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*** Body Cam: Unsichtbares Grauen ***


 

ouatih kritik

Autor: Christopher Diekhaus
 
Soziale Relevanz und blutiger Geisterhorror: In Malik Vitthals zweitem Spielfilm prallen Gegensätze aufeinander – verbinden sich aber leider nicht zu einem packenden Filmerlebnis.
 
Thematisch hochaktuell
 
Polizeigewalt gegen Afroamerikaner sorgte in den USA in der Vergangenheit zwar wiederholt für Diskussionen und Aufstände. Eine ungeahnte, weltweite Proteste auslösende Wucht entwickelte die Debatte um systemischen Rassismus aber vor allem durch den grausamen Tod George Floyds bei einer Verhaftung Ende Mai 2020.
 
Nur etwas mehr als zwei Monate später kommt nun der bereits 2018 gedrehte Horrorthriller „Body Cam – Unsichtbares Grauen“ in die deutschen Kinos, der polizeilichen Übergriffen einen zentralen Platz einräumt. Malik Vitthals zweite abendfüllende Regiearbeit nach dem Drama „Imperial Dreams“ bekommt durch die Bezüge zum aktuellen Weltgeschehen eine beunruhigende Note, entpuppt sich allerdings als enttäuschend eintöniger Möchtegernschocker, in dem die für ihre Rolle in „Mudbound“ oscarnominierte R&B-Sängerin Mary J. Blige auf verlorenem Posten steht.
 
 
Zu sehen ist sie hier als Polizeibeamtin Renee, die mit einem familiären Schicksalsschlag ringt und aus einer Suspendierung in den aktiven Dienst zurückkehrt. Auf Streife geht sie mit dem unerfahrenen Danny (Nat Wolff) und schlittert sogleich in einen höchst blutigen und rätselhaften Fall hinein. Hinter der brutalen Ermordung eines Kollegen scheint, so erkennt Renee sehr früh, eine übernatürliche Macht zu stecken. Beweisen kann die Gesetzeshüterin ihre Befürchtungen jedoch nicht. Während sie weitere Nachforschungen anstellt und den Spuren einer rachsüchtigen Präsenz folgt, tauchen neue übel zugerichtete Tote auf.
 
Atmosphärisch fade
 
Die Idee, Polizeithriller, Horror und ein explosives Thema zu verbinden, ist eigentlich nicht schlecht. Vitthal und seine Drehbuchautoren Richmond Riedel und Nicholas McCarthy setzen dem Publikum aber eine eher flache Geisterstory ohne große Spannungsmomente vor. Die Hintergründe der seltsamen Mordserie sind sicher tragisch.
 
Emotionale Kraft können die Macher daraus aber nicht ziehen, weil sie die Versatzstücke ihrer Geschichte und ihrer Figurenprofile alles andere als elegant zusammenführen. Deutlich wird dies besonders am Beispiel Renees, die durch die Ermittlungen die Möglichkeit erhält, ihr eigenes Trauma zu überwinden. Ihre innere Reise gehorcht allerdings dem Prinzip „Malen nach Zahlen“ und bleibt viel zu sehr an der Oberfläche, um den Zuschauer ernsthaft mitfühlen zu lassen. Noch gröber als die Zeichnung der Protagonistin fällt die Charakterisierung ihres jungen Polizeipartners Danny aus. Dessen Dilemma handelt der Film einfach im Vorbeigehen ab, obwohl es durchaus mehr als einen kurzen Blick wert gewesen wäre.
 
01 ©2020 Paramount Pictures02 ©2020 Paramount Pictures03 ©2020 Paramount Pictures04 ©2020 Paramount Pictures
 
Ermüdend ist nicht nur der Handlungsverlauf. Für gesteigertes Desinteresse sorgt auch die Art und Weise, wie der Regisseur Renees Recherchen einfängt. Immer mal greift er auf Schockeffekte aus dem Standardwerkzeugkasten zurück, deren Wirkung allenfalls von kurzer Dauer ist. Und erstaunlich oft lässt Vitthal seine Hauptfigur schier endlos durch dunkle Häuser stapfen, beweist damit jedoch vor allem eins: Finstere Schauplätze allein sind keine Garantien für echte Gänsehautmomente. Schummrige Szenen verbreiten nur dann handfestes Unbehagen, wenn man sie atmosphärisch auszuschmücken weiß. Für seine Schreckensmär findet „Body Cam – Unsichtbares Grauen“ viel zu selten wirklich stimmungsvolle Bilder.
 
Der Titel, der auf die Kameras Bezug nimmt, die von Polizisten am Körper getragen werden, könnte auf einen konsequenten Found-Footage-Stil hindeuten. Tatsächlich ist der Horrorstreifen aber die meiste Zeit in traditioneller Manier gefilmt. Subjektives Dauergewackel braucht man folglich nicht zu fürchten. Hier und da hätte Vitthal die eingestreuten Body-Cam-Perspektiven aber planvoller einsetzen müssen, um sein Werk optisch gewinnbringend aufzuwerten.
 
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Fazit
 
Eine solide Ausgangsidee, die durch das Tagesgeschehen zusätzliche Brisanz bekommt, wird schon weit vor dem lieblos heruntergespulten Finale an die Wand gefahren. Zum Schaudern ist hier nur die schon im Mittelteil immer stärker um sich greifende Langeweile.
 
 
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