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***Flatliners***

 
fliners kritik
 
Autor: Christopher Diekhaus
Dass „Flatliners“ in den USA der Presse vor dem Kinostart Ende September nicht gezeigt wurde, um schlechte Rezensionen zu verhindern, ließ bereits Schlimmeres befürchten.
 
Hierzulande durften Journalisten das von Niels Arden Oplev („Dead Man Down“, „Verblendung“) inszenierte Remake des gleichnamigen Joel-Schumacher-Thrillers zwar vorab sichten. Der nah am Veröffentlichungsdatum liegende Screening-Termin offenbarte aber ebenfalls die Angst des hiesigen Verleihs vor negativen Kritiken, die das Publikum von einem Kinobesuch abhalten könnten.
 
Auch wenn sich der im Medizinumfeld spielende Mystery-Streifen vielleicht nicht als absolute Vollkatastrophe erweist, wundert man sich, was genau diese Auffrischung eines alten Stoffes bringen soll. Spannende neue Einfälle und Perspektiven sucht man jedenfalls vergeblich.
 
Dem Jenseits nahe
 
Was erleben Menschen, wenn sie die Schwelle zum Tod erreichen? Diese seit jeher faszinierende, immer wieder diskutierte Frage diente Joel Schumacher 1990 als Ausgangspunkt für einen aus heutiger Sicht prominent besetzten Reißer, in dem sich unter anderem Julia Roberts, Kiefer Sutherland und Kevin Bacon die Klinke in die Hand gaben. Statt einer visionären, stilprägenden Arbeit wartete auf das Publikum ein routiniert abgespultes, alles in allem mittelprächtiges Thriller-Werk, das sich nur oberflächlich für die ethischen Aspekte seiner Handlung interessierte.
 
 
Ähnliches gilt auch für Oplevs Neuauflage, in der abermals fünf Medizinstudenten den Grenzbereich zwischen Leben und Tod erforschen. Treibende Kraft ist hier die wissbegierige Courtney (Ellen Page), die die Vorgänge im Gehirn an der Schwelle zum Jenseits nachvollziehen will. Aus diesem Grund führt sie mutwillig den Stillstand ihres Herzens herbei und bittet ihre Kommilitonen Jamie (James Norton) und Sophia (Kiersey Clemons), sie nach 60 Sekunden wiederzubeleben. Da es den beiden überrumpelten Kollegen nicht gelingt, ihre Freundin, wie geplant, zurückzuholen, eilt ihnen Vorzeigestudent Ray (Diego Luna) zu Hilfe, dem die angehende Ärztin Marlo (Nina Dobrev) in den Keller des Krankenhauses folgt. Nach der glimpflich verlaufenen Nahtoderfahrung erkennt Courtney, dass ihr Gedächtnis deutlich leistungsstärker ist als früher, was ihre Mitstreiter dazu verleitet, ebenfalls eine kurze Reise in jenseitige Gefilde anzutreten. Nach und nach werden die jungen Mediziner allerdings von furchteinflößenden Visionen heimgesucht, die mit ihrer Vergangenheit in Verbindung stehen.
 
Formelhafte Horrorshow
 
Hin und wieder ändert Drehbuchautor Ben Ripley („Source Code“) die von Peter Filardi erdachte Ursprungserzählung ab, setzt dabei aber keine wirklich eindrücklichen Akzente. Das fragwürdige Handeln der Protagonisten, die Verlockung, einmal Gott zu spielen, und das rauschhafte Empfinden nach den Abstechern zur Todesschwelle werden thematisiert, allerdings, genau wie bei Schumacher, nicht ernsthaft vertieft. Die kritischen Bemerkungen, die Ray als Stimme der Vernunft fallen lassen darf, wirken zu alibimäßig, um eine echte Diskussion zu starten, und verlieren auch deshalb an Ausdruckskraft, weil der Überflieger in manchen Szenen seine ablehnende Haltung urplötzlich revidiert.
 
03 ©2017 Sony Pictures04 ©2017 Sony Pictures05 ©2017 Sony Pictures01 ©2017 Sony Pictures
 
Im Anschluss an den ersten großen Versuchsdurchlauf entwickelt sich der Film mehr und mehr zu einer Geisterstunde, die mit ihren formelhaften Schocks und ihren schematischen Gefühlsmomenten keine großen Highlights setzen kann. Unglücklicherweise klammern sich Oplev und Ripley an die recht schlichten moralischen Überlegungen des Originals und verpassen ihren Figuren halbherzige Backstorys, die das Geschehen mit Leben füllen sollen. Vieles wird allerdings derart plakativ und klischeehaft vorgetragen, dass es den Zuschauer emotional nicht packen kann. Überhaupt fällt es schwer, Interesse für das Schicksal der größtenteils versnobten, eher unsympathischen Jungmediziner aufzubringen, wobei die Gruppe immerhin ethnisch und geschlechtlich ausgewogener daherkommt als noch im Ursprungswerk, in dem sich die von Julia Roberts gespielte Rachel die Bühne mit vier weißen Männern teilen musste.
 
Visuell durchwachsen
 
Angesichts der erzählerisch eher mauen Vorstellung wäre es umso wichtiger gewesen, das Publikum auf einen optisch mitreißenden Trip zu entführen. Tatsächlich illustriert der dänische Regisseur die für visuelle Experimente geradezu prädestinierten Nahtoderlebnisse aber meistens auf konventionelle, wenig spektakuläre Weise. Eine fliegende Kamera und gleißende Lichter gehören bei der Darstellung einer Zwischenwelt zum Standardrepertoire und lösen daher keine großen Begeisterungsstürme aus. Unverständlich ist der fehlende Innovationsmut nicht zuletzt aufgrund der Tatsache, dass sich die technischen Möglichkeiten seit 1990 noch einmal stark verbessert haben.
 
Fazit
 
Als weitestgehend lauer, uninspirierter Aufguss verdient sich „Flatliners“ einen Platz in der Rubrik „Remakes, die die Welt nicht braucht“.
 
 
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