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*** Pokemon: Meisterdetektiv Pikachu ***


pmdp kritik

Autor: Walter Hummer
 
„Ich will der allerbeste sein, wie keiner vor mir war“ hieß es immer am Beginn der Pokémon-Fernsehserie. Die Macher des ersten Realfilms aus der Welt der Taschenmonster hatten offensichtlich nicht so hohe Ansprüche an sich selbst.
 
Komm‘ schnapp sie Dir
 
Tim Goodman ist der junge Held eines Kinofilms und musste daher ohne vollständigen Satz Eltern aufwachsen. Seine Mutter starb als er elf Jahre alt war, sein Vater zog daraufhin nach Ryme City um dort zusammen mit einem Pikachu als Polizist Dienst zu schieben. Tim wuchs bei seiner Großmutter auf und arbeitet mittlerweile bei einer Versicherung. Eines Tages erfährt er vom Tod seines Vaters. In Ryme City angekommen, lernt er das sprechende Pikachu seines Vaters kennen. Zusammen klären die beiden nicht nur den Mord an Tims Vater auf …
 
Pokémon, die Taschenmonster, wurden 1996 für den Gameboy erfunden. Danach gab es weitere Spiele für sämtliche Nintendo-Konsolen, eine Anime-Serie, Sammelkartenspiele, eine Reihe von Animationsfilmen und jede Menge Merchandisingprodukte vom T-Shirt bis zum Kaugummi. Ursprünglich gab es mal 150 Pokémon, dann 151 und mittlerweile gibt es mehr als 800 von ihnen.
 
 
Ich lern von Dir und Du von mir
 
Jeder Leser, dem auch nur einer der Fakten aus dem letzten Absatz neu war, kann sich die Idee, sich „Pokémon: Meisterdetektiv Pikachu“ im Kino anzusehen, gleich aus dem Kopf schlagen. Das wäre im wahrsten Sinne des Wortes witzlos. Weil meine älteste Tochter bereits vor bald zwanzig Jahren ein Pokémon-Fan war, weiß ich mehr über die Viecher als die meisten Männer meines Alters. Trotzdem habe ich mir nach der Pressevorführung einige der Gags von meiner Tochter erklären lassen müssen (Soll das Kind ruhig endlich mal was für seinen alten Vater tun … bevor sie mich demnächst pflegen darf).
 
Wer also nicht mindestens die rote und blaue Edition, die goldene und silberne, Rubin, Saphir, Diamant und Perl gespielt hat, bevor er dann über die schwarze und weiße Edition irgendwann zu Pokémon-Go gelangt ist, kann diesen Film getrost vergessen. Selten ist ein Film im Kino angelaufen, der so exklusiv für eine Fangemeinde gemacht wurde. Er ist wie einer dieser Fanfilme auf youtube zu „Star Wars“, „Star Trek“ oder einem anderen Franchise. Diese Filme sind teilweise überraschend aufwendig gemacht und teilweise recht originell. Aber komplett unverständlich für jeden der kein Fan ist. Eine ganze lange Szene dieses Films wird ein Gag vorbereitet, der darauf basiert, dass „Karpador“ ein komplett nutzloses Pokémon ist.
 
Wer nicht weiß, was die Attacke „Platscher“ ist, dem wird sich diese Szene nicht erschließen. Und wer nicht weiß, dass „Karpador“ sich zu „Garados“ entwickeln kann, ist buchstäblich im falschen Film. Und das war noch einer der zugänglicheren Gags dieses Films, sozusagen ein Lacher für die breite Masse. Aber selbst wenn man über das nötige Insiderwissen verfügt, sind Gags wie dieser bestenfalls halbwegs witzig.
 
Komm retten wir die Welt
 
Die Unzugänglichkeit für jeden Kinofan der sein Pokédex nicht auswendig aufsagen kann, ist nur eines von vielen Problemen dieses Films. „Pokémon: Meisterdetektiv Pikachu“ wurde von vier Drehbuchautoren verfasst: Dan Hernandez, Benji Samit, Rob Letterman und Derek Connolly. Die ersten beiden Herren haben bisher kaum etwas geschrieben, das eine nennenswerte Anzahl von Leuten kennen würde. Aber Derek Connolly war einer der Drehbuchautoren der beiden „Jurassic World“-Filme und von „Kong: Skull Island“. Die Handlung von „Pokémon: Meisterdetektiv Pikachu“ entspricht dann auch so ziemlich dem, was man von jemanden erwarten würde, der schwache Drehbücher zu mittelmäßigen Neuauflagen alter Erfolgsfilme schreibt.
 
01 ©2019 Warner Bros Pictures02 ©2019 Warner Bros Pictures04 ©2019 Warner Bros Pictures05 ©2019 Warner Bros Pictures

Nichts an dieser Story ist neu, überraschend oder auch nur gut geklaut. Die ganze Verschwörung ist aus „Zoomania“ und „I. Robot“ gestohlen. Wenn man schon Ideen stiehlt, dann doch bitte dort wo es sich lohnt. Aber doch nicht bei einem der mittelmäßigsten Disney-Filme der letzten Jahre. Und bei einem Science-Fiction-Film mit Will Smith zu stehlen, ist einfach nur erbärmlich. Das hat schon etwas von „Deine Mutter klaut bei kik.“.
 
Aber nicht nur die Handlung ist furchtbar. Auch die Gags sind leider einfach lahm. Wenn Ryan Reynolds seine Stimme einer computergenerierten Figur leiht (zwar nur im englischen Original, aber trotzdem), darf das Publikum mit gewissen Erwartungen ins Kino gehen. Diese werden aber alle enttäuscht. Die beste von vielen Textzeilen, mit denen Pikachu dauernd das Geschehen kommentiert, war noch „typisches Bösewicht-Auto“ beim Anblick eines großen schwarzen SUVs. Ob das Studio dafür wirklich Ryan Reynolds anheuern musste? Und ob den Filmfans das den Preis einer Kinokarte wert sein sollte?
 
Nur ich und Du in allem was ich auch tu
 
Aber nicht nur Ryan Reynolds Talent wird in diesem Film verschwendet. Der junge Justice Smith hat letztes Jahr eine solide Leistung in „Letztendlich sind wir dem Universum egal“ gezeigt. Hier lässt man ihn gnadenlos übertrieben eine Rolle spielen die nur aus Klischees besteht.
 
Kann mir jemand verraten, warum man einen großartigen Komödianten und fantastischen Darsteller wie Bill Nighy in einer Rolle besetzt, die nicht lustig ist und die ihn darstellerisch unterfordert? Man hätte die Rolle des kranken Konzernchefs doch einfach aus James Cromwells Outtakes aus Filmen wie „I, Robot“, „Surrogates“ oder dem letzten „Jurassic World“ zusammenschneiden können. Das wäre auch viel billiger gewesen.
 
Wenn die Talente der anderen Darsteller verschwendet waren, kann man bloß hoffen, dass es bei Kathryn Newton etwas zu verschwenden gibt. Natürlich ist ihre Rolle als Reporterin Lucy schrecklich geschrieben. Und in der Sequenz, die eins-zu-eins aus „Batman“ gestohlen wurde, hat man fast Mitleid mit ihr. Trotzdem kann man nicht ignorieren, wie furchtbar ihre Darstellung ausfällt.
 
Warum Rita Ora in diesem Film auftritt, ist unklar. Aber sie stört nicht, also was soll’s?
 
Fazit
 
„Pokémon: Meisterdetektiv Pikachu“ ist ein Film ausschließlich für Pokémon-Fans. Das wäre ja noch in Ordnung, wenn er wenigstens ein guter Film ausschließlich für Pokémon-Fans wäre. Oder wenigstens ein passabler Film ausschließlich für Pokémon-Fans. Das ist aber leider nicht der Fall.
 
 
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