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***Ghostbusters***

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Autor: Manuel Boecker
 
Daumen hoch, ihr habt alles richtig gemacht, Mädels: Zwei schräge Wissenschaftlerinnen, eine schrill-kauzige Technikerin, dazu eine waschechte Untergrund-Kennerin, allesamt verkörpert von Hollywoods komödiantischer A-Liga. Gepaart mit charmanten Frotzeleien und improvisierten Wortklaubereien.
 
Gelungene Zutaten also für eine erfrischende Damen-Sause, wie man sie von Regisseur Paul Feig kennt. Doch „Ghostbusters“, Teil 3, muss auch die schwere Last eines Reboots tragen und so versickert die Leichtigkeit des quirligen Quartetts in einer lauen Kinderfilm-Skript-Wüste.
 
Bei der momentanen Reboot- und Sequel-Dichte an Blockbustern wird der Rezensent aus der Generation Golf zur umschwärmten Zielgruppe, denn zur Recherche der Vorgänger wird nicht das Internet, sondern das eigene, damals jugendliche, Hirn durchforstet. Bevor uns Roland Emmerich mit der Erinnerung an den Original „Independence Day“ in die Neunziger zurück bombt, folgt nun, ebenfalls nach jahrelangem Zögern, der nächste Clou, die Wiederauferstehung der Achtziger Jahre mit „Ghostbusters“.
 
1984 erschien unter der Regie von Ivan Reitman, mit den damaligen Stars des lässig-ironischen Spiel-Stils, Bill Murray und Dan Aykroyd, ein Film mit für damalige Verhältnisse erstaunlichen Spezialeffekten, der seine Besonderheit aus der Tatsache zog, permanent zwischen den Grenzen von Dämlichkeit und schrägem Humor hin und her zu schrammen.
 
 
Achtziger Jahre als Ideenschmiede fürs heutige Hollywood
 
Der zweite Film der Reihe von 1989 blieb diesem Prinzip treu, bevor es dann fast dreissig Jahre still wurde um die Rechte-Inhaber des Franchise. Dementsprechend groß war dann der Furor in den Netzwerken, als bekannt wurde, dass Bill Murray, dessen Veto bisher einen dritten Teil verhinderte, nun sogar einen Cameo-Auftritt im Reboot haben würde. Wirkliche Wellen schlug jedoch die Neubesetzung mit vier weiblichen Protagonisten, das Internet hatte mal wieder Gelegenheit seine häßliche Fratze zu zeigen, denn „frauenfeindlich“ ist dabei noch eine verharmlosende Bezeichnung vieler Posts.
 
Dass Sony weiß, wie heikel das Aufwärmen alter Geschichten ist, diese Gratwanderung zwischen einer Verneigung vor dem Original (bzw. seinen Fans) und behutsamen Innovationen, sieht man an den „Ghostbusters“ aus dem Jahr 2016: Mutlos geht der gelungene Ansatz mit den umgekrempelten Rollenverhältnissen verloren, wenn es in die Action-Szenen geht. Denn dann darf die gebündelte Frauen-Power nur standbildhaft die Protonen-Knarren der Männer von damals zitieren, weibliche Lösungen der Geister-Krise sind nicht erwünscht.
 
Die charmanten Looser sind zurück
 
Wie schon damals bildet eine nerdige Looser-Truppe das Herzstück des Films: Diesmal also eine Mädels-Combo um die Wissenschaftlerin Abby Yates (Melissa McCarthy wie gewohnt als Volltreffer-Besetzung), die an einem drittklassigen Institut forscht und ihr Frühwerk über paranormale Erscheinungen auf dem Flur verhökert. Ihre Co-Autorin Erin (Kirsten Wiig verklemmt erotisch) verliert wegen einer auf Youtube dokumentierten Geister-Erscheinung ihren Job an der Columbia University und wagt sich nun mit der ehemals besten Freundin in die freiberufliche Existenz, weil auch Abby vom Dekan kunstvoll einen Stinkefinger gezeigt bekommt.
 
Die freakige Ingenieurin Holtzmann (Kate McKinnon teilweise künstlich überdreht) lötet die nötigen Waffen für eine zünftige Geisterjagd zusammen. Komplettiert wird die belächelte Aussenseiter-Truppe von Patty Tolan, einer Ubahn-Kontrolleurin mit einem ausgeprägten Straßen-Slang-Gefluche (Leslie Jones als bodenständige Mama der Truppe). Nachdem die Ghostbusters ihre Gründungsschwierigkeiten überwunden, ein Logo und ein Hauptquartier im China-Imbiss gefunden haben (die alte Feuerwache war zu teuer, ein schöner Seitenhieb auf New-Yorker Immobilienpreise), stellt sich der äußerst smarte, aber strunzdoofe Kevin als Empfangsdame vor und wird prompt eingestellt.
 
14 ©2016 Sony Pictures11 ©2016 Sony Pictures16 ©2016 Sony Pictures18 ©2016 Sony Pictures
 
(Chris Hemsworth schlägt sich gekonnt auf unbekanntem, komischenTerrain) Mit der Einführung des misanthropischen Gegenspielers (Neil Casey) beginnt und endet die eigentliche Handlung, denn von nun an macht sich die Langeweile breit: Abwechselnd testen die Ghostbusters im Hinterhof ihre Waffen, fangen durchsichtige Viecher, lassen sie unfreiwillig wieder laufen, werden mal vom Bürgermeister gelobt und dann wieder als Lügner verdammt.
 
Im Hintergrund läuft immer brav die Reminiszenz-Schiene der alten Filme mit, etwa wenn sich grünes Ektoplasma eimerweise über die Heldinnen ergießt, ein angekokelter Marshmellow-Riese durch die Straßenfluchten torkelt oder die Altstars ihre Mini-Auftritte abarbeiten. Bill Murray, Dan Aykroyd, Sigourney Weaver und Ernie Hudson huschen jedoch so verschämt durchs Bild, als hätten sie darauf gehofft, im Schnittraum noch von der Anwesenheit im Film erlöst zu werden.
 
Animierte Geister ohne Seelenleben
 
Die finale Schlacht gegen eine Armada von phosphoreszierenden Wesen, die übrigens zu keinem Zeitpunkt ein Eigenleben, geschweige denn Angst oder Komik verbreiten, läuft dann wie gewohnt auf dem Times Square, wo der Regisseur in einer CGI-Orgie Roland Emmerichs Datenabfälle von bröselnden Wolkenkratzern recycelt.
 
Die Gänsehaut erzeugende Titelmelodie erklingt leider nur zu Beginn und am Ende, dazwischen könnte der aufmerksame Zuschauer einen neuen Allerwelts-Titelsong heraushören, wenn seine Ohren vom permanenten heiseren Fauchen der Geister und dem Krachen der Photonen-Waffen nicht halb taub wären.
 
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Fazit: Sie haben sich bemüht
 
An der übererfüllten Frauenquote liegt es sicher nicht, dass „Ghostbusters“ permanent mit angezogener Handbremse fährt. Die weiblichen Hauptfiguren zelebrieren charmant ihre Freundschaft, legen mutig eigene Schwächen offen und chargieren gekonnt durch die Ansätze von Fäkalwitzchen.
 
Aber um den Bechdel-Test zu bestehen müssen sämtliche männliche Figuren ja nicht gleich Dumpfbacken oder statuenhafte Langeweiler sein. Schlussendlich bleibt ein, natürlich aus dem Zusammenhang gerissenes, Zitat von Abby hängen, das Sony wohl nicht auf die Plakate drucken wird: „Können wir so tun, als wäre das alles nicht passiert…?“
 
 
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