einzigen Familie in Mexiko, in der keine Musik erlaubt ist. Sein Ururgroßvater hat einst seine Familie verlassen, um Musiker zu werden. Seither darf die ganze Familie nur noch fleißig Schuhe herstellen. Musik ist streng verboten. Darüber wacht die Großmutter mit aller Härte. Aber der kleine Miguel will kein Schuster werden, sondern nur Musiker. Als Miguel erkennt, dass der verstorbene Star Ernesto de la Cruz sein verschollener Ururgroßvater gewesen sein muss, beschließt er sich dessen Gitarre zu „leihen“. Aber am „Dia de los Muertos“, am Tag der Toten, sind die Grenzen zwischen Diesseits und Jenseits durchlässig. Und so findet sich Miguel im Reich der Toten wieder. Und die verstorbene Verwandtschaft setzt ihm sogar noch mehr zu als die lebendige.
 
 
Die Toten sind sehr lebendig
 
Die Leute von Pixar zeigen in ihren Filmen nicht einfach Bilder. Sie malen sie auf die Leinwand. Während Miguels kleines Dorf flach und von der Sonne ausgebleicht erscheint, ist das Jenseits steil, schrill und bunt. Die Registratur für Verstorbene sieht aus wie ein viktorianischer Bahnhof. Das Heim des verstobenen Stars hätte Carole Lombard oder Errol Flynn beeindruckt. Und die ganze Stadt der Toten sieht aus wie eine durchgeknallte Mischung aus Metropolis, Naboo und Pandora. Aber das Jenseits ist nicht nur bunt. Es leuchtet auch ganz wunderbar. Selten hat man Licht in seinen verschiedenen Formen im Film so schön gezeigt. Mal sieht man den flackernden Schein echter Kerzen und dann wieder das leuchtende Strahlen der magischen Wesen im Jenseits. Eine Brücke aus leuchtenden Blütenblättern, die das Reich der Toten mit dem der Lebenden verbindet, bildet eines der schönsten Bilder dieses Films.
 
Hierzu ein gutgemeinter Rat von jemandem der den Hype um 3D schon zum dritten Mal mitmacht: Filme wie dieser sollten auf einer großen Leinwand in 2D (in Worten: zwei de) gesehen werden. Die 3D-Projektion sorgt immer noch dafür, dass nur der Bildmittelpunkt scharf zu sehen ist. Alles was am Rand des Bildes oder im Hintergrund zu sehen ist, verschwindet zu oft in unscharfer Düsternis. Das ist halb so wild, wenn vorne irgendwelche Superhelden aufeinander einprügeln. Aber gerade bei Pixar sind im Hintergrund und am Rand und praktisch überall im Bild so viele reizende Kleinigkeiten zu sehen, dass man mit 3D tatsächlich weniger für mehr Geld bekommt.
 
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Lebende, Verstorbene und ein dummer Hund
 
Neben den Schauplätzen sind es vor allem wieder die Figuren, die auf die Pixar eigene Art eine ganz eigene Geschichte erzählen.
 
Der kleine Miguel ist zwar unaufrichtig zu seiner Familie, lernt aber im Jenseits, was wirklich wichtig ist. Wie schon der Pfandfinder Russel in „Oben“ ist er keine bloße Figur in einer Story, sondern ein echtes Kind mit Ängsten und Träumen. Wenn er weint, macht uns das traurig. Wenn er singt und Gitarre spielt, möchten wir am liebsten mittanzen.
 
Die Familie im Reich der Lebenden ist ein skurriler Haufen verschiedener Charaktere. Noch mehr Persönlichkeit zeigen die verstorbenen Verwandten. Aber die haben schließlich alle nicht nur ein langes Leben, sondern auch den Tod hinter sich.
 
Der bemitleidenswerte Gauner Hector ist die zweite Hauptfigur des Films. Er kennt alles und jeden im Totenreich. So kann er sich zum Beispiel an die verstorbene Frida Kahlo um Hilfe wenden. Seine Geschichte ist erst witzig und dann traurig. Er lehrt Miguel, wie wichtig das Erinnern ist. Dante ist ein mexikanischer Nackthund, hässlich und strohdumm. Wer Ahnung von Hunden hat, weiß dass gerade in solchen Hunden oft mehr steckt als der erste Anschein vermuten lässt.
 
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Fazit
 
Wenn die Lampe auf das „i“ hüpft, dürfen wir uns mittlerweile immer auf Unterhaltung für die ganze Familie freuen. „Coco“ ist vielleicht nicht ganz mit Meisterwerken wie „WALL-E“ oder „Alles steht Kopf“ zu vergleichen.
 
Aber sowohl im Diesseits als auch im Jenseits wird man dieses Jahr wohl nicht mehr viel witziger, berührender und vor allem origineller unterhalten werden. Und nächstes Jahr kommt dann ohnehin die Fortsetzung von „Die Unglaublichen".
 
 
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