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*** Feinde: Hostiles ***


 
hfeinde kritik
 
Autor: Christopher Diekhaus
         
In seinem mitreißend gefilmten Westerndrama beschreibt Regisseur Scott Cooper („Black Mass“) die verhärteten Fronten zwischen amerikanischen Ureinwohnern und weißen Kolonisatoren und macht sich, ausgehend von dieser Bestandsaufnahme, für eine Verständigung zwischen den Kulturen stark.
 
Mit dem Erzfeind auf Reisen
 
Nach einer langen, blutigen und erfolgreichen Karriere in Diensten der US-Armee blickt der hartgesottene Captain Joseph J. Blocker (Christian Bale) im Jahr 1892 seiner Pensionierung entgegen. Bevor er in den Ruhestand eintreten darf, wird er allerdings noch mit einem höchst brisanten Auftrag betraut, den der Soldat zunächst entrüstet ablehnt. Auf Anweisung von oberster Stelle soll er den verhassten, krebskranken Cheyenne-Häuptling Yellow Hawk (Wes Studi) und dessen Familie von New Mexico in ihr Heimatterritorium nach Montana begleiten, wo der alte Mann in Ruhe sterben will. Da Blocker bei Missachtung des Befehls der Verlust seiner Rente droht, willigt er zähneknirschend ein und bricht nur wenig später mit einem kleinen Trupp zu der keineswegs ungefährlichen Reise auf. Unterwegs schließt sich dem Gefolge die traumatisierte Rosalee Quaid (Rosamund Pike) an, die gerade erst ihren Mann und ihre Kinder bei einem grausamen Komantschen-Überfall verloren hat.
 
 
Dass das Leben im amerikanischen Westen auch im ausgehenden 19. Jahrhundert kein Zuckerschlecken ist, unterstreicht „Feinde – Hostiles“ gleich zu Beginn. Mit aller Wucht und gänzlich unvermittelt bricht der Angriff über Quaid, ihre Liebsten und den Zuschauer herein, der dank Coopers fesselnder Inszenierung gleich auf Betriebstemperatur kommt. Im Anschluss an diesen verstörenden Auftakt lernen wir den beinharten Blocker kennen, der Ureinwohnern offenkundig wenig wohl gesonnen ist. Ohne mit der Wimper zu zucken, fängt er eine wehrlose Apachen-Familie ein und bringt sie unter brutaler Züchtigung zurück ins Fort Berringer.
 
Unverkennbar handelt es sich bei dem hochdekorierten Soldaten nicht um einen moralisch tadellosen Helden, sondern um einen von Hass und Gewalt zerfressenen Mann. Etwas erzwungen erscheint es daher, dass ausgerechnet ihm die Aufgabe zufällt, seinen Intimfeind Yellow Hawk, der zahlreiche Kameraden Blockers auf dem Gewissen hat, in die Freiheit zu führen. Coopers Drehbuch, das auf einem unveröffentlichten Manuskript von Donald E. Stewart basiert, nutzt die leicht konstruiert wirkende Ausgangslage allerdings, um die durch jahrzehntelange Konflikte genährte Abneigung zwischen Natives und Weißen zu illustrieren und im nächsten Schritt eine langsame Annäherung zu skizzieren.
 
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Gute Absichten, aber etwas einseitig
 
Gerade vor dem Hintergrund des aggressiven Klimas in den USA, das Donald Trump durch rassistische und migrantenfeindliche Aussagen regelmäßig befeuert, ist es überaus löblich, dass Coopers vierte Regiearbeit entgegen ihres recht grimmigen Titels nach und nach Verständnis zwischen den Kulturen zulässt. Trotz tiefsitzender Abneigung und erbitterter Auseinandersetzungen in der Vergangenheit ist eine Versöhnung nicht ausgeschlossen, wie im Verlauf des mühevollen Ritts durch ein abwechslungsreiches Terrain deutlich wird. Noch dazu klagt der Film mehr als einmal explizit die Verbrechen der Kolonisatoren an den Ureinwohnern an, was selbst heutzutage im Western-Genre längst nicht selbstverständlich ist. Oftmals stellt „Feinde – Hostiles“ seine Kritik allerdings etwas thesenhaft in den Raum und versäumt es letztlich, seinen indigenen Protagonisten ähnlich viel Raum zu gewähren wie Captain Blocker. Über das Innenleben Yellow Hawks und seiner Gefolgsleute, die immerhin ihre eigene Sprache behalten dürfen, erfährt man leider herzlich wenig.
 
Oberflächlich eingebunden werden außerdem die Frauenfiguren, wobei es den beiden Natives Elk Woman (Q’orianka Kilcher) und Living Woman (Tanaya Beatty) noch schlechter ergeht als der Siedlerin Rosalee Quaid, die jedoch ebenfalls die meiste Zeit in einer klischierten Opferrolle gefangen bleibt und sich zunehmend über den zupackenden Beschützer Blocker definiert. Ein Umstand, der den anfangs raubeinig und unnachgiebig auftretenden Soldaten immer menschlicher macht. Während die Figurenzeichnung einige Wünsche offen lässt und die Handlungsschritte manchmal etwas forciert erscheinen, glänzt das Westerndrama mit eindrucksvollen Landschaftsaufnahmen und einer dichten Atmosphäre in Spannungsmomenten. Ähnlich intensiv wie der nervenzehrende Einstieg gerät beispielsweise das Finale, in dem Cooper die zerstörerische Seite der in den USA so hochgehaltenen Selbstbestimmung nachdrücklich ins Bild setzt.
 
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Fazit
 
Der Western „Feinde – Hostiles“ ist souverän inszeniert, stark fotografiert und um eine differenzierte Darstellung bemüht, vernachlässigt aber dennoch die auftretenden Ureinwohner und unterhöhlt dadurch seine zweifellos ehrbare Botschaft.
 
 
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