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*** Nightlife ***


ouatih kritik

Autor: Walter Hummer
 
In Simon Verhoevens letztem Film, „Willkommen bei den Hartmanns“, waren unter anderem Palina Rojinski und Elyas M’Barek zu sehen. In seinem neuesten Film arbeitet Verhoeven diesmal mit Palina Rojinski und Elyas M’Barek. Leider zeigt er als Autor und Regisseur nicht in jeder Hinsicht so viel Mut und Einfallsreichtum …
 
„Lass uns fucking seriös werden!“
 
Üblicherweise beginne ich meine Rezensionen mit einem kurzen Überblick über den Inhalt des Films. Also bitteschön: Elyas M’Barek spielt eine Variation der Figur, die er in jedem seiner erfolgreichsten Filme gespielt hat. In diesem Film heißt die Figur Milo. Palina Rojinski ist die bekannteste der weiblichen Darstellerinnen dieses Films. Daher muss sich die von ihr gespielte Sunny in Milo verlieben. Frederick Lau spielt mit Milos Freund Renzo eine Figur, die er auch schon vier oder fünfmal so oder so ähnlich dargestellt hat. Und weil diese Figur immer Mist bauen muss, baut auch Renzo dauernd Mist. Das führt zu Verwicklungen mit Nerds und Drogendealern …
 
Autor und Regisseur Verhoeven ist Jahrgang 1972 und damit ungefähr im gleichen Alter wie der Verfasser dieser Zeilen. Meine Beschäftigung mit fast jeder Art von Film begann schon früh, im Knabenalter. Und ich vermute mal, bei dem Sohn von Senta Berger und Michael Verhoeven wird das ähnlich gewesen sein. Daher kennen wir wohl beide viele längst vergessene Filme der 80er-Jahre. Aber es gibt einen Unterschied zwischen uns beiden: Ich musste während ich „Nightlife“ gesehen habe immer wieder an John Landis‘ „Into the Night“ oder Martin Scorseses „After Hours“ denken. Verhoeven hat sicher schon an diese beiden Filme gedacht während er „Nightlife“ geschrieben hat.
 
 
Aber Verhovens Kenntnisse des Kinos seiner Jugendzeit sind damit nicht erschöpft. Milo und Renzo arbeiten als Barkeeper. Damit das dem Publikum gleich klar wird, beginnt der Film mit einer Sequenz, die erkennen lässt, hier hat jemand „Cocktail“ mit Tom Cruise auch nach mehr als 30 Jahren nicht vergessen. Mit dem tatsächlichen Alltag von Barkeeper hat das was wir hier sehen nichts zu tun. In diesem Film hat eine angesagte Bar schon Sperrstunde, während rundherum jedes Lokal noch lange danach geöffnet hat. Auch haben beide Barkeeper an einem Samstagabend frei. Berlin am Samstagabend, da ist halt einfach nix los, da gibt es für Barkeeper nix zu tun …
 
„Du bist zu romantisch“
 
Aber Verhoeven meint nicht nur, Barkeeper hätten am Samstagabend alle frei. Er meint auch, russische Gangster ließen mit sich über Zahlungsziele verhandeln. Und wenn man einen Geschäftskredit braucht, probiert man es bloß bei einer einzigen Bank. Und starke selbstständige Frauen spielen daheim verträumt mit Glaskugeln in denen statt des Eifelturms oder eines Rentierschlittens ein kleines verliebtes Paar zu sehen ist. Das ist nämlich romantisch
 
Am allerromantischsten ist aber wie Sunny und Milo zusammenfinden. Sunny bestellt bei Milo ein Getränk, es entwickelt sich ein kurzes Gespräch. Am nächsten Tag steckt Renzo seinem Freund aus Freundschaft seine Zunge ins Auge, worauf Milo eine schwarze Augenklappe tragen muss. Ja, ich habe „Zunge ins Auge“ geschrieben. Moment, ich bin noch nicht fertig. Sunny bekommt von einem widerlichen Youtuber den Schirm eines Drinks ins Auge gesteckt und muss danach noch am gleichen Abend eine – na, wer errät es? – schwarze Augenklappe tragen. Darauf treffen einander Sunny und Milo am Currywurststand und wenn so ein Wiedersehen mit zwei schwarzen Augenklappen nicht originell, witzig und romantisch ist, dann weiß ich auch nicht mehr.
 
01 ©2020 Warner Bros Pictures02 ©2020 Warner Bros Pictures03 ©2020 Warner Bros Pictures04 ©2020 Warner Bros Pictures
 
„Sei fucking professionell“
 
Dabei lässt der Film zwischen all den Filmklischees und an den Haaren herbeigezogenen Entwicklungen immer wieder erkennen, wie viel Talent sämtliche Beteiligten hätten. Die weibliche Hauptfigur ist in manchen Szenen erfrischend originell geschrieben. Das Tarnunternehmen der russischen Gangster ist herzallerliebst. Aber so richtig traut sich Autor Verhoeven dann doch nicht die ausgetretenen Pfade der deutschen Romantikkomödie zu verlassen.
 
Und auch der Regisseur Verhoeven hätte mehr drauf. Eine kurz, aber interessant gestaltete Verfolgungsjagd durch einen Berliner Club lässt den Filmfan aufmerken, bevor die Jagd ein viel zu schnelles, viel zu einfaches und viel zu romantisches Ende findet. Alle Verwicklungen dieses Films lösen sich immer viel zu schnell und viel zu einfach auf. Die Freunde wissen nicht weiter, also klauen sie das Auto eines Drecksacks. Als sie von der Polizei aufgehalten werden, kennt Milo die Polizistin im biblischen Sinne und so dürfen die drei gleich weiterfahren.
 
Die Auflösung eines Drogendiebstahls und damit die Lösung der finanziellen Probleme, fällt so lächerlich aus, man möchte laut aufschreien. Die Lösung für das Problem von Sunnys Vater ist so offensichtlich gleichzeitig die Lösung für ein anderes Problem von Milo und Renzo, man fragt sich, warum die Protagonisten erst eine Stunde nach uns draufkommen. Und so wird das Happy End so über alle Maßen happy, dass eine längere Abwesenheit einer Hauptfigur irgendwie fast untergeht.
 
„Ich weiß, das klingt jetzt mega-cheesy“
 
Aber wozu schreibe ich hier über Handlung, Regie, Spannung und die Auflösung der Konflikte der Protagonisten? In diesem Film spielt Elyas M’Barek wieder mal eine Elyas M’Barek-Rolle. Für einen großen Teil des Kinopublikums ist das schon genug. Dementsprechend wenig Mühe lässt M’Barek bei der Gestaltung seiner Rolle erkennen.
 
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Palina Rojinski ist wiederum viel zu gut für ihre Rolle in diesem Film. In den wenigen Szenen, in denen sie kein Klischee spielen muss, ist das ganz leicht zu erkennen.
 
Frederick Lau hat 2018 in „Der Spielmacher“ einen Proleten gespielt, der viel Mist baut. Im gleichen Jahr hat er in „Wuff“ einen Proleten gespielt, der viel Mist baut. Letztes Jahr war er in „Das perfekte Geheimnis“ der Prolet der viel Mist baut. Und nun beginnt er das Jahr 2020 in der Rolle des Proleten der viel Mist baut. Dabei wirkt er halbwegs sympathisch und sehr souverän. Kein Wunder, er hat ja auch genug Übung.
 
Nicholas Ofczarek ist ein extrem vielseitiger, wandelbarer Schauspieler. Er hat am Burgtheater Klassiker und Modernes gespielt. Er war mehrere Spielzeiten der „Jedermann“ in Salzburg. Und weil der Kammerschauspieler so vielfältig ist, spielt er hier eine Rolle die er in Fernsehserien wie „Braunschlag“ und „Böstereich“ bereits immer und immer wieder gespielt hat.
 
Als Schauspieler muss man bei Regisseur Verhoeven seine Komfortzone offensichtlich nie wirklich verlassen. Dazu passt auch der Gastauftritt eines „Bachelors“.
 
Fazit
 
Autor und Regisseur Simon Verhoeven zeigt Elyas M’Barek in einer Elyas M’Barek-Rolle und geht damit auf Nummer sicher. So weit so gut. Aber dieser Film hätte sehr viel besser werden können, wenn Verhoeven wenigstens ab und zu mal ein bisschen Mut gezeigt hätte.
 
 
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