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*** Letztendlich sind wir dem Universum egal ***


 
lswdue kritik
 
Autor: Walter Hummer
         
Noch ein Film nach einem erfolgreichen Jugendbuch? Und dann noch mit einem sperrigen Titel der an einen anderen Film nach einem erfolgreichen Jugendbuch erinnern soll? Bitte nicht! ABER so wie man ein Buch niemals nach seinem Einband beurteilen darf, sollte man einen Film nicht nach seinem dämlichen Titel beurteilen.
 
This is the day, when things fall into place
 
Rhiannon (Angourie Rice), kurz Rhi genannt, ist 16 Jahre alt und hat es nicht leicht. Die Ehe ihrer Eltern funktioniert nicht mehr. Ihre Schwester hält einfach nie die Klappe. Und ihr Freund ist zwar ein gutaussehender Sportler, aber auch ein Armleuchter. Eines Tages verhält Justin sich aber auf einmal ganz anders als sonst. Plötzlich ist er sensibel und kann zuhören. Rhiannon und er schwänzen die Schule und verbringen einen perfekten Tag zusammen.
 
Aber am nächsten Tag ist Justin wieder der gleiche oberflächliche Depp wie vorher. Eigenartigerweise zeigt die neue Mitschülerin Amy plötzlich eine Vertrautheit mit Rhi, die für die junge Frau sehr verwirrend ist. Nochmal einen Tag später lernt sie auf einer Party Nathan kennen. Auch zu ihm fühlt sie sofort eine starke Verbindung. Doch dann läuft Nathan davon und verabredet sich mit ihr am nächsten Tag per SMS. Aber statt Nathan wartet eine unbekannte junge Frau auf sie. Diese erzählt Rhiannon eine fantastische Geschichte. „A“, wie er/sie sich selbst nennt, ist eine Seele, die ihr ganzes Leben lang jeden Tag in einem anderen Körper aufwacht. Immer nur für die Dauer eines Tages lebt „A“ im Körper jeweils einer anderen Person. Niemals zwei Tage im gleichen Körper, hat „A“ sein ganzes Leben so verbracht. Bis „A“ sich in Rhiannon verliebt hat …
 
 
Liest man die Inhaltsangabe zu diesem Film, drängt sich einem die Frage auf: Hat man etwa aus den alten „bodyswitch“-Komödien aus den 80er-Jahren eine Teenie-Liebesgeschichte gebastelt? Sowas kann doch nicht funktionieren. Aber irgendwie funktioniert das doch. Und gar nicht mal schlecht.
 
You smile and think, how much you’ve changed
 
Auf der anderen Seite des Atlantiks wurde „Everyday“, wie der Film dort heißt, fast ausnahmslos mittelmäßig besprochen. Und auch nach der Pressevorführung hier klangen die Kommentare der anwesenden Kritiker nicht eben begeistert. Aber das liegt vielleicht daran, dass der durchschnittliche Filmkritiker dem Rentenalter schon deutlich näher steht als der eigenen Jugend. Wenn man aber nicht komplett vergessen hat, wie es war ein Teenager zu sein, muss einen die Grundidee des Films recht schnell ansprechen. „A“ wacht jeden Tag im Körper und im Leben eines Fremden auf. Gerade für junge Menschen ändert sich regelmäßig alles so schnell und so drastisch, dass sie immer wieder das Gefühl haben, fremd in der eigenen Familie, im eigenen Körper oder im eigenen Leben zu sein.
 
Auch wenn Rhiannon verwirrt auf die verschiedenen Körper von „A“ reagiert, kann man das nachvollziehen. Wie oft erkennen junge Menschen, dass sie sich in jemanden verliebt haben, der ganz anders aussieht als sie sich das immer vorgestellt haben? Und es soll auch gelegentlich vorkommen, dass Teenager Gefühle für Menschen entwickeln, die vielleicht das gleiche Geschlecht wie sie selbst haben. Wer sich noch daran erinnert, wie es war jung und verwirrt zu sein, wird diesen Film vielleicht eher zu schätzen wissen.
 
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„Letztendlich sind wir dem Universum egal“ ist sicher kein Meisterwerk. Dazu stellt sich vor allem Regisseur Michael Sucsy („Für immer Liebe“) viel zu ungeschickt an. Diese originelle Geschichte so unoriginell zu inszenieren, grenzt an Fahrlässigkeit. Sehen wir uns nur mal an, welchen Einstieg in die Story Sucsy wählt. Man hätte den Beginn der Geschichte – spannender - aus Rhiannons Sicht zeigen können oder – eher langweilig – aus der Sicht von „A“. Sucsy stellt sich dieser Frage gar nicht, sondern erzählt die Geschichte tatsächlich aus der Sicht beider Protagonisten. Wir sollen also Rhiannons Verwirrung nachfühlen, nachdem man uns davor minutiös in mehreren Szenen gezeigt hat, wie „A“ in Justins Körper aufgewacht ist und sich dort zurechtfinden musste? Sorry, aber das funktioniert nicht. „A“ wacht im Laufe des Films im Körper von ungefähr 15 verschiedenen Personen auf. Und in ungefähr der Hälfte aller Fälle wiederholt der Regisseur seinen Fehler, uns „A“ im neuen Körper zu zeigen, bevor Rhiannon ihn erkennen kann. Das ist Dramaturgie für Filmfans mit ganz geringer Aufmerksamkeitsspanne.
 
Neben der originellen Grundidee und der Behandlung von Fragen, die sonst in Teenagerliebesgeschichten eher unerwähnt bleiben, ist die Besetzung eine der Stärken des Films. Angourie Rice hat bereits in Shane Blacks „The Nice Guys“ und Sofia Coppolas „Die Verführten“ gezeigt, was sie kann. Hier können wir uns, trotz der plumpen Inszenierung, hauptsächlich wegen ihrer Darstellung auf die fantastische Geschichte einlassen.
 
„A“ wird, so will es die Geschichte, von gut fünfzehn verschiedenen jungen Schauspielern verkörpert. Und fast alle machen ihren Job sehr gut. Justice Smith spielt ebenso überzeugend den sensiblen „A“ wie den egozentrischen Justin. Eine besondere Erwähnung verdient ein junger Mann namens Lucas Jade Zumann der erst den geistreichen „A“ spielt und dann einen offensichtlich sehr religiösen jungen Mann darstellt, der „A“ für den Satan persönlich hält, der von ihm für einen Tag Besitz ergriffen hat.
 
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Die großartige Maria Bello („Coyote Ugly“) und Michael Cram wären als Rhiannons Eltern interessant genug für einen eigenen Film. Leider bekommen sie nicht einmal eigene Szenen und so vergibt Regisseur Sucsy auch hier eine Chance.
 
Fazit
 
Wer sich von dem saudummen deutschen Titel nicht abschrecken lässt, bekommt hier eine der originellsten Liebesgeschichten des Jahres zu sehen.
 
 
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