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*** Mission Impossible: Fallout ***


 
mifo kritik
 
Autor: Walter Hummer
         
Nach einem zweiten Teil, bei dem der Regisseur es mit allem übertrieben hat, und einem dritten Teil, den nicht einmal Philip Seymour Hoffman retten konnte, hat die „Mission Impossible“-Reihe vor einigen Jahren mit Teil vier ihre eigene Form gefunden. Mit Teil sechs etabliert die Serie endgültig ihr eigenes Sub-Genre.
 
Apostel, Plutonium und irgendwas mit 72 Stunden …
 
Es ist unmöglich die Handlung von „Mission: Impossible – Fallout“ in wenigen Zeilen. Ständig ändert sich alles Mögliche, nur um dann wieder geändert zu werden. Erst hilft die CIA der IMF, dann wieder nicht. Oder doch? Das ursprüngliche Ziel der Mission ist drei nukleare Sprengköpfe sicherzustellen. Zehn Minuten später geht es darum, den Bösewicht des letzten Films zu befreien. Ist nicht die blonde Frau, die aussieht und spielt als wäre sie bei GNTM nur Vierte geworden, die Bösewichtin? Nein, das ist der Herr aus dem letzten Film, den die Geheimdienste nun auf Welttournee geschickt haben.
 
Oder ist Supermann mit dem Proletenschnauzer vielleicht der Bösewicht? Oder doch Tom Cruise? Was macht seine Exfrau in diesem Film? Und was ist aus der Deadline von 72 Stunden geworden? Am Anfang haben doch alle dauernd von einer Frist von 72 Stunden gesprochen. Warum jetzt nicht mehr? Und wozu sehen wir Wes Bentley in einer Rolle, die man ersatzlos streichen könnte?
 
 
Ich behaupte, nicht einmal Drehbuchautor und Regisseur Christopher McQuarrie („Jack Reacher“ und „Mission: Impossible – Rogue Nation“) könnte die Handlung seines Films in wenigen Zeilen wiedergeben. Vermutlich war das, was man für diesen Film als Drehbuch verwendet hat, ohnehin bereits die Zusammenfassung. Denn es fühlt sich an, als hätte man hier mehrere Filme irgendwie in einen gepackt. Natürlich ist der neue Film mit fast zweieinhalb Stunden länger als alle vorhergegangenen Teile. Aber im Gegensatz zu vielen anderen überlangen Blockbustern fühlt sich „M:I – Fallout“ nie zu lang an. Dazu passiert einfach zu viel. Und wir bekommen zu viel zu sehen.
 
In zweieinhalb Stunden um die Welt …
 
Dieser Film spielt in Irland, Deutschland, Paris, London und Kaschmir. Gedreht wurde unter anderem auch in Neuseeland, obwohl Neuseeland im Film gar nicht vorkommt. Keine Ahnung, wo das noch hinführen soll. Wenn die Macher dieser Serie so weiter machen, muss Teil sieben auf dem Mond gedreht werden und Teil acht in Mittelerde.
 
Aber wie mein Opa immer zu sagen pflegte, „Wenn’s gut gemacht ist …“. Und es ist eben fast alles gut gemacht in diesem Film. Ein Halo-Sprung über Paris ergibt zwar gar keinen Sinn, ist aber (nicht nur für die Springer) atemberaubend gestaltet. Wenn ich das nächste Mal über Paris aus einem hochfliegenden Flugzeug springe, versuche ich sicher auch auf dem hell erleuchteten Grand Palais zu landen. Das sieht einfach zu schön aus.
 
London war sicher schon Schauplatz unzähliger Agentenfilme. Aber kaum jemals wurde die Stadt besser in Szene gesetzt, als während der Verfolgungsjagd die unter anderem durch, über und auf die St. Paul’s Cathedral und die Tate Modern führt. Allein die letzte Einstellung vom Turm der Tate Modern ist - im wahrsten Sinne des Wortes - ganz großes Kino.
 
01 ©2018 Paramount Pictures02 ©2018 Paramount Pictures03 ©2018 Paramount Pictures04 ©2018 Paramount Pictures
 
Ganz großes Kino
 
Bezeichnend für diesen Film ist eine Szene in der ein Hubschrauber abstürzt. Dieser Hubschrauber stürzt nicht einfach ab. Nein, er wird von einem anderen Hubschrauber im Flug gerammt, stürzt dann ab, liegt auf einem verschneiten Hang, fängt an zu rutschen, stößt im Schnee nochmal mit dem anderen abgestürzten Hubschrauber zusammen, stürzt über einen Abhang, bleibt in einer Felsspalte stecken, rutscht weiter, bleibt wieder in der Felsspalte stecken, rutscht weiter, das wiederholt sich noch mehrmals (ich habe irgendwann nicht mehr mitgezählt), stürzt über einen weiteren Abhang, bleibt mit einem Seil an einem Felsvorsprung hängen, stürzt wieder ein bisschen ab, bleibt mit dem Seil nochmal an einem Felsvorsprung hängen und das alles während Tom Cruise mit einem der Bösewichter minutenlang in und um diesen Hubschrauber herum kämpft. Diese Szene ist komplett durchgeknallt, aber so brillant gemacht, dass sie trotzdem irgendwie funktioniert. Und das Gleiche kann über den ganzen Film gesagt werden.
 
Das Team
 
Ich habe vorhin vermutet, niemand könne die Handlung dieses Films in wenigen Sätzen wiedergeben. Tom Cruise als Ethan Hunt könnte es. Tom Cruise kann in diesem Film alles. Er kann einen Multiabsturz eines Hubschraubers überleben. Er kann schneller ziehen und schießen als 4 (in Worten; vier) Profikiller, wie einst Lucky Luke bei den Daltons. Er kann schneller laufen als jeder andere Agent, kann von Gebäude zu Gebäude springen, mit dem Motorrad an exakt der richtigen Stelle stürzen um ein Boot in einem Kanal unter Paris zu erwischen, … der Mann kann einfach alles.
 
Vermutlich könnte er sogar sagen, warum zwischen „Mission“ und „Impossible“ ein Doppelpunkt stehen muss. Ein kleiner Wermutstropfen ist die Art, wie Cruise in manchen seiner Szenen aussieht. Tom Cruise ist mittlerweile Mitte Fünfzig und offenbar fest entschlossen, niemals wie Mitte Fünfzig auszusehen. Und statt in Würde alt zu werden, trägt er mittlerweile ein Gesicht, das an das einer mittelalten Sportlehrerein erinnert. Und zwar die Art Sportlehrerin, die immer einen Trainingsanzug und eine Pfeife um den Hals trägt und großen Wert darauf legt, die Schülerinnen vor allem in der Umkleide ganz genau im Auge zu behalten. Aber das ist vielleicht nur mein Eindruck.
 
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Henry Cavill muss als CIA-Agent eine Gesichtsbehaarung tragen, wie man sie sonst vor allem in Nachmittagstalkshows zu sehen bekommt. Falls damit einer seiner Co-Stars und Produzenten (ich sage nicht welcher) dafür sorgen wollte, dass der Superman-Darsteller nicht zu attraktiv wirkt, ist der Schuss aber nach hinten losgegangen. Cavill zeigt eine enorme Präsenz. Nur seinetwegen ist dieser Film, als erster in der Reihe, keine one-man-show für Tom Cruise.
 
Ving Rahmes, Simon Pegg und Rebecca Ferguson verteilen wieder die Stichworte und gehen Tom Cruise zur Hand. Alec Baldwin macht, was er schon im letzten Film gemacht hat. Sean Harris kann einem in seiner Rolle als Solomon Lane leidtun.
 
Und das Talent der großen Angela Bassett wird nutzlos verschwendet in einer der dümmsten Rollen, die je auf der Leinwand zu sehen war. Man weiß ja, dass Ahnungslosigkeit die CIA noch nie von schwerwiegenden Entscheidungen abgehalten hat. Aber die CIA-Chefin in „M:I – Fallout“ braucht dringend professionelle Hilfe.
 
Fazit
 
Natürlich ist fast alles an „M:I – Fallout“ ebenso übertrieben wie sinnlos, aber gleichzeitig eben auch ganz hervorragend und mit großem Aufwand gemacht. Offensichtlich wurden keine Kosten gescheut, vor allem keine Reisekosten. Und so bekommen wir hier einen hervorragenden Film aus dem neuen Sub-Genre „Agenten-Tourismus-Action-Blockbuster“ zu sehen.
 
 
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