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*** The Report ***


ouatih kritik

Autor: Walter Hummer
 
In Scott Z. Burns neuem Film werden zwei gleich zwei authentische Geschichten erzählt. Wenn wir sehen, wie eine fortschrittliche Demokratie zu Beginn des 21. Jahrhunderts systematisch Foltermethoden angewandt hat, ist das immer noch empörend. Noch empörender ist aber die zweite Geschichte dieses Films …
 
The Torture Report
 
Das sogenannte „Detention and Interogation Programm“ der CIA wurde gerade mal 6 Tage nach dem 11. September 2001 begründet. Sechs Jahre später soll Daniel J. Jones (Adam Driver) im Auftrag der US-Senatorin Dianne Feinstein (Annette Benning) untersuchen, ob im Laufe dieses Programms Gesetze gebrochen wurden. Obwohl die CIA mit einem juristischen Trick die Befragung ihrer Mitarbeiter verhindern kann, sichten Jones und seine Mitarbeiter im Verlauf der Untersuchung 6,3 Millionen Seiten an CIA-eigenen Dokumenten. Aus diesen Unterlagen tragen Sie Belege und Beweise für die jahrelangen systematischen Folterungen durch Mitarbeiter der CIA zusammen.
 
Scott Z. Burns hat mit „The Report“ seinen ersten Kinofilm inszeniert. Er hat bisher die Drehbücher zu so unterschiedlichen Filmen wie Steven Soderberghs „Contagion“ oder „Das Bourne Ultimatum“ verfasst. In „The Report“ macht er sowohl als Drehbuchautor als auch als Regisseur von Anfang fast alles richtig. Er gibt uns den jungen Ermittler als Identifikationsfigur. So lernen wir als Zuseher zusammen mit der Hauptfigur nicht nur wie es zu den systematischen Folterungen kommen konnte. Wir lernen auch wie sinnlos diese waren und warum.
 

 
In einer frühen Szene sehen wir die Befragung des Terror-Verdächtigen Abu Subaida durch einen FBI-Ermittler. Der im Libanon geborene Beamte spricht arabisch, stellt sich auf den Befragten ein und bekommt schnell Antworten auf seine Fragen. Nachdem die CIA den Gefangen von ihren „Experten“ befragen lässt, liefert dieser keinerlei Antworten mehr. Im Film sehen wir noch drei weitere konkrete, authentische Fälle von Verdächtigen, die mit CIA-Methoden befragt werden. Einer der Verdächtigten stirbt durch die Behandlung nachdem er gerade einmal seinen Namen bestätigt hatte. Weil uns Burns diese Schicksale ohne billige Effekthascherei zeigt, wirken sie umso nachhaltiger.
 
Die Power von Power-Point
 
Aber Burns zeigt uns nicht nur die Opfer der Folter sondern auch die Täter. Die „Experten“ James Mitchell und Bruce Jessen, zwei pensionierte Psychologen der Air Force, bekommen von der CIA schnell freie Hand bei der Durchführung ihres „Programms“ obwohl es jeder wissenschaftlichen Grundlage entbehrt. Die Szene in der die beiden ihre Methode mittels einer Power-Point-Präsentation vorführen, die (wie die meisten Power-Point-Präsentationen) praktisch keine Fakten, dafür viele Grafiken enthält, wirkt gerade wegen ihrer Banalität verstörender als manche Folterszene.
 
Neben den Tätern lernen auch die Drahtzieher und Entscheidungsträger, sowie die Helfer dieses Programms kennen. Der CIA-Direktor stellt direkt nach den Anschlägen des 11. September zunächst einmal fest, dass sein Budget nun praktisch unbegrenzt sei. Und so weiß man bei einem der mächtigsten Geheimdienste der Welt zwar nicht genau was man tun soll. Man weiß aber genau, dass es von keinem anderen getan werden darf, wenn man den eigenen Machtbereich weiter ausbauen will. Wir sehen wie es der CIA nie um den Schutz Unschuldiger oder die Aufklärung von Verbrechen ging, sondern immer nur um Politik.
 
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Kein rechtliches Problem
 
Nachdem der Film eine Stunde lang informativ und trotzdem spannend gezeigt hat, wie Jones seinen fast siebentausendseitenlangen Bericht zusammengestellt hat, sehen wir nun, was der junge Ermittler anstellen muss um wenigstens Teile seines Berichts veröffentlichen zu dürfen. Es ist diese zweite Hälfte, die aus einem bis dahin sehr guten Film etwas ganz Besonderes macht. Burns‘ Regie und sein Drehbuch zusammen mit den hervorragenden, realistischen Darstellungen schaffen hier ein ganz großes Drama.
 
Die große Überraschung ist, wie unparteiisch und deshalb realistisch der Film diese Geschichte erzählt. George W. Bush wird nicht als Satan dargestellt, Obama ist hier nicht der große Heilsbringer. Deutlich wird gezeigt wie politische Belange und Kompromisse immer und immer wieder die Wahrheitsfindung gefährden. Wir können die Frustration und Enttäuschung von Drivers Figur nachvollziehen, wenn eindeutig belegbare Fakten nichts zählen weil beide Seiten des politischen Spektrums ihre eigene Agenda verfolgen. Das wird besonders deutlich nachdem Osama Bin Laden in Obamas Auftrag von Navy Seals exekutiert wurde. Plötzlich zählt nur noch das Ergebnis.
 
Nicht zuletzt in den Szenen in den die CIA den Bericht über ihre eigenen Aktivitäten schwärzen darf, zeigt Adam Driver eine fantastische Darstellung. Wer diesen Schauspieler nur in seiner Rolle als labilen Emo-Enkel von Darth Vader kennt, kann nicht wissen wie subtil Driver arbeiten kann. Hier vermittelt er uns nachvollziehbar die Kraft und den gerechten Zorn eines aufrechten Mannes. Wenn er sich verraten fühlt, fühlen wir mit ihm. Wenn er empört ist, empören wir uns mit ihm. Driver trägt diesen schwierigen Film auf seinen Schultern und zeigt eine der besten Leistungen des Jahres.
 
Die Nebenrollen sind durch die Bank mit sehr guten, in einigen Fällen sogar hervorragenden Künstlern besetzt. In Dramen neigen Schauspieler ja gerne zu besonders dramatischen Darstellungen. In „The Report“ sehen wir die gesamte Besetzung angenehm zurückgenommen agieren, was wiederum zum großartigen Realismus des Films beiträgt. Annette Benning überzeugt als Senatorin, die zwischen ihrem Gewissen und dem politischen Tagesgeschäft schwankt. Großartige Charakterdarsteller wie Michael C. Hall, Jon Hamm, Corey Stoll, Maura Tierney und Ted Levine glänzen in kleinen aber wichtigen Rollen.
 
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Ein Gedanke zum Film …
 
Wir sind hier bei cinepreview.de keine politischen Journalisten. Wir schreiben über Filme. Aber Film ist immer noch eine der populärsten Kunstformen und damit auch ein Spiegel der Gesellschaft. Liam Neeson war bis zum Jahr 2008 ein halbwegs bekannter Charakterdarsteller, der gelegentlich in Blockbustern auftrat. Zu einem der größten Actionstars unserer Zeit wurde er erst nachdem eine von ihm verkörperte Figur einem jungen Mann vom Balkan zwei Nägel in die Beine gerammt und diese Nägel unter Strom gesetzt hat, um Informationen zum Aufenthaltsort seiner Tochter zu erhalten. Oscarpreisträger Denzel Washington verstümmelte zuletzt in „The Equalizer 2“ die Hand eines wehrlosen Mannes. Neeson und Washington stellten in beiden Filmen keine Schurken dar. Wir sollten sie als Helden wahrnehmen. Und der größte Teil des Publikums hat das wohl auch getan.
 
Man könnte noch etliche Fälle von bekannten Filmen aus den letzten Jahren aufzählen, in denen Folter völlig unkritisch als Mittel zum Zweck gezeigt wird. Erst vor kurzem habe ich in „Rambo: Last Blood“ einen Helden meiner Jugend gesehen, wie er eine junge Frau mit dem Tode bedroht und einen Gegner gefoltert hat, obwohl er so etwas in seinen früheren Filmen nie nötig hatte. Vielleicht wird es langsam Zeit, sich auch im Kino wieder mit Fakten statt mit gefühlten Wahrheiten zu beschäftigen, mit Menschlichkeit statt mit Ängsten. Dann müssen wir uns nicht wundern, wie viele Menschen in unserer Gesellschaft immer noch an das Recht des Stärkeren glauben.
 
Fazit
 
Ein in jeder Hinsicht hervorragend gemachter Film erzählt uns zwei wichtige Geschichten: Eine davon, dass Folter nicht funktioniert. Und die andere davon, dass politische Kompromisse nicht funktionieren, weil sie immer nur der falschen Seite aber nie der Wahrheit nützen. Die Wahrheit braucht keine Kompromisse.
 
 
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