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*** The Farewell ***


ouatih kritik

Autor: Walter Hummer
 
Der neue Film der jungen Filmemacherin Lulu Wang wird in den USA seit dem Sundance Film Festival im Januar 2019 von der Kritik gefeiert. Und es ist leicht zu erkennen, warum …
 
Based on an actual lie
 
Die junge Autorin Billi hat China bereits als kleines Mädchen zusammen mit ihren Eltern verlassen. Eines Tages erfährt die Familie von einer Krebserkrankung der noch in China lebenden Großmutter Nai Nai. Nur die Großmutter selbst wird nicht über ihren Zustand informiert. Eilig wird die Hochzeit eines Cousins beschlossen, um die ganze Familie noch einmal rund um die Großmutter zu versammeln, ohne ihr die Wahrheit sagen zu müssen. Als einzige in der Verwandtschaft hat nur Billi ein Problem mit dieser Lüge …
 
Links vom Atlantik ist man von diesem Film bereits seit Monaten begeistert. Und auch bei uns wird dieser Film bereits gelobt. Und tatsächlich spricht viel für diesen Film. Die visuelle Gestaltung wirkt sehr künstlerisch, nie künstlich. Die ersten Szenen in einem Krankenhaus zeigen einen unpersönlichen, klinischen Ort. Die Szenen in China zeigen die Eintönigkeit der Wohnsilos und Straßen dazwischen. In einer Zeit in der allzu viele Filme mit „cooler Optik“ beeindrucken wollen, bietet dieser Film eine angenehme Abwechslung. Sein Look wirkt im besten Sinne des Wortes realistisch, als würde man eine extrem hochwertig und anspruchsvoll produzierte Dokumentation sehen.
 
 
Dazu passen auch wunderbare Bilder und kurze Szenen, die von Regisseurin Wang wie nebenbei gezeigt werden. Wir sehen und hören eine professionelle „Wehklagerin“ weinen. Das Mantra zu Ehren der Gäste, mit dem sich das Servicepersonal auf eine Hochzeitsfeier einstimmt, ist eine wunderbar skurrile Vignette. Das Bild eines Drachentänzers in seiner Rauchpause geht viel zu schnell vorbei. Wenn die Pflegerin der alten Großmutter ganz nebenbei erwähnt, sie habe nie eine Schule besucht, möchten man den Film liebsten anhalten und auf diesen anderen Handlungsstrang umschalten.
 
Neben dem Drama um Billi und ihre kranke Großmutter, bietet uns der Film auch noch mehrere kleine Nebendramen. Ein Hickhack von zwei Müttern bei Tisch beginnt subtil, lässt aber schnell erkennen, welche Konflikte hier nicht deutlich angesprochen werden. Wenn Billis Vater Alkohol trinkt oder raucht, erahnt man die Vorgeschichte. Dazu passt auch, mit welcher Leichtigkeit die Mutter den bewusstlosen Ehemann auszuziehen weiß. Das fantastischste dieser Nebendramen dreht sich aber um das arme Brautpaar, das nach bloß drei Monaten schnell heiraten muss, um einen Vorwand für die Familienzusammenkunft zu bieten. Diese Paar und seine Geschichte sollte einen eigenen Film bekommen.
 
Killing me softly
 
Sowohl Haupt- als auch die Nebenhandlungen werden mit viel Witz und Verve erzählt und stecken voller interessanter, schillernder Charaktere. Das lässt die Figur der Billi beinahe ein bisschen langweilig wirken. Zuweilen haben wir Mühe, uns für sie zu erwärmen. Wenn wir früh im Film erfahren, wie auch sie die Eltern über eine wichtige Entwicklung in ihrem Leben belügt, soll uns das wohl klar machen, dass jeder Mensch lügt um liebe Menschen zu schonen. Tatsächlich lässt das Billis Wahrheitsanspruch im Film aber etwas selbstgefällig wirken. Wenn sie ihren Vater vor seinem Bruder zurechtweist, beschämt sie ihn damit. Während einer tränenreichen Aussprache mit ihrer Mutter wirkt Billi dann etwas zu egozentrisch.
 
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Aber auch wenn der Film auch Billis Sicht erzählt wird, getragen wird das Ganze von der Figur der Großmutter Nai Nai. Egal ob wir sie beim Tai-Chi sehen oder mit alten Kameraden aus ihrer Zeit beim Militär, immer steht diese Figur im Mittelpunkt. Und immer hat diese alte Dame etwas zu sagen. So kommentiert sie beim ersten Wiedersehen den Hintern ihrer Enkelin, an anderer Stelle die kitschigen Hochzeitsbilder. Das Ende des Films ist dann auch ein doppelter Betrug, nicht nur weil jedes andere Ende besser zur Figur der Großmutter gepasst hätte.
 
Dargestellt wird die resolute Seniorin von der bei uns unbekannten Shuzhen Zao. Wie sie die alte von allen belogene Dame spielt und dabei stets Erfahrung, Weisheit und Humor vermittelt ist einfach großartig. Wer Glück hat, wird an seine eigene Großmutter erinnert werden. Alle anderen werden sich eine solche Oma wünschen.
 
Awkwafina spielt die Enkelin Billi. Es ist verständlich, warum die Kritiker von ihrer Darstellung begeistert sind. Ihre schlechte Körperhaltung lässt sie jung, fast pubertär wirken, wie eine Erwachsene, die neben ihrer Familie wieder zu einer Zwölfjährigen wird. Aber wenn man ihre Darstellungen unterschiedlicher Figuren in „Ocean’s Eight“ oder „Crazy Rich“ gesehen hat, weiß man, so bewegt sich Awkwafina immer und ist plötzlich gar nicht mehr so beindruckt. Am Ende weiß man nicht, ob die Darstellerin oder die Drehbuchautorin mehr aus dieser Rolle herausholen hätten müssen. Vermutlich beide.
 
Auf die unbekannte japanische Darstellerin Aoi Mizuhara trifft das sicher nicht zu. Sie brilliert in ihrer praktisch stummen Rolle als junge Braut. Nur mit Blicken und wenigen (für uns unverständlichen) japanischen Sätzen teilt sie uns das Drama einer jungen Frau mit, die einen unreifen Jüngling heiratet, den sie kaum kennt.
 
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Auch der Rest der Besetzung leistet Erstaunliches. Diana Lin spielt die Mutter als Frau, die Opfer bringt und trotzdem nie selbst zum Opfer wird. Tzi Ma („Arrival“) spielt den Vater als Mann zwischen den Welten und zwischen den Generationen.
 
Fazit
 
Lulu Wang hat einen feinen kleinen Film mit viel Herz und Humor gedreht, der aber dann doch nicht ganz so ungewöhnlich und unorthodox ausfällt, wie er gern sein möchte. Die großartige Besetzung und die hervorragende Regie machen den Film aber absolut sehenswert.
 
 
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