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***Rock the Kasbah***

rtk kritik
 
Autor: Sascha Fersch
 
Bill Murray als abgehalfterter Rockmanager in Afghanistan, das klingt nach einer irrwitzigen Geschichte und diese Erwartungen werden nicht enttäuscht. Daneben versucht sich der Film aber auch in großer Hollywoodromantik, die einen etwas ratlos zurücklässt.
 
Was macht denn der verwirrte alte Herr in der Wüste?
 
Wenn man Bill Murray vor eine Kamera stellt, wird die ganze Szene sofort von einer gewissen missmutigen Philanthropie erfüllt. So als würde man versuchen die Schwere des Lebens, aus Ermangelung an Alternativen, zur Not eben einfach mit Humor zu nehmen. Es stellt sich die Frage ob Bill Murray die Drehbücher danach auswählt, ob sie extra für ihn geschrieben werden oder ob diese Kinomagie einfach passiert. Auf jeden Fall sind daraus schon oft Filme entstanden, die sich nur schwer in übliche Genres einordnen lassen.
 
Der leicht zwielichtige Musikmanager Richie Lanz ist in die Jahre gekommen, sein Privatleben liegt in Trümmern und seine berufliche Existenz hängt am seidenen Faden, da kann man eine Tour durch die US-Militärbasen in Afghanistan schon mal als rettenden Strohhalm betrachten. Doch selbst dieser kleine Hoffnungsschimmer verflüchtigt sich, als seine Künstlerin sich über Nacht mit dem ganzen Geld und den Papieren aus dem Staub macht. Im entlegensten Ort der Welt hat er aber kurz darauf die unwahrscheinliche Begegnung mit einer jungen Sängerin, die sein sein Herz höher schlagen lässt.
 
Er beschließt, Sie gegen den Willen ihres Vaters bei einer afghanischen Talentshow anzumelden. Doch die Probleme werden dadurch nur noch größer. Der Rockmanager gerät damit nämlich nicht nur zwischen die Fronten der kriegerischen Auseinandersetzungen einzelner Stämme, sondern auch mitten in die Genderdebatte, den Diskurs um die grundsätzliche Legitimation der amerikanischen Besatzung, wird Teil der skrupellosen Geschäfte von Waffenschmugglern und Zeuge der grundsätzlichen Diskrepanz zwischen kapitalistischer Gier und gottesfürchtiger Moral.
 
 
Ein Film voller Widersprüche, Stereotypen und kindlicher Spielfreude

Die Nebendarsteller sind durchgehend hochkarätig besetzt, so tanzt Kate Hudson als Prostituierte mit Herz ebenso in durch die afghanische Provinz, wie auch Bruce Willis als geldgeiler Söldner. Zooey Deschanel spielt wie immer souverän die verängstigt-chaotische Künstlerin und auch die zwei Waffenschmuggler geben zweitweise als Comedy-Duo so richtig Gas. Das alles beschert dem Film vor allem in der ersten Hälfte ein wahres Kaleidoskop an absurden Situationen, pointierten Dialogen und irren Begegnungen. Ganz in der Tradition von Komödien wie MASH oder Good Morning Vietnam.

Doch im zweiten Teil bremst der Film merklich das komödiantische Talent seiner Protagonisten und versucht zu einer emotionalen und authentischen Form zu finden, um in der nötigen Ernsthaftigkeit den Beweggründen der jungen afghanischen Sängerin gerecht zu werden. Damit geht der Film natürlich der Gefahr aus dem Weg, zu einem reinen Gagfeuerwerk zu verkommen, wie es zum Beispiel bei Tropic Thunder der Fall war. Er erinnert gerade in seiner nachdenklichen Dimension eher an Männer die auf Ziegen starren, ein ebenfalls starbesetzter Film von 2009.
 
So ganz mag sich der Regisseur (Barry Levinson) aber nicht von seinen Stereotypen trennen. Die Geschichte der jungen Frau aus dem entlegenen Dorf mit einer geheimen Leidenschaft, die sich schließlich emanzipiert und im Fernsehen die Erlösung findet, wird relativ kurz abgehandelt. Der strenge aber gütige Vater, zwischen der Tradition und der Liebe zu seiner Tochter hin und her gerissen, kommt auch kaum zu Wort. Wer diese seelischen Zustände ausgeleuchtet haben will, sollte sich besser einen Film von Fatih Akin oder zum Beispiel Slumdog Millionär anschauen.
 
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Solange es Casting Shows gibt ist die Welt doch in Ordnung

Dass in dieser Komödie grundsätzlich die Zeit fehlt, alle Themen die angegriffen werden auch zu Ende zu erzählen, ist vielleicht gerade noch verzeihlich. Eine sehr große dichterische Freiheit muss man auch dem Drehbuchautoren (Mitch Glazer) unterstellen, was die grundsätzliche Dramaturgie, Handlung und die Wahl seiner Schauplätze angeht. Doch eine wirklich authentische und womöglich sogar tragische Erdung, in dem teilweise bestimmt von Angst geprägten Alltag in Kabul, hätte die lakonische Haltung und Komik der einzelnen Figuren eindeutig stärker kontrastiert.
 
Die dadurch entstandene Tiefe hätte auch zu einer emotionalen Glaubwürdigkeit geführt. So ist allerdings weder die fröhliche Prostituierte besonders realitätsnah, noch die relativ schnelle Emanzipation der jungen Salima (Leem Lubany). Die Bekehrung des Söldners kommt ebenso aus dem Nichts, wie die Epiphanie des flunkernden Musikmanagers, wohingegen die Explosion einer Landmine in unmittelbarer Nähe wiederum keinerlei psychische oder physische Auswirkungen zu haben scheint. Dadurch bleibt der Film leider insgesamt seltsam blutleer und letztlich auch relativ spannungsarm.
 
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Zu erwähnen sei noch der Soundtrack, mit vielen Klassikern der frühen Popgeschichte, sie geben dem Ganzen eine gewisse versöhnliche, nostalgische Note. Besonders die Lieder von Cat Stevens, der sich nun ja bekanntlich Yusuf nennt und zum Islam konvertiert ist, werden ganz stimmig als musikalische Brücke zwischen der westlichen und der östlichen Welt inszeniert.
 
Man lernt allerdings absolut nichts über die wirklichen Verhältnisse in Afghanistan, dafür darf man Bill Murray zwei Stunden dabei zusehen wie er sich durch die Wüste philosophiert, und das ist doch auch schon etwas.
 
 
 
 
 
 
 
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