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*** Astrid ***


astrid kritik
 
Autor: Katharina Mühl
      
Bilderbuchkindheit, Freiheit, Bauernhof, Lachen. Das alles koennten Assoziationen sein, die bei dem Namen Astrid Lindgren im Kopf auftauchen. Frech, keck und selbsbewusst...
 
Aufgrund der Abenteuer von Pippi Langstrumpf, Ronja Raeubertochter und Co stellt sich in den Köpfen aller Leser vermutlich sofort der Trugschluss ein, das Leben der Autorin muesste genauso unbeschwert und glücklich gewesen sein, wie das der Protagonisten. Hoert man also davon, dass deren Geschichte auf die grosse Leinwand kommt, erwartet man automatisch eine bunte Komoedie. Gezeigt wird in Pernille Fischer Christensens Verfilmung jedoch genau das Gegenteil davon; es ist bemerkenswert, wie Astrid Lindgren trotz ihres tragischen Schicksals ihren Frohsinn bewahrt hat.
 
Schweden um 1920
 
Die junge Astrid waechst in Vimmerby, einem kleinen schwedischen Doerfchen auf, das genauso aussieht, wie es in Wir Kinder aus Bullerbue spaeter einmal illustriert sein wird. Die Familie ist ein aktiver Teil des Dorfes - nimmt an Gottesdiensten teil und erscheint zu den abendlichen Tanzveranstaltungen. Astrid ist ein froehliches Maedchen, das ihrem Herzen folgt, anstatt sich darum zu scheren, was andere von ihr denken koennten. Wenn sie beispielsweise Lust hat, zu tanzen, tanzt sie oeffentlich, ohne gar auf die maennliche Aufforderung dazu zu warten und noch dazu so wild und frei, wie spaeter auch die Protagonisten in ihren Büchern auftreten werden. Ihre grosse Leidenschaft ist das Erzählen von Geschichten.
 
 
So kommt es, dass ihr angeboten wird bei Vimmerby Times zu arbeiten. Hier nimmt die Geschichte ihren Lauf - die 18 jaehrige Astrid beginnt ein Verhältnis mit ihrem Chef, Reinhold Blomberg, der jedoch bereits verheiratet ist. Als sie von ihm schwanger wird, wird dies zum Problem - der Film spielt im den 1920er Jahren in Schweden - der Vater von Astrids Baby wuerde bei Bekanntgabe der Schwangerschaft wegen Ehebruch verurteilt werden. So erscheint es als einzige Loesung, Asrid zur Geburt ihres Kindes nach Daenemark zu schicken und das Kind uebergangsweise an eine Leihmutter zu geben, bis sich Reinhold geschieden hat, in der Hoffnung, somit legal eine neue Familie gruenden zu koennen. Die Scheidung zoegert sich jedoch immer weiter hinaus und somit beginnt der traenenreiche Kampf Astrids, sich ihren kleinen Lasse mit allen Mitteln eigenstaendig zurueck zu holen.
 
Pippi Langstrumpf hält sich ausnahmsweise im Hintergrund
 
Wer erwartet, hier zu erfahren, wie all die Geschichten und Ideen der Kinderbuchhelden zu Papier kamen, der wird enttaeuscht sein. Dennoch finden sich in manchen Szenen kleine Anspielungen wieder, die man aus den Geschichten kennt, wie beispielsweise der Frühlingsschrei, den sowohl Ronja Raeubertochter, als auch deren Schöpferin einfach loslassen muessen. Auch äusserlich gibt es klare Übereinstimmungen: So trägt die Autorin dieselben roten Zoepfe, wie die Figur Pippi Langstrumpf.
 
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Ein Stück Auto(r)biographie findet man in jeder fiktiven Erzählung
 
Auch, wenn sie den meisten Zuschauern vor der Sichtung des Kinofilms vermutlich nicht bekannt sein wird, Astrid Lindgrens Biographie könnte eine ihrer erfundenen Geschichten sein. In beidem findet sich der kindliche Missmut und die Enttaeuschung wegen Erwachsenen wieder, denen es wichtiger ist, dass Fremde gut über sie denken, als für Freunde und ihre Familie einzustehen. Beides vereint der grosse Wunsch nach Freiheit. Und auch, wenn die Heldinnen in den Lindgren Büchern manchmal etwas ueber die Strenge schlagen mit ihrem frechen Auftreten, haben die Geschichten einen unübersehbaren pädagogischen Wert, der den kindlichen Lesern lehrt, an sich zu glauben. Mit diesem ist auch der Film ummandelt. Wer schon immer mal so stark sein wollte wie Astrids Kinderbuchhelden, dem wird mithilfe des Filmes gezeigt, wie das im echten Leben umsetzbar ist - nicht so, dass man ein Pferd mit kompletter Bootsbesatzung stemmen kann, aber so, dass man alle Schwierigkeiten erfolgreich meistert, so unumsetzbar sie auch sein mögen.
 
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Wie ist dieser Film gemacht?
 
Der Film ist einfach gehalten, hier sieht man auch keine grossen Special Effects - es geht ja auch hauptsaechlich um die Handlung. Die wird unterstuetzt von der herausragenden Leistung Alba Augusts und der idyllischen, schwedischen Landszenerie, die man aus den Lindgren Filmen kennt. Auch, wenn der Film insgesamt sehr ergreifend ist, gibt es hier und da doch leider Momente, in denen er zu dramatisch wird und ins Pathetische abschweift. Allerdings ist das bei dem Thema der erzwungenen Trennung von Mutter und Kind vermutlich schwer zu vermeiden und es handelt sich immer nur um kurze Momentchen.
 
Ab ins Kino
 
Viele von uns lieben Astrid Lindgren für ihre grenzenlose Fantasie und kennen ihre Kindergeschichten in und auswendig. Dieser Film bietet nun die Gelegenheit, auch die Autorin an sich näher kennenzulernen und hinter ihre Kulissen zu blicken. Ohne zu viel vorwegzunehmen - jeder Liebhaber der Lindgren Philosophie wird diese Frau nach dem Kinobesuch nur noch mehr verehren. Und jeder, der sich darüber beschwert, dass im Kino so selten starke Frauenrollen gezeigt werden, der sollte nun wirklich an die Kasse stürmen, sich ein Ticket in der ersten Reihe kaufen und dann begeistert die Vorstellung verfolgen.
 
 
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