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*** Die kleine Hexe ***

 
dkhexe kritik
 
Autor: Sascha Fersch
Die kleine Hexe ist eine weitere Verfilmung der erfolgreichen Kinderbücher von Otfried Preußler. Dabei schlüpft Karoline Herfurth in die Rolle der jungen Protagonistin.
 
Es war einmal in einem klassischen Märchen
 
Es ist wirklich erstaunlich, wie die Kinderbücher von Otfried Preußler aus der Zeit gefallen sind. Sie beschäftigen sich mit einer Welt ohne die schwierigen moralischen Verwirrungen und technischen Errungenschaften der modernen Lebensrealität. An so einem Sehnsuchtsort im Einklang mit der Natur und eindeutigen Zuordnungen von Gut und Böse lebt auch die kleine Hexe. Idyllisch in einem kleinen Hexenhäuschen im Wald, umgeben von Tieren und mit dem sprechenden alten Raben Abraxas (Axel Prahl) als Gefährten. Doch nie erhält sie eine Einladung zur Walpurgisnacht, wo sie doch so gerne Nachts mit den anderen Hexen auf dem Blocksberg tanzen würde.
 
Deswegen beschließt sie sich heimlich und gegen den Ratschlag ihres klugen Raben auf die große Hexenfeier zu schleichen. Als die Wetterhexe Rumpumpel die kleine Hexe jedoch entdeckt, gibt es reichlich Ärger. Nicht nur wird ihr Besen im Feuer an Ort und Stelle verbrannt und sie muss drei Tage zu Fuß nach Hause laufen, sie muss außerdem innerhalb eines Jahres alle 7892 Sprüche aus dem großen Zauberbuch fehlerfrei beherrschen, sonst droht ihr die endgültige Verbannung vom Tanz der Hexen und der Verlust der Zauberkraft. Die Vorbereitung auf die Hexenprüfung ist gar nicht so einfach, denn obwohl Abraxas sie immer wieder an ihre Aufgabe erinnert, lässt sie sich von allerlei anderen Sachen ablenken.
 
 
Die kleine Hexe hilft den Frauen aus dem benachbarten Dorf beim Holzsammeln, freundet sich mit Vroni und ihren Bruder Thomas an, zwei Kinder aus dem Dorf und sorgt dafür, dass sich die Papierblumen des armen Blumenmädchens besser verkaufen. Nach einem Jahr tritt sie schließlich zur Prüfung an und besteht tatsächlich mit Bravour. Nun soll sie aber auch noch die zwei menschlichen Kinder in Steine verwandeln und damit beweisen dass sie wahrhaft eine gute böse Hexe ist. Sie muss sich nun entscheiden, wen sie lieber mag, die Menschen im Dorf, oder ihre Kolleginnen vom Blocksberg. Schließlich schmiedet sie einen ausgeklügelten Plan, wie sie den alten Hexen die Stirn bieten kann.
 
Bei Otfried Preußler ist die Welt ein Dorf
 
Die Verfilmung von Krabat wurde vor ein paar Jahren zwar nicht von allen geliebt, aber durchaus von vielen gefeiert und konnte die Gunst einiger Kritiker gewinnen. Grundsätzlich ist es immer schön, in den deutschen Kinosälen auch eigen produzierte Stoffe zu sehen, nicht nur in der Traumfabrik in Hollywood produzierte Mega-Blockbuster. Gerade das reichhaltige Angebot erfolgreicher deutscher Kinderbücher hat ein großes Potential auch heute auf der Kinoleinwand noch Besuchermagnet zu sein. Das Problem bei Otfried Preußlers Geschichten ist jedoch der umfassende Eskapismus manchmal verbunden mit einer oberflächlichen Schwarz-Weiß-Malerei, wobei Krabat zumindest noch ein paar überraschende Facetten und Wendungen geboten hat.
 
Die Welt der kleinen Hexe befasst sich nicht mit den Problemen unserer Zeit und ist auch in sich kein sehr ausgefeilter Kosmos, anders als zum Beispiel das riesige Universum eines Harry Potter. Dadurch wirken die Filme inhaltlich, als seien sie für ein ganz junges Vorschulpublikum, sind aber formal als Realverfilmungen zu lang(-atmig) und die Figuren wie auch deren Darsteller irgendwie zu erwachsen für eine altersgerechte Umsetzung. Die Qualität der Spezialeffekte schwankt stark, einerseits oft kindlich-überzeugend, wie der Rabe Abraxas und überhaupt das meiste Setdesign, an anderen Stellen wiederum wirkt der Film jedoch eher kindisch-übertrieben wie die Besenflug-Sequenzen oder auch das Aussehen der anderen „bösen“ Hexen allgemein.
 
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Kinder haben bestimmt trotzdem viel Spaß an diesem Film und sicherlich war es ein wünschenswerter Versuch, diesen bekannten Stoff umzusetzen. Doch gerade die Drehbuchautoren wären angehalten sich von dem 60 Jahre alten Original wenigstens ein Stück weit zu entfernen und neue Querbezüge zu schaffen, oder zumindest die erzählte Welt etwas plastischer und detailreicher zu gestalten. Zu oberflächlich abgehandelt werden die einzelnen Erzählstränge und bieten kaum Überschneidungen. Die Frauen aus dem Dorf, Der Förster, Rumpumpel, die anderen Hexen, die kleinen Kinder. Jede der Nebenfiguren bleibt letztlich ohne charakterliche Tiefe und Auswirkung auf die Handlung.
 
Und wenn sie nicht gestorben sind…
 
Zwar wird durchaus immer wieder kontrovers diskutiert, wie viel Modernisierung man einem künstlerischen Werk angedeihen lassen darf, ohne dessen ursprüngliche Wirkung zu zerstören. Doch gerade in der Kunst sollte die grundsätzliche Möglichkeit immer gegeben sein, gäbe es da nicht entsprechende rechtliche Beschränkungen von der Seite der Erben. Obwohl also bereits die Debatte um einige Wortänderungen in der Neuauflage der Buchvorlage im Jahr 2013 vielleicht für Linguisten und Übersetzer interessant gewesen sein mag, wird der Rest der Bevölkerung in erster Linie danach urteilen, ob die Adaption grundsätzlich eine schöne, emotionale Geschichte erzählt.
 
Dieser Film ist in jedem Fall ein Versuch die Geschichte gut und werkgetreu zu erzählen und alle leisten einen ganz unprätentiös ihren Beitrag im Sinne dieser gemeinsamen Sache. Schauspieler, Kamera und Regie haben hier einen Kinderbuchklassiker klassisch inszeniert und hätten mit ihrer behutsamen Interpretation wohl auch Otfried Preußler eine Freude bereitet. Ob alle anderen sich ebenso an dem Ergebnis erfreuen können wird der Erfolg an der Kinokasse zeigen. Und so wie sich die kleine Hexe letztendlich für ihren eigenen Weg entschieden hat, muss jeder für sich selbst entscheiden ob er diesen Film nun sehen will oder nicht.
 
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Fazit
 
Ein klassischer Märchenfilm ohne große Widerstände oder Kontroversen, nett für einen Kinoabend mit den Kindern wenn es draußen schneit und stürmt.
 
 
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