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***Song to Song***

 
sts kritik
 
Autor: Sascha Fersch
 
Das neue Projekt von Terrence Malick ist ganz im Stil seiner bisherigen Produktionen. Song to Song ist ein dokumentarisch anmutendes Filmfragment ohne klares Ziel, mit dabei sind wie immer hochkarätige Schauspieler.
 
Die Welt kreist nun einmal um sich selbst
 
Die Traumfabrik war schon immer ziemlich eitel und beschäftigt sich recht gerne mit sich selbst und seinen eigenen Legenden. Ob das für einen Außenstehenden dann noch nachvollziehbar ist, bleibt dabei oft zweitrangig. In diesem Film geht es nun um eine ebenso exklusive wie spezifische Künstlerszene in Austin, Texas. Dass man natürlich in Europa keinen direkten Bezug dazu haben kann, ist aber nicht weiter störend, das Milieu dient nur dem Zweck, den einzelnen Figuren eine vage Verortung zu geben, weitere Kenntnisse sind eigentlich unnötig.
 
Diese Figuren sind schnell erklärt und doch schwer verständlich. Da gibt es die junge Faye (Rooney Mara) die als Praktikantin bei dem erfolgreichen Musikproduzenten Cook (Michael Fassbender) beginnt und als eine seiner Gespielinnen endet. Nebenbei hat sie noch eine Liaison mit dem aufstrebenden Musiker BV (Ryan Gosling), der zufällig auch mit Cook eine Platte aufnehmen will. Dazu kommt noch Natalie Portman als weitere Gespielin und zukünftige Frau des Musikproduzenten. Daneben hüpft noch Cate Blanchett über die Leinwand sowie zahlreiche Musikgrößen wie Iggy Pop und Patti Smith.

 
Weiß jemand wie man Musiker wird
 
Die Musik wird in diesem Film zwar thematisch immer wieder aufgegriffen, jedoch meist nur am Rande. Ganz spielerisch klimpert Ryan Gosling zwischendurch auf dem Klavier oder auf der Gitarre und hin und wieder singt jemand dazu. Doch es wird ziemlich schnell klar, dass es nicht um das professionelle Musikbusiness als solches geht. Die hier gezeigten Charaktere sind eher nebenbei musikalisch. Es geht nicht ernsthaft um den Werdegang von Faye als Musikerin, der Film schreibt keine weitere Metapher über den steinigen Weg zum Ruhm und seine Schattenseiten.
 
Über all den Drogenexzessen, den Bildern der tanzenden Festivalbesucher und selbst über den sexuellen Handlungen liegt immer ein dokumentarischer Schleier, eine gewisse Distanz zum Dargestellten. Durch den offensiven Einsatz verschiedener Kameratechniken, verwackelte Bilder mit Handkamera, lange elegische Fahrten, Unterwasserbilder und viele assoziative Schnitte entsteht ein gewisses Eigenleben der Kamera, dass an Vertov und seine Ideologie des Kinoglaz erinnert.
 
Diese Collage aus Bildern hat Malick schon bei seinem Erstlingswerk ausgezeichnet. Bei The Tree of Life hat die Kamera behutsam erkundet wie einzelne Mitglieder einer Familie mit dem Tod eines Kindes umgehen und welche Möglichkeiten es gibt, diese Trauer emotional umzusetzen. Damals wurde die formale Umsetzung des Stoffes gerade von der Kritik hochgelobt und durch die Besetzung von Brad Pitt in der Hauptrolle erreichte der Film auch eine breitere Öffentlichkeit. Es bleibt abzuwarten ob dieses Momentum aus bekannten Darstellern auch beim jetzigen Werk ausreicht um die Menschen in die Kinos zu locken, denn auch diese Geschichte ist keine leichte Kost.
 
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Wie viel kann ein Spielfilm wirklich dokumentieren
 
Während bei seinem ersten Werk zumindest noch die Prämisse sehr greifbar und konkret erschien, entfernt sich Malick hier noch weiter von einer kausalen Handlung und lässt selbst rudimentäre Motive seiner Figuren außen vor. Man hat ein bisschen das Gefühl eine Dokumentation zu schauen, die nicht weiß was sie eigentlich dokumentieren will. Es wäre in diesem Fall wohl der spannendere Ansatz gewesen, wirklich dokumentarisch die zeitgenössische Musikszene in Austin einzufangen, inklusive Interviews echter Musiker und Festivalbesucher.
 
Sich von der fiktionalen Seite an dieses Thema heranzuschleichen wird irgendwie keinem so richtig gerecht. Zudem ist die Problematik sehr spezifisch und weit ab von der Lebensrealität der meisten Menschen. Wo der Tod eines Kindes durchaus als universelles Thema jedem zugänglich ist, wirken die pseudo-existentiellen Probleme moderner Hipster und Musiker auf Selbstfindung für einen Außenstehenden oft banal. Ob man sich dazu wirklich einen Film anschauen will muss jeder selbst entscheiden.

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Fazit
 
Wer gerne bekannten Hollywoodstars beim Petting zuschaut, wird voll auf seine Kosten kommen. Liebhaber von Vertov bekommen immerhin eine zeitgemäße Neuauflage russischer Seelenzustände serviert und alle anderen werden sich nur fragen: Dafür habe ich jetzt wirklich Geld gezahlt?
 
 
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