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***BFG - Big Friendly Giant***

bfg kritik
 
Autor: Alexander Friedrich
 
Steven Spielberg ist zweifellos einer der größten Regisseure unserer Zeit, hat die Kino-Renaissance der 70er bis 90er (so genannte New Age-Generation) entscheidend mitgeprägt und dürfte selbst den Kinobesuchern ein Begriff sein, die sich kaum damit befassen, wer eigentlich welchen Film gemacht hat.
 
Zwischen all den modernen und meist seelenlosen CGI-Blockbustern schien sich dann aber auch der Altmeister irgendwie verloren zu haben und lieferte in Vergangenheit entweder nur unterdurchschnittliches Mittelmaß („Indiana Jones und das Königreich des Kristallschädels“, „Krieg der Welten“) oder machte sich nur noch als Produzent bemerkbar („Transformers“, „Jurassic World“).
 
Ein riesiges Abenteuer
 
In den letzten drei Jahren ging es jedoch qualitativ wieder steil bergauf. Mit „Lincoln“ und „Bridge of Spies“ bewies der Schöpfer von Klassikern wie „Jurassic Park“ und „Der Weiße Hai“ sein ganzes Können und das Gespür für ernste politisch interessante wie ernste Themen, wie auch das perfekte Handling für die richtigen Schauspieler. Nun kommt mit „BFG – Big Friendly Giant“ plötzlich eig völlig anderer Film daher, der sich so gar nicht in die jüngere Trivia von Spielberg einordnen lassen will, rückblickend jedoch wohl kaum von einem anderen Regisseur stammen könnte, haben wir es hier doch eindeutig mit einer Rückbesinnung auf den Kinder-Klassiker „E.T. – Der Außerirdische“ zu tun. Leider kann sich die Verfilmung des Roald Dahl-Romans weder mit den zuletzt sehr guten Werken, noch mit dem für Buch wie Film offensichtlich als Vorbild dienenden Meisterwerks von 1982 messen.
 
Die kleine Sophie (Ruby Barnhill) lebt in einem Londoner Waisenhaus und ist die Einzige, die spätnachts noch aller Regeln zum Trotz wach im Bett Bücher liest. So weiß das gerissene Mädchen, das es um 3 Uhr auch zur Geisterstunde schlägt. Und tatsächlich wird Sophie von so einem Geist entführt, jedoch ist dieser in Gestalt eines Riesen, welcher das Waisenkind ins Land der Riesen verschleppt, jenseits des normalen englischen Stadtlebens.
 
Der Riese (Mark Rylance) entpuppt sich allerdings als so gar nicht böse, sondern ist ein liebenswerter freundlicher Zeitgenosse in Übergröße mit einem amüsanten Sprachfehler, der sich einfach der Gesellschaft der sympathischen Sophie erfreut. Das gilt jedoch nicht für seine längst nicht so friedlichen Artgenossen, die Jagd auf die Menschen machen…
 
 
Verblüffendes visuelles Schauspiel
 
Eines gleich vorneweg: Obwohl der im Film von Sophie liebevoll genannte BFG (also Big Friendly Giant und nicht eine gewisse Kult-Waffe aus dem Videospiel-Klassiker „Doom“) eine komplett digital entstandene Polygon-Figur ist, hat man den Eindruck, hier tatsächlich Mark Rylance zu sehen. Die Motion-Capture und VFX-Künstler von Weta Digital („Der Hobbit“) haben den Star aus Spielbergs letztem Film „Bridge of Spies“, der hier seinem Riesen eigentlich nur die Stimme leiht, perfekt in eine virtuelle Fantasie-Figur verpackt. Der BFG ist Rylance jedenfalls wie aus dem Gesicht geschnitten, so nehmen wir dessen Performance wie auch den Charakter jederzeit ab.
 
Wir haben diesen Punkt aus gutem Grund sofort nennen wollen, denn das war es auch schon mit den wirklich guten Momenten aus „BFG“. Spielberg schafft es nämlich nicht, an die Magie seines Klassikers „E.T. – Der Außerirdische“ anzuknüpfen. Zwar ist diese moderne neue Interpretation rundum kindgerecht und optisch natürlich beeindruckender als das in die Jahre gekommene Puppentheater mit dem nach Hause telefonierenden Alien, doch für einen reinen Kinderfilm ist „BFG“ mit seinen knapp zwei Stunden viel zu lang geraten.
 
Es ist ein Rätsel, warum so viele Filme so viel Zeit in Anspruch nehmen müssen, wenn sie sie nicht sinnvoll füllen können. „BFG“ beginnt da sogar zunächst erfrischend anders und benötigt gar keine echte Exposition, sondern fängt gleich direkt mit der Einführung des freundlichen Riesen an, nur um sich danach fürchterliche Längen zu erlauben. Vor allem fehlt „BFG“ ein spannender Konflikt, der mit der Zeit an Fahrt und Dynamik gewinnt und dann ganz dem „Drei-Akt-Schema“ aufgelöst zu werden. Stattdessen geht es nur darum, dass Sophie und der BFG gerne Träume fangen und eben noch ein paar andere Riesen in der Nähe sind. Das klingt nicht nur langweilig, sondern ist auch so.

02 ©2016 Constantin Film04 ©2016 Constantin Film07 ©2016 Constantin Film03 ©2016 Constantin Film
 
Viel Fassade, nichts dahinter
 
Im letzten Drittel leistet sich Spielberg dann auch noch einen dramaturgischen wie inszenatorischen Aussetzer, in dem die Handlung plötzlich völlig ausgebremst und durch einen surrealen Ausflug in den Palast der Queen ergänzt wird. Sophie und ihr Riese wenden sich nämlich an Ihre Majestät zur Hilfe und während die Geschehnisse bis dato fast ausschließlich in bunten wie fantasievollen am Computer entstandenen Schauplätzen stattfanden, ist der plötzliche Schnitt zu einer realen Location mit realen Schauspielern doch sehr abrupt und seltsam.
 
Zwar leistet sich diese Szene eine gewisse Situationskomik, doch nimmt sie sich viel zu viel Zeit, bringt den Fortschritt der Geschichte zu einem Stillstand und will so gar nicht zum Ton des Films passen.
 
Bis dahin kann man sich durchaus an den schön gestalteten Kulissen erfreuen, wirklich Neues oder Faszinierendes wird aber nicht geboten. „BFG“ fehlt letztendlich einfach Mehr als das was man sehen kann. Hinter der Fassade ist nämlich Nichts erkennbar. Spielberg bietet lediglich einfache Kinder-Unterhaltung in Überlänge und ertrinkt in der Mittelmäßigkeit. Daran können auch die legendären Stamm-Kompagnons Janusz Kaminski (Kamera) und John Williams (Musik) nichts ändern.
 
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Fazit
 
Mark Rylance ist ein toller Schauspieler, ob ganz real in „Bridge of Spies“ oder nun als Motion-Capture-Figur in „BFG – Big Friendly Giant“. Doch das reicht bei Weitem nicht für einen guten Film, geschweige denn, einen Spielberg-Klassiker. Denn „Bridge of Spies“ bot noch einiges Mehr und der als Vorbild dienende Klassiker „E.T.“ eben auch. „BFG“ ist dagegen ein sehr simpler Fantasy-Film mit wenig Tiefe und wenig Dynamik.
 
Für einen Kinderfilm ist das ja allemal in Ordnung, doch dafür ist die Laufzeit einfach zu lang und irgendwie erwartet man sich von einem Steven Spielberg ja auch mehr.
 
 
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