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***Das kalte Herz***

 dkh kritik
 
Autor: Max Wrede
 
Na, habt ihr schon mal vom Holländer Michel gehört? Dem untoten Bösewicht, der es auf die Herzen der Menschen abgesehen hat? Wenn nicht, kein Problem. Denn Johannes Naber präsentiert uns jetzt die Neuauflage des gesellschaftskritischen Märchen-Klassikers von Wilhelm Hauff. Eng angelehnt an die Verfilmung aus den 50iger Jahren, mit deutscher Starbesetzung und nach wie vor hoher gesellschaftlicher Relevanz.
 
In den Hauptrollen dürfen wir uns diesmal auf Moritz Bleibtreu als Holländer Michel, Milan Peschel als Waldgeist und Frederick Lau als Peter Munk freuen.
 
Letzterer ist allerdings erstmal vom Pech verfolgt. Denn als Köhler ist er von Armut geplagt und genießt auch nicht gerade hohes gesellschaftliches Ansehen. Außerdem verliebt er sich ausgerechnet in die hübsche Lisbeth (Henriette Confurius), die Tochter eines wohlhabenden Glasmachers. Und erwartungsgemäß passt das dem allerdings überhaupt nicht, weshalb er keine Gelegenheit auslässt, Peter mit teilweise unlauteren Mitteln von seiner Tochter fern zu halten.
 
Als Peters Vater eines Tages Tod aufgefunden wird und sein Gehöft durch Fremdverschulden auch noch in Flammen steht, sucht er Hilfe bei den Waldgeistern. Dort werden ihm schließlich drei Wünsche gewährt, die er allerdings nicht sonderlich klug einsetzt. Diese wären ein guter Tänzer sein, um der Angebeteten zu imponieren, die beste Glashütte der Gegend zu besitzen und immer so viel Geld beim Spielen wie sein Gegenüber zu besitzen.
 
Und letzter wird ihm dann auch zum Verhängnis, als er beim Spielen gewinnt und deshalb seine Zeche nicht bezahlen kann. Denn wenn sein Spielpartner nichts hat, hat er auch nichts. Außerdem verlangt der Glasmacher für die Hochzeit mit seiner Tochter 500 Gulden. Um seine Geldprobleme wieder in den Griff zu bekommen, wendet er sich daraufhin an den Holländer Michel.
 
Und der schlägt ihm ein lukratives Geschäft vor: Sein Herz gegen ein Herz aus Stein, dass ihn zu unendlichen Reichtümern führen soll. Peter willigt ein und schafft es tatsächlich zum wohlhabenden, aber herzloser Geschäftsmann. Doch ob er jetzt auch wirklich glücklich werden wird?
 
 
Packend, dicht am Original, aber unspektakuläre Spezialeffekte…
 
Nach Paul Verhoeven hat sich also Johannes Naber an der gesellschaftskritischen Märchenvorlage versucht. Und überrascht uns auch streckenweise mit einem atmosphärisch dichten und packenden Drama.
 
Sehen lassen kann sich aber auch die hochkarätige und perfekte Besetzung, deren schauspielerische Leistung keine Wünsche offenlassen. Dabei ließen uns vor allem Frederick Lau als Peter Munk und Moritz Bleibtreu als Holländer Michel schnell vergessen, dass es sich um einen deutschen Fantasyfilm handelt.
 
Doch nicht immer. Denn es gibt auch einige Wehrmutstropfen. Das wären zum einen die Spezialeffekte, an denen wirklich gespart wurde und zum anderen die Länge. Denn der Film ist mit fast 120 Minuten eindeutig zu lang geraten. Während nämlich die ersten 60 Minuten packend und atmosphärisch dicht beginnen, breitet sich im Mittelteil eher Langatmigkeit aus.
 
Erst gegen Ende wird dies wieder wettgemacht. Aber jetzt zum Thema Spezialeffekte. Entweder man verzichtet komplett darauf, was bei einer Märchenvorlage wohl eher schwierig ist, oder man nimmt Geld in die Hand und geht die Sache vernünftig an. Bei „Das kalte Herz“ hat man sich leider für eine Mischung aus Beidem entschieden. So hat man mal wieder versucht mit wenig Budget großes zu zaubern, ist daran aber streckenweise gescheitert.
 
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So erwarten uns beispielsweise Waldgeister, die mal als Irrlichter und mal als Eingeborenenstamm in Erscheinung treten. Oder ein Hund, der plötzlich in Übergröße in Erscheinung tritt und mehr als ein Wesen einer frühen Sindbad – Verfilmung in bester Stop-Motion-Tradition erinnert.
 
Die Waldgeister erinnern dabei auch eher an einen Kanibalenstamm aus Afrika als an die Bewohner eines deutschen Mischwaldes. Naja zumindest darf man sich bei diesen Szenen auf Milan Peschel freuen. Allerdings muss man schon genau hinsehen, um ihn unter der vielen Schminke zu erkennen. Das wurde bei der Originalverfilmung von Paul Verhoeven deutlich besser gelöst. Hier treten die Waldgeister nämlich als Zwerge in Erscheinung.
 
Und auch der Holländer Michel ist kein bärtiger Riese mit Glasauge mehr, sondern tritt diesmal als verwahrloste Gestalt im Bärenfell und mit falschen Zähnen in Erscheinung. Dem Original gerecht wird allerdings wieder die musikalische Untermalung. Denn diese ähnelt der filmischen Urversion bis ins kleinste Detail.
 
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Fazit
 
Mit „Das kalte Herz“ ist Johannes Naber aber in jedem Fall trotzdem eine sehenswerte Neuauflage des bekannten Märchenklassikers gelungen. Denn vor allem wegen seiner gesellschaftskritischen Aspekte sollte man sich den Film nicht entgehen lassen. Und sich die abschließenden Worte des Waldgeistes zu Herzen nehmen: „Ihr wolltet die Macht über die Welt, also macht was vernünftiges daraus“.
 
 
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