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***Hell or High Water***

hohw kritik
 
Autor: Peter Osteried
 
Die Stärke von „Hell or High Water“ ist nicht die Atmosphäre, die zweifelsohne vorhanden ist. Es sind die starken Charakterisierungen, die hier in den Bann ziehen. Denn die sind derart, dass eine leichte Einordnung nicht möglich ist. Es gibt nicht die Guten auf der einen und die Bösen auf der anderen Seite. Wie im echten Leben ist alles sehr viel differenzierter.
 
Gauner vs. Texas Rangers
 
Toby (Chris Pine) und Tanner (Ben Foster) sind zwei Brüder, die in kurzer Abfolge zwei Filialen einer Bank überfallen. Der eine ist ein geschiedener Vater, der andere kommt gerade nach sieben Jahren aus dem Gefängnis. Nun folgen sie einem einfachen, aber klar definierten Plan. Sie brauchen das Geld der Banken, um damit die Familien-Ranch retten zu können. Denn dort gibt es ein Öl-Vorkommen, das die Zukunft der Familie für alle Zeiten sichern wird. Doch das nötige Kleingeld fehlt.
 
Nach dem zweiten Überfall werden die Texas Rangers dazu gerufen. Markus (Jeff Bridges) steht kurz vor der Pensionierung. Drei Wochen bleiben ihm noch. Aber die möchte er nutzen, um einen letzten Fall zu klären. Und so heftet er sich zusammen mit seinem Partner an die Fersen der Brüder.
 
 
Wie ein Western
 
Dass der ehemalige Schauspieler Taylor Sheridan ein Faible für im Süden der USA spielende Geschichten hat, die von ambivalenten Figuren bevölkert sind, zeigte er schon mit dem grandiosen „Sicario“. Hier hat er nun eine Geschichte ersonnen, die klassisches Gefühl besitzt, aber im Konflikt der Gangster gegen die Texas Rangers mehr als nur ein paar knackige Actionszenen zu bieten hat.
 
Denn wie schon bei „Sicario“ konzentriert sich Sheridan auch bei „Hell or High Water“ darauf, vielschichtige Figuren zu gestalten. Auf der einen Seite sind die Brüder, die alles andere als Waisenknaben sind, aber ein Ziel vor Augen haben, das durchaus gut ist. Aber beide sind auch knallharte Verbrecher, denen schnell mal die Hutkrempe hochgeht. Auf der anderen Seite hat man den alt gewordenen Texas Ranger, der nicht mehr ganz auf der Höhe ist, aber noch einmal reüssieren will. Das macht ihn per se zur Heldenfigur in diesem Stück, allerdings ist es schwer, sich mit Bridges‘ Figur zu identifizieren, da er auch ein Rassist ist, wie sein Partner immer wieder feststellen muss.
 
Das ist die eigentliche Stärke des Films. Er schafft es, die Sympathie des Zuschauers auf die Figuren zu lenken, die man eigentlich verabscheuen sollte – und umgekehrt.
 
01 ©2016 Paramount Pictures02 ©2016 Paramount Pictures03 ©2016 Paramount Pictures04 ©2016 Paramount Pictures
 
Perfekter Cocktail
 
Der schottische Regisseur David Mackenzie hat „Hell or High Water“ wie einen Neo-Western inszeniert. Der Reiz ist dabei, den Mechanismen des Genres zu folgen, aber die Geschichte in der Moderne anzusiedeln. Er verlässt sich dabei nicht nur auf sein hervorragendes Ensemble, sondern nutzt auch die wunderschönen Landschaften von New Mexico, die hier für Texas herhalten müssen.
 
Dabei hat er nicht nur eine Art Western erschaffen, sondern auch eine Charakterstudie, die sich mit den Gaunern, aber auch den Gesetzesvertretern befasst und tief in deren Psyche vordringt. Das gibt sowohl Chris Pine als auch Ben Foster richtig gutes Material, über allem steht aber erneut Jeff Bridges, der im Original auch einen knackigen Akzent auffährt.
 
Abgeschmeckt wird das Ganze nicht nur durch die packende Kameraarbeit, sondern auch mit dem sehr passenden Score von Nick Cave und Warren Ellis. Heraus kommt ein staubiger, dreckiger, aber mitreißender Action-Thriller, der ein großes Publikum verdient hat.
 
05 ©2016 Paramount Pictures06 ©2016 Paramount Pictures03 ©2016 Paramount Pictures04 ©2016 Paramount Pictures
 
Fazit
 
„Hell or High Water“ ist ein packender Neo-Western, der nicht nur mit dramatischen Actionszenen aufwarten kann, sondern vielmehr durch die exakt gezeichneten Hauptfiguren zu begeistern weiß. Denn hier ist nichts einfach nur schwarz oder weiß, alles existiert nur in Schattierungen von Grau. Darum empfindet man auch Sympathie für die Figuren, die man eigentlich nicht mögen sollte.
 
Großartig ist darüber hinaus eine Szene, die zeigt, wie schwerbewaffnet die Zivilbevölkerung von Texas eigentlich ist …
 
 
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