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***Die Hollars***

hollars kritik
 
Autorin: Vivien Neder
 
Wenn nahestehende Familienmitglieder krank werden, ist es traurig. Wenn sie sterbenskrank werden, ist man der Verzweiflung nahe. Wenn der Krebs in den eigenen Reihen zuschlägt, wird dem Menschen die eigene Sterblichkeit vor Augen geführt. Aber Krisensituationen haben oft ihr Gutes: Unterschwellige Konflikte können an die Oberfläche gelangen, um endlich, nach langen Jahren der Verdrängung, gelöst zu werden.
 

Sally Hollar (Margo Martindale) ist eine - scheinbar - zufriedene Frau mittleren Alters, die mit ihrem Mann Don (Richard Jenkins) in einer typisch amerikanischen Kleinstadt lebt. Leider fällt sie aber eines Morgens im Bad um, als sie sich gerade die Haare mit dem Lockenstab zurecht macht und wird im Krankenhaus mit der niederschmetternden Diagnose eines Gehirntumors diagnostiziert. Don und und ihr Sohn Ron (Sharlto Copley) sind wie vom Donner gerührt.

John Hollar (John Krasinski) - der andere Sohn der Familie - lebt meilenweit entfernt in New York. Er ist Künstler, zeichnet Cartoons, ist aber nicht sonderlich erfolgreich. Er zweifelt an sich und der Welt, während seine Freundin Rebecca (Anna Kendrick) mit ihrem ersten gemeinsamen Kind hochschwanger ist. Nachdem John’s Vater Don Rebecca telefonisch von Sally’s Krankheit informiert hat, marschiert diese kurzentschlossen mit einem gepackten Koffer und einem Flugticket für die nächste Maschine zu ihrem Freund und schickt ihn nach Hause, um seiner Mutter beizustehen.
Aber zu Hause erwarten John die seit Jahren schlummernden Konflikte seiner Vergangenheit, die er nun im Angesicht der familiären Tragödie lösen soll/will/muss? Auf jeden Fall verspricht der Aufenthalt in der Heimat nicht voll von Friede, Freude und Eierkuchen zu werden.
 
 
Wenn Probleme mit der Zeit wachsen wie ein Krebsgeschwür…
 
John Krasinski - der nicht nur die Hauptfigur spielt, sonder auch Regisseur und Produzent des Werkes „Die Hollars“ ist - fällt immer wieder wegen seines subtilen Humors auf. Auch hier ist sein Humor subtiler Art, er spielt mit Situationskomik und will - Gott sei Dank - nicht auf biegen und brechen lustig sein. Und deswegen ist seine Figur eben doch lustig. Aber auch die tragischen Elemente kommen nicht zu kurz. Er - John Hollar - weiß nicht was er will und damit weiß auch das Publikum nicht genau, was als nächstes kommt.
 
Es ist eine schwierige Aufgabe, an ein Krankenbett gefesselt zu sein, für die Rolle unattraktiv aussehen zu müssen und eine zugleich starke und verletzliche Persönlichkeit darzustellen. Margo Martindale gelingt dies in der Rolle der Sally ganz ausgezeichnet. Richard Jenkins bildet als ihr erfolgloser Mann Don das passende Gegenstück. Er verkörpert die typische, etwas verweichlichte Sorte Mann, die furchtbar gerne möchte, aber einfach nicht kann. Weder in der Karriere noch in der Erziehung seiner Söhne. Und dennoch fühlt man mit dem Leiden dieses weichen, aber treuen Mannes mit, der mit der Angst kämpfen muss, die Liebe seines Lebens zu verlieren.
 
Noch viel verplanter und erfolgloser als der Vater ist Sohn Ron, den Sharlto Copley völlig glaubwürdig spielt. Ungepflegt, unzuverlässig, unbeherrscht. Gegen ihn ist Anna Kendrick eher ein graues Mäuschen, das keinerlei bemerkenswerte Persönlichkeit auf die Leinwand bringt, sondern in gewohnter Manier das etwas gebieterische aber dennoch liebenswürdige Mädchen mimt.

01 ©2016 Sony Pictures02 ©2016 Sony Pictures03 ©2016 Sony Pictures04 ©2016 Sony Pictures
 
Gehirntumor - ein schwieriger Aufhänger für eine Komödie
 
Streckenweise ist der Film, der komödiantische Elemente enthält, ein wenig deprimierend. Darsteller/Regisseur/Produzent John Krasinski versucht mit seinem Film die gängigen Tragikomödien Hollywoods zu durchbrechen und doch bleibt die Ähnlichkeit zu anderen Filmen dieser Gattung bestehen.
 
Junge Männer (oder Frauen), die aus langweiligen amerikanischen Kleinstädten fliehen, um in der großen weiten Welt (Vorzugsweise New York, Washington oder LA) erfolgreich zu werden, die Konflikte in ihrer Heimat zurücklassen und verdrängen, nur um dann doch wieder nach Hause zurückzukehren wenn die große Krise eintritt, scheint es viele zu geben.
 
Wird eine solche Geschichte dann um die Entdeckung einer schweren Krankheit - in diesem Fall Krebs - aufgebaut, schwingt auch beim Zuschauer oft ein Gefühl von Verzweiflung mit. Irgendwie sind Krebs und Krankenhäuser Themen, über die man gar nicht lachen möchte und die man nach Möglichkeit auch lieber meidet.

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Fazit - Die Hollars: Mal humorvoll, mal farblos
 
Die bittersüße Tragikomödie über die Familie Hollar ist durchsetzt von Missverständnissen, Unsicherheit, Zukunftsängsten, Neid zwischen Brüdern, dem Hinterfragen vergangener Entscheidungen und Familienproblemen, die in Zeiten der Krise zum Vorschein kommen.
 
Nicht unbedingt leicht verdauliche Kost. Zwar ist der Film keine bahnbrechende Leistung, kann aber immer wieder mit einer unerwarteten Wendung überraschen.
 
 
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