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*** No Way Out - Gegen die Flammen ***


 
nwo kritik
 
Autor: Christopher Diekhaus
         
Wo Hollywood sonst auf triefendes Pathos und patriotisches Gehabe setzt, geht Joseph Kosinski („Oblivion“) erfreulich zurückhaltend und differenziert zu Werke: „No Way Out – Gegen die Flammen“ beschreibt die Arbeit einer Feuerwehrspezialeinheit und schildert eine reale Katastrophe, die sich im Sommer 2013 nach dem Ausbruch eines Brandes am Yarnell Hill in Arizona ereignete.
 
Alles für den Hotshot-Status
 
Der erfahrene Feuerwehrmann Eric Marsh (Josh Brolin) hat ein großes berufliches Ziel vor Augen und vernachlässig darüber die Kommunikation mit seiner Ehefrau Amanda (Jennifer Connelly), die sich immer sehnlicher ein Kind wünscht. All seine Energie steckt der Haudegen in die Anerkennung seiner Mannschaft als sogenannte Hotshot-Crew, ein Eliteteam, das an vorderster Front Wald- und Flurbrände bekämpfen darf. Unterstützung für sein Vorhaben erhält Marsh vom örtlichen Feuerwehrchef Duane Steinbrink, den Jeff Bridges mit der ihm eigenen kernigen Lässigkeit verkörpert.
 
Das schweißtreibende Training bringt die Mitglieder der Truppe regelmäßig an ihre Grenzen und setzt besonders dem Ex-Junkie Brendan McDonough (Miles Teller) zu, den Marsh aufgenommen hat, damit er sein Leben wieder in den Griff kriegen kann. Als die Crew tatsächlich den offiziellen Hotshot-Status erhält, ist die Freude riesengroß. Eines Tages rücken die frisch gebackenen Spezialkräfte allerdings zu einem Einsatz am Yarnell Hill in Arizona aus, der urplötzlich dramatische Dimensionen erreicht.
 
 
Hält man sich vor Augen, wie Kosinskis Kollege Peter Berg im Ölbohrdrama „Deepwater Horizon“ ein reales Unglück inszenierte, fallen rasch die Unterschiede auf. Während der mit Mark Wahlberg besetzte Katastrophenstreifen ein ohrenbetäubendes Effektfeuerwerk abrannte, schlägt „No Way Out – Gegen die Flammen“ gemäßigtere Töne an.
 
Auch hier gibt es Actionpassagen zu bestaunen. Jenseits der spannungsgeladenen Feuerbrunstmomente nimmt sich der Film aber ausführlich Zeit für seine realen Protagonisten, ihre Hintergründe und ihre Sorgen. Angenehm unaufdringlich verhandelt das auf einem GQ-Artikel basierende Drehbuch aus der Feder von Ken Nolan und Eric Warren Singer die Meinungsverschiedenheiten zwischen Marsh und seiner Gattin Amanda, die dank Jennifer Connellys sensibler Darstellung nicht wie eine belanglose Randfigur erscheint.
 
Überraschend nuanciert fällt auch der Blick auf den drogenabhängigen McDonough aus, der leicht zu einem wandelnden Klischee hätte verkommen können. Kleine, intime Augenblicke wie die Szene, in der der junge Vater zum ersten Mal allein auf sein Baby aufpassen muss, wirken jedoch ehrlich berührend und weiten das Charakterbild gewinnbringend aus.
 
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Starker Zusammenhalt
 
Dass der Zuschauer das Geschehen auf der Leinwand gebannt verfolgt, liegt nicht zuletzt am gelungenen Zusammenwirken des Ensembles. Mit ihren bodenständig-ungekünstelten Darbietungen erzeugen die Schauspieler ein testosterongeschwängertes, allerdings nie unangenehmes Gemeinschaftsgefühl und tragen so entscheidend dazu bei, dass man im nervenaufreibenden Finale bedingungslos mit den tapferen Feuerwehrmännern mitfiebert. Eine besondere Erwähnung verdient sich Josh Brolin, der als harter und gleichzeitig väterlicher Ausbilder einen starken, jederzeit glaubhaften Eindruck hinterlässt.
 
Obschon Kosinski hin und wieder ein zartes Heldenlied anstimmt, hebt sich „No Way Out – Gegen die Flammen“ letztlich spürbar ab von vielen anderen pathetisch aufgeladenen US-Produktionen, die eine Tragödie aus dem wahren Leben rekonstruieren. Beleg dafür ist auch das verhältnismäßig umfangreiche Interesse des Films für die kräftezehrende, lebensgefährliche Arbeit der im Zentrum stehenden Hotshot-Mannschaft. Wer aus den Nachrichten bloß Bilder von Löschflugzeugen kennt, die ihre Ladung über brennenden Waldgebieten abwerfen, kann sich hier mit den am Boden ergriffenen Maßnahmen – etwa dem Anlegen von Schneisen – vertraut machen. Tätigkeiten, die in unmittelbarer Nähe zur Flammenhölle stattfinden, was den Einsatz der Brandbekämpfer umso bemerkenswerter macht.
 
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Fazit
 
Aufwühlend, ohne übertrieben salbungsvolle Gesten zu bemühen, informativ und stark gespielt: Manch ein Hollywood-Regisseur sollte sich ein Beispiel an Joseph Kosinskis facettenreicher Katastrophenaufarbeitung nehmen.
 
 
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