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***Die Bestimmung - Allegiant***

dba kritik
 
Autor: Alexander Friedrich
 
Wer „Mad Max: Fury Road“ gesehen hat oder sich mit der Computerspielreihe „Fallout“ befasst, wird bei „Die Bestimmung – Allegiant“ Augen machen. Als die Unbestimmte Tris Prior (Shailene Woodley) mit ihren Freunden zum ersten Mal in ihrem Leben dem abgeriegelten Chicago entkommen und eine riesige Mauer überwinden, wartet außerhalb der Zivilisation nichts als zerstörtes Ödland, welches optisch genauso aus den genannten Endzeit-Vertretern stammen könnte.

Wie schon die Vorgänger bedient sich „Allegiant“, der dritte Teil der Bestimmungs-Trilogie (das Finale wird – wie zurzeit im Trend - zweigeteilt, „Ascendant“ kommt 2017), im Produktionsdesign und auch in der Geschichte an zahlreichen Vorbildern. Bisher konnte sich der Romantik-Fantasy-Science Fiction-Action-Mix mehr oder weniger gut auf den Beinen halt, was vor allem an einer souveränen wie talentierten Hauptdarstellerin, wie auch an einer sehr interessanten Kasten-Gesellschaft-Thematik lag.
 
Teil Drei vollbringt jedoch nun das Kunststück, diese Stärken über Bord zu werfen und den Erwartungen nicht einmal ansatzweise gerecht zu werden. Bot „Divergent“ viel Stoff zum Nachdenken, „Insurgent“ immerhin flott inszenierte Action, ist in „Allegiant“ nun durchgehend Langeweile auf ganz schwachem Niveau angesagt.
 
 
Flucht aus Chicago
 
Nachdem das faschistische Regime unter Janine (Kate Winslet) in „Insurgent“ mit Gewalt beendet wurde, sollten nun eigentlich in Chicago die Tore geöffnet werden, damit die nun fraktionslosen und damit gleichgestellten Bewohner endlich die freie Außenwelt betreten können. Doch Anführerin Evelyn (Naomie Watts) hält diese weiterhin geschlossen und lässt diejenigen, die Janine im Kampf gedient haben, nach und nach hinrichten.
 
Tris (Shailene Woodley) erkennt, dass sich quasi nichts geändert hat und ergreift die Initiative. Gemeinsam mit ihrem Geliebten (und gleichzeitig Evelyns Sohn) Four (Theo James), Bruder Caleb (Ansel Elgort) und den Freunden Christina (Zoe Kravitz), Peter (Miles Teller) und Tori (Maggie Q) flieht die Unbestimmte aus Chicago, um die Mauer zu überwinden.
 
Nach einer halsbrecherischen Flucht sieht sich die Gruppe in einem verwüsteten Ödland wieder, wo sie nach einer Weile auf eine fremde und technisch weit entwickelte Zivilisation trifft, die sich unter der Leitung des zwielichtigen David (Jeff Daniles) mit Gen- und Gedankenkontrolle beschäftigt. Währenddessen eskaliert die Situation in Chicago zu einem Bürgerkrieg…
 
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Nur die ersten Minuten unterhaltsam
 
Zwischen Utopie und Dystopie liegt oft nur ein schmaler Grat. Genau diesen Reiz machte „Die Bestimmung – Divergent“ von 2014 aus. Obwohl die Welt in Trümmern liegt, wird in Chicago ein friedliches und harmonisches Leben ermöglicht dank einem Kastensystem, welches die Bürger in fünf Fraktionen leben lässt, ohne dass dabei eine über die andere gestellt wird. Jede Fraktion hat ihren Nutzen und leistet ihren Beitrag. Dass hinter dieser strukturierten Fassade ein Regime mit faschistischen Ansätzen steckt und das ganze System in Wahrheit zur Unterdrückung genutzt wird, lüftet sich nach und nach und machte „Divergent“ zu einer sehr interessanten Zukunfts-Vision, auch wenn der Film nicht gerade subtil mit dem Thema umging.
 
Die Verfolgung der Unbestimmten und deren Sturz des Regimes im Nachfolger „Insurgent“ fielen dann qualitativ ziemlich ab, da fast das ganze Pensum in der ersten Filmhälfte verpulvert wurde. „Allegiant“ macht nun den gleichen Fehler, nur ist diesmal der Spaß schon nach den ersten Minuten vorbei. Die Flucht von Tris und ihren Freunden aus Chicago samt der Überwindung der Mauer fällt spannend wie imposant inszeniert aus, doch jenseits der Mauer wird der Zuschauer stark enttäuscht.
 
Das an die „Fallout“-Spiele erinnernde Ödland sieht zwar zunächst schick aus, doch die von Jeff Daniels angeführte Zivilisation, die Tris und Co. aufnimmt, ist einfach nur ein lauer Aufguss des Janine-Regimes der Vorgänger. Von Beginn an machen die Autoren es dem Zuschauer deutlich, das Direktor David nicht zu trauen ist, seltsamerweise will nur Hauptfigur Tris das nicht erkennen und so muss man ein unfassbar langweiliges Kammerspiel ertragen, bis endlich alle erkannt haben, dass auch David seine eigenen Interessen verfolgt.
 
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Eine blasse Hauptdarstellerin
 
Es ist erschreckend, wie lieblos „Allegiant“ umgesetzt wurde. Obwohl die Geschehnisse in Chicago viel interessanter sind, wo doch dort, obwohl es endlich keine Fraktionen mehr gibt, nun plötzlich paradoxerweise ein Krieg ausbricht, wird fast das ganze Augenmerk auf das futuristische Regime von David gelegt. Zwar gibt es hier eine durchaus starke Wendung in Bezug auf die Vorgänger, wirklich Einfluss auf die Geschehnisse hat sie aber nicht. „Allegiant“ enttäuscht vor allem mit der diesmal so flachen Auseinandersetzung mit seiner Welt. Die Fraktionen oder die Unbestimmten, die sich in keine der fünf Klassen zuordnen lassen, spielen allesamt keine Rolle mehr. Teil Drei der „Bestimmung“-Filme geht somit die grundlegende Faszination seiner Vorgänger verloren.
 
Der zweite K.O. für den Film ist Shailene Woodley. In einer Zeit, wo wir heute starke Frauenrollen geboten bekommen (Charlize Theron in Mad Max oder Daisy Ridley in Star Wars Episode 7), kann sich das junge Talent locker darunter einordnen. Die Wandlung von der unsicheren Beatrice zur starken Kämpferin und Auserwählten Tris Prior bewältigte Woodley in „Divergent“ bravourös und in „Insurgent“ fuhr der Star aus „Descendants“ dann gleich eine ganze Reihe an extremen Emotionen auf, welche ihre Figur in der Romanvorlage eben verlangte. Diesmal jedoch wird Woodley zur absoluten Passivität verdammt.
 
Protagonistin Tris nimmt keinerlei Einfluss auf die Geschehnisse, beziehungsweise nicht mal an denen überhaupt Teil. Während ihr Geliebter Four das Heft in die Hand nimmt und nach Chicago zurückkehrt, bleibt Tris weiterhin lieber bei Direktor David, um mit ihm wie die meiste Zeit des Films über Gott und die Welt zu plaudern. So darf Woodley nach zwei sehr dominanten und rasanten Auftritten diesmal fast den ganzen Film mit belanglosen Dialogen füllen und bleibt schauspielerisch somit stark unterfordert.
 
Fazit: Die Spannung ist erstmal weg
 
Die Anderen müssen es diesmal richten und so rückt tatsächlich Theo James als Four diesmal mehr in den Vordergrund, wird mit seiner Performance den Ansprüchen jedoch abermals nicht gerecht. Miles Teller sucht seit seinem tollen Auftritt in „Whiplash“ weiterhin nach seiner Form, seine ambivalente Figur Peter nervt dabei nur noch und wirft die Frage auf, warum Tris ihn nach seinem x-ten Verrat an die Bösen noch immer nicht die kalte Schulter zeigt. Und Jeff Daniels als namhafter Neuzugang spielt eben wie immer in seinen Filmen einen zwielichtigen Boss und könnte dabei nicht blasser und durchschaubarer ausfallen.
 
Nach den soliden und vor allem thematisch interessanten Vorgängern hatten die Autoren und auch Regisseur Robert Schwentke wohl keine Lust mehr, noch einen Film zu machen. So wirkt es jedenfalls, wen man sich durch die zwei Stunden von „Allegiant“ quält. Zunächst mit Vorfreude, waren die vorangegangenen Ereignisse doch sehr vielversprechend, nach kurzer Zeit jedoch nur noch mit purer Langeweile. Teil Drei der insgesamt vier Filme umfassenden Saga ist ein großer Rückschritt im Vergleich zu den ersten beiden Filmen und kann dem gesamten Handlungsbogen nichts, aber auch wirklich nichts hinzufügen. Mit dem Finale „Ascendant“ bleibt noch Hoffnung für das nächste Jahr, doch die Luft ist nun erst mal komplett raus.
 
 
 
 
 
 
 
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