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*** Searching ***


 
searching kritik
 
Autor: Walter Hummer
   
Die Handlung dieses Thrillers um ein vermisstes Mädchen wird nur auf Computerbildschirmen und Handy-Displays gezeigt. Wie so vieles im Internet, wirkt das eine Weile interessant ….
 
694 Tage seit dem letzten Antivirus-Update
 
Die 16-jährige Margot wird vermisst. Ihr Vater versucht, sie über Telefon und SMS zu erreichen. Auf ihrem Notebook findet er zunächst die Kontaktdaten ihrer Schulfreunde. Später muss er feststellen, wie wenig er seine Tochter tatsächlich gekannt hat. Seine Verzweiflung wächst. Die Polizei erweist sich nicht als hilfreich. Und im Internet bildet sich auch die Öffentlichkeit eine Meinung zu dem Fall …
 
„Searching“ beginnt mit einer großartigen Sequenz, in der wir auf einem Display sehen, wie sich ein Kind zur jungen Frau entwickelt, während die Familie eine Tragödie erlebt. Nach diesen berührenden ersten Minuten des Films, muss man schwer schlucken und erst einmal tief durchatmen. Natürlich hat Drehbuchautor und Regisseur Aneesh Chaganty die Idee schamlos bei Pixars Meisterwerk „Oben“ geklaut. Aber das stört eigentlich nicht. Und im Laufe des Films werden wir noch feststellen, dass „gut geklaut“ oft besser ist, als „schlecht selbst erfunden“.
 
Nicht nur die Anfangssequenz, der gesamte Film ist eine bunte Mischung aus facebook-Einträgen, youtube-clips, sametime-Konferenzen, whatsapp-Nachrichten, Telefongesprächen, internet-News, Überwachungsvideos, Status-updates und allem was die moderne Telekommunikation so hergibt. Das lässt den Film vor allem visuell zunächst extrem originell wirken.
Das Ganze ist aber dann doch nur eine Weiterentwicklung des in den letzten Jahren allzu oft bemühten „found-footage“-Konzepts. Und so wie sich bei Filmen wie „Rec“, „Cloverfield“ oder „Quarantäne“ irgendwann die Frage stellt, wie lange und vor allem warum die Figur mit der Kamera denn noch weiter filmt, so drängen sich auch bei „Searching“ irgendwann mal einige Fragen auf. Warum befragt die Polizei wichtige Zeugen nicht persönlich? Warum ruft der durch den Wald laufende Vater die ermittelnde Beamtin nicht einfach an, statt mit ihr zu skypen? Wer sieht sich das alles, was wir zu sehen bekommen, eigentlich überhaupt an? Und warum in dieser Reihenfolge?
Youtuber sind keine Filmemacher
Und über diese Fragen kommen wir vom Konzept zur Handlung. Die Filmemacher haben nämlich vor lauter Begeisterung über ihr originelles Konzept ganz vergessen, für ihren Thriller auch eine halbwegs brauchbare Handlung zu schreiben. Zu Anfang bleibt noch alles im Rahmen. Eltern, die nicht mitbekommen, wie sich ihre Kinder verändern, sind eher die Regel als die Ausnahme. Und so ist die Ahnungslosigkeit des Vaters zum großen Teil recht plausibel. Besonders nett ist es, wenn wir sehen welche Texte der Vater zunächst tippt, um diese dann zu löschen und ganz andere Nachrichten an seine Tochter zu senden.
Aber bald kann man die Schwächen des Drehbuchs nicht mehr ignorieren. Wie kann jemand, der im Silicon Valley arbeitet und jede Menge elektronische Geräte mit angebissen Äpfeln drauf besitzt, nicht wissen was tumblr ist? Und was soll die falsche Fährte in der Mitte des Films, deren Auflösung man uns bereits in einer der ersten Szenen des Films übergroß im Bild gezeigt hat? Und wie soll eine einzelne Person eine polizeiliche Ermittlung an der Dutzende Beamte beteiligt sind, so sabotieren können, dass wesentliche Teile dieser Ermittlung gar nicht ausgeführt werden?
 
01 ©2018 Sony Pictures02 ©2018 Sony Pictures03 ©2018 Sony Pictures04 ©2018 Sony Pictures
 
Und warum, ach warum müssen uns Filmemacher immer mit diesen ewigen überraschenden Wendungen am Ende quälen, wenn diese nur so selten überraschend sind? Anders als z.B. bei „The Sixth Sense“ ist die Auflösung hier nicht etwa deshalb kein bisschen überraschend, weil das Ende logisch wäre. Nein, das Ende von „Searching“ ist tatsächlich ziemlich absurd. Die Auflösung kann vor allem deshalb niemanden überraschen, weil nach etwa einer Stunde einfach nur noch ein möglicher Täter da ist. Das Drehbuch ist so schlampig geschrieben, dass es nur zwei Haupt- und zwei Nebenfiguren enthält. Nachdem die dritte von vier handelnden Personen ausgeschlossen wurde, liegt die Auflösung auf der Hand.
 
Natürlich kann man bei einem Film, der tatsächlich zum „found-footage“-Sub-Genre gehört, nur schwer über Schnitt, Kamera und Beleuchtung urteilen. Das wirklich schlampig geschriebene Drehbuch legt aber den Schluss nahe, das visuelle Konzept des Films könnte zumindest zum Teil auch gewählt worden sein, weil es billig und ohne allzu großen filmtechnischen Aufwand umzusetzen war.
 
Vater, Tochter und die Ermittlerin
 
John Cho kennen wir aus „Harold & Kumar“ und als Sulu in den neuen „Star Trek“-Filmen. Vielleicht liegt es am Drehbuch oder an der ungewohnten Bildsprache, aber hier wirkt er als verzweifelter Vater nur selten überzeugend.
 
Die junge Michele La wirkt in ihren wenigen Szenen als Tochter recht sympathisch.
 
Debra Messing (bekannt aus „Will & Grace“) hat es bisher noch nie geschafft, in einem Kinofilm eine überzeugende Leistung zu zeigen. Trotzdem ist es kaum zu glauben, wie furchtbar sie ihre Rolle als Ermittlerin spielt. Weder als Polizeibeamtin noch als Mutter wirkt sie auch nur eine Sekunde lang glaubwürdig. Zu sagen, Debra Messing würde niemals den richtigen Ton treffen, wäre untertrieben. Sie spielt ja noch nicht mal das richtige Instrument.
 
Fazit
 
Auf der anderen Seite des Atlantiks wurde „Searching“ wegen seines Konzepts von der Kritik gepriesen. Aber selbst die originellste Grundidee braucht ein gutes Drehbuch, schauspielerische Leistungen und filmtechnisches Können, sonst fehlt die Substanz. Und diesem Film mangelt es einfach an Substanz.
 
 
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