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*** Robin Hood ***


rhood kritik
 
Autor: Walter Hummer
      
Mehr als 100 Jahre nach der ersten Stummfilmversion, 80 Jahre nach der Verfilmung mit Errol Flynn, 45 Jahre nach der Disney-Version und mehr als 25 Jahre nach dem Film mit Bryan Adams furchtbarer Schnulze im Abspann kommt eine neue Verfilmung der Geschichte um Robin Hood in die Kinos. Was bietet dieser Film nun, was die anderen nicht schon geboten hätten?
 
Irgendwas mit Kreuzzügen, Lords und Arabern …
 
Üblicherweise beginnen wir eine Filmrezension mit einem kurzen Überblick über die Handlung. Bei einem Film über Robin Hood könnte man darauf wohl verzichten. Die Geschichte ist doch wohlbekannt. Oder etwa nicht? Nun ich versuche mal, die wichtigsten Punkte der Handlung von Otto Bathursts neuem Film wiederzugeben und jeder darf selbst entscheiden, wieviel er wiedererkennt.
 
Also, irgendwann vor langer Zeit versucht eine junge, attraktive Frau namens Marian dem jungen ebenfalls recht gutaussehenden Adeligen Robin von Locksley ein Pferd zu stehlen. Dabei trägt sie ein Oberteil mit einem Dekolleté, wie man es außerhalb von SM-Studios tagsüber nur selten zu sehen bekommt. Zum Glück ist die Jungfer Marian kein Kind von Traurigkeit und so kommt es auch gleich zu der Art Geknutsche und Gefummel wie es in einem Film mit der Freigabe FSK 12 gerade noch erlaubt ist. Dummerweise muss Robin an einem Kreuzzug teilnehmen. Im Nahen Osten sind die Einheimischen unter anderem mit Schnellfeuer-Pfeil-Gewehren bewaffnet, weshalb die Einsätze dort an Szenen aus „American Sniper“ erinnern. Nachdem Robin sich gegen die eigenen Kameraden gestellt hat, um das Leben eines Gefangenen zu retten, wird er nicht einfach umgebracht, sondern nach zur Strafe bloß Hause geschickt.
 
 
Nachdem das Schiff aus Nordafrika in Nottingham angelegt hat (keine geringe Leistung, wenn man bedenkt, dass die Stadt knapp 100 Kilometer vom Meer entfernt liegt), muss Robin feststellen, wie übel es dort aussieht. Er selbst wurde für tot erklärt und enteignet. Der Rest der Bevölkerung muss in den Minen schuften. Was in diesen Minen abgebaut wird, bleibt unklar. Aber nachdem es dort aussieht, wie in der Unterstadt von Fritz Langs „Metropolis“, wird das schon irgendwas Wichtiges sein.
 
Für Robin zählt aber nur die schöne Marian. Als er sie endlich wiedersieht, teilt sie gerade Suppe an die Armen aus und trägt dabei ein rotes Samtkleid, wie es Frauen im 21. Jahrhundert wohl zur Met-Gala oder im Backgroundchor von Lady Gaga tragen würden. Dabei wird sie von Will Scarlett abgeküsst. Dieser Will Scarlett ist entweder ein Kommunalpolitiker, Bürgerrechtler oder Gewerkschaftler. Was genau er ist, wird im Laufe des Filmes nicht ganz klar. Auf jeden Fall übt er irgendeine Funktion aus, die es im 12. Jahrhundert sicher nicht gegeben hat.
 
Zusammen mit Robin ist Little John aus dem Morgenland angereist. Der von Jamie Foxx gespielte Moslem will den Tod seines Sohnes rächen (Jawohl, in diesem Film ist Little John ein afrikanischer Krieger). Weil John nur noch eine Hand hat, macht er aus Robin in recht kurzer Zeit einen Meisterbogenschützen, der drei Pfeile in zwei Sekunden abfeuern kann. Solche Techniken braucht der Held auch, wenn er sich mit den Männern des Scheriffs anlegen will, weil die unter anderem mit selbstladenden Armbrüsten bewaffnet sind. Irgendwann kommt dann noch ein böser Kardinal aus Rom, es gibt eine Verschwörung die keinerlei Sinn ergibt, einem der Guten wird das halbe Gesicht zerstört worauf er böse wird und auch sonst wird ganz viel aus anderen, besseren Filmen gestohlen ….
 
Voll die Geschichte und so …
 
In einer der ersten Szenen des Films meint der Off-Erzähler: „Ich könnte Euch jetzt mit geschichtlichem Zeug langweilen …“. Nein, könnte er nicht. Ganz sicher nicht. Niemand der an diesem Film beteiligt war, kann auch nur die geringste Ahnung vom Leben, der Kriegskunst und der Politik zur Zeit des dritten Kreuzzugs haben. Nichts was wir gezeigt bekommen, passt auch nur halbwegs in die Zeit der Handlung. Die Protagonisten sehen fast alle aus, als wären sie von „The Gap“ eingekleidet worden. Nur Eve Hewson sieht aus, als würde sie nur Kreationen von „Dior“ tragen. Ach ja, Ben Mendelsohn trägt als Sheriff von Nottingham offensichtlich Teile seiner Uniform als imperialer Offizier aus „Rogue One“ auf. Das ist wenigstens sparsam. Vielleicht tragen aus dem gleichen Grund auch die Statisten bei einem Bankett lauter Kostüme, die man in einer ähnlichen Szene bereits in „The Hunger Games“ gesehen hat.
 
Aber nicht nur die Kostüme sind absurd. Auch die Bauten sind komplett daneben. Robins Schloss sieht aus, als wäre es ein paar Jahrhunderte später in Italien gebaut worden. Das Hauptquartier des Sheriffs sieht irgendwie asiatisch aus. Und die Kathedrale von Nottingham sieht aus wie ein Raumschiffhangar auf Naboo.
 
Die politischen Verwicklungen im Film hätten zu keiner Zeit jemals funktioniert. Die tatsächlichen Hintergründe im Britannien des zwölften Jahrhunderts werden nicht einmal am Rande erwähnt. Keine Rede von Normannen und Angelsachsen, kein Wort über den abwesenden Richard Löwenherz, …
 
Die Liste der inhaltlichen Fehler ist lang. Meine zwei Lieblingsblödsinnigkeiten waren aber der vom Sheriff persönlich an Robin adressierte Einberufungsbefehl und die Szene in dem einem Mann, dem zuvor eine Hand abgeschlagen wurde, tatsächlich Handschellen angelegt wurden. Hat man die zweite Handschelle am Unterarm angeklebt, damit sie hält?
 
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Das nennst Du reiten?
 
All die Anachronismen und anderen inhaltlichen Fehler wären ja halb so wild, wenn wenigstens der Rest des Films irgendwie funktionieren würde. Aber die aufgedeckte Verschwörung ergibt keinen Sinn und ist für die Handlung auch komplett unnötig. Ebenso unnötig war es auch, F. Murray Abraham nach über dreißig Jahren seine Rolle aus „Der Name der Rose“ nochmal spielen zu lassen. Und mittendrin erzählt der Sheriff eine Geschichte über seine Zeit im Waisenhaus, die nur so zu erklären ist, dass Ben Mendelsohn wohl versehentlich eine Seite aus einem Drehbuch zu einem ganz anderen Film zu lesen bekommen hat.
 
Natürlich erwarten wir von einem Action-Film keine Geschichtsdokumentation. Aber Action darf man doch wohl erwarten, oder etwa nicht? Und wenn der Film schon krampfhaft modern sein will, könnte er dann nicht wenisgtens ein bisschen cool sein? Vor mehr als zehn Jahren hat Zack Snyder mit „300“ ja auch keinen historisch exakten Bericht über die Schlacht bei den Thermopylen vorgelegt. Aber die Actionszenen dieses Films waren einfach brillant gemacht und so ist „300“ immer noch einer der coolsten Streifen der letzten zwanzig Jahre. Die Action in Otto Bathursts Version von „Robin Hood“ mit der in „300“ zu vergleichen wäre einfach nur unfair.
 
Ein großer Teil der Actionszenen spielt hier im Halbdunkel. Aber selbst bei Licht betrachtet, tut sich einfach zu wenig. Eine Verfolgungsjagd mit zwei Kutschen ist so schlecht in Szene gesetzt, dass man eigentlich nur dunkle Pferde vor dunklem Hintergrund sieht. Am Ende einer Kampfszene zwischen Robin und einem anderen Kreuzfahrer braucht man einen Moment, um zu erkennen wer da nun am Boden liegt. Und das Verschießen mehrerer Pfeile schnell hintereinander sieht auch nur die ersten paar Mal interessant aus. Danach nutzt sich der Effekt irgendwann ab.
 
Der Film versucht verzweifelt modern zu sein. Und irgendwie wirkt die Kritik des Films an Imperialismus und organisierter Religion zwar aufgesetzt, aber doch gut gemeint und das ist rührend. Aber ein Film, den selbst die Hauptdarsteller nicht ernst genug nehmen, um sich ein bisschen anzustrengen, wird den Zuseher emotional nicht erreichen können.
 
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Merry Men
 
Taron Egerton hat in den „Kingsman“-Filmen gezeigt, dass er das Zeug zu einem sympathischen Actiondarsteller hat. Es kann vermutlich nicht allein seine Schuld sein, wenn uns sein Robin ziemlich kalt lässt.
 
Jamie Foxx hat seinen Oscar für „Ray“ vor mehr als 12 Jahren gewonnen. Und „Django Unchained“ ist auch schon wieder eine Weile her. Der Mann braucht dringend einen neuen Agenten.
 
Ben Mendelsohn hat zuletzt in „Ready Player One“ eine Rolle gespielt, die er bereits in „Rogue One“ besser gespielt hatte. Hier spielt er die gleiche Rolle nun noch einmal ein bisschen schlechter.
 
Eve Hewsons Darstellung der Marian wäre vielleicht ganz passabel, wenn das kein Spielfilm, sondern eine Werbung für teure Kosmetikprodukte wäre.
 
Wer Jamie Dornan nach den „Shades of Grey“-Filmen für einen gutaussehenden, aber mäßig begabten Schauspieler gehalten hat, bekommt mit diesem Film keinen Grund seine Meinung zu ändern.
 
Fazit
 
Diese Version von Robin Hood hat früheren Verfilmungen nichts voraus. Die Dialoge waren in der Stummfilmversion besser. Die Kostüme sahen in der Version mit Errol Flynn cooler aus. Die Action war im Disney-Film härter. Und im Vergleich zum Abspann dieses Films, klingt auch die Schnulze von Bryan Adams gar nicht mehr so schlimm.
 
 
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