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*** Lloronas Fluch ***


lfluch kritik

Autor: Walter Hummer
 
Mit „Lloronas Fluch“ kommt die mit geringem Budget produzierte lose Fortsetzung eines Ablegers einer mittelmäßigen Horror-Filmreihe in die Kinos. Das hat tatsächlich etwas von einem Fluch …
 
Unverantwortliche Erwachsene und ihre Kinder
 
Als ich sechs oder sieben Jahre alt war habe ich einen Hund zu Weihnachten bekommen. Am Vormittag des Heiligen Abends ist mein Vater mit mir in eine Kneipe gegangen. Das war noch nichts Besonderes, mein Vater hat die meisten seiner Vormittage in Kneipen verbracht. Und noch mehr Nachmittage. Und ausnahmslos alle seine Abende. Aber an diesem Vormittag des 24. Dezember hat er einer Kneipenbekanntschaft einen Welpen abgekauft.
 
Arek war der liebste und beste kleine Hund auf der Welt. Er kann nicht älter als wenige Wochen gewesen sein und war damit sicher zu klein, um von seiner Mutter getrennt zu werden. Er war so winzig, dass ich ihn in meiner Jacke heimtragen konnte. Meine Mutter hat dann auch gleich einen Anfall bekommen. Ich weiß, viele Leute sagen Dinge wie, „sie hat einen Anfall bekommen“ und meinen bloß, jemand hätte sich über etwas aufgeregt. Aber meine Mutter hatte tatsächlich einen Anfall. Sie schrie, sie tobte, sie schrie etwas lauter, sie schlug um sich, sie schrie noch etwas mehr, sie schlug Sachen zusammen, schrie noch etwas mehr und lauter, bevor es dann wirklich schlimm wurde.
 
 
Mein Vater hatte mir zuvor aufgetragen, meiner Mutter zu sagen, der Hund würde immer so klein bleiben. Nun war meine Mutter zwar emotional eher unstabil, aber nicht dumm. Sie wusste, man kann an den Pfoten eines Welpen erkennen, wie groß der Hund sein wird wenn er ausgewachsen ist. Jede einzelne von Areks Pfoten war größer als sein Kopf. Der Hund war ein Mischling aus einer Deutschen Dogge und irgendeinem anderen Hund, der sich vermutlich von Deutschen Doggen ernährt hat. Kurze Zeit später war Arek größer als ich. Ein Jahr später war er größer als mein Vater.
 
Diese Geschichte über den absoluten Höhepunkt meiner Kindheit hat nichts mit dem neuen Film „Lloranas Fluch“ zu tun. Gar nichts. Nicht das Geringste. Absolut gar nix. Aber was soll man als Kritiker schon schreiben, über den sehr mittelmäßigen neuesten (aber sicher nicht letzten) Beitrag zu einer mittelmäßigen Serie von Horrorfilmen? Die Geschichte von „Lloranas Fluch“ ist kein bisschen originell, dafür aber vorhersehbar und ohne jede Spannung. Nichts was in diesem Film gezeigt wird, ist auch nur irgendwie überraschend, witzig oder auch nur ein kleines bisschen interessant.
 
Da erzähle ich doch lieber von meinem Hund. Da haben die Leser mehr davon. Meine Hundegeschichte ist wenigstens halbwegs interessant (immerhin haben wir gelernt, dass man an den Pfoten von Welpen erkennen kann, wie groß sie später werden) und sie ist halbwegs witzig, weil sie eine Pointe hat. Beides kann man von „Lloranas Fluch“ nicht behaupten. Die einzige Gemeinsamkeit zwischen meiner Geschichte und dem Film sind unverantwortliche Erziehungsberechtigte.
 
Los Angeles 1973
 
Die von Linda Cardellini gespielte Anna arbeitet zwar selbst für das Jugendamt, ist aber so ziemlich die furchtbarste Film-Mutter seit Faye Dunaway in „Meine liebe Rabenmutter“. Die Familie gerät nur deshalb unter den Einfluss des Fluchs weil Anna ihre Kinder spätnachts an den Fundort von zwei Kinderleichen mitnimmt. Der Film erwähnt zwar nie, wie alt Annas Kinder sind, aber ich würde mal sagen, das Mädchen und auch ihr Bruder sind deutlich zu jung um zu Leichenfundstellen mitgenommen zu werden.

01 ©2019 Warner Bros Pictures02 ©2019 Warner Bros Pictures03 ©2019 Warner Bros Pictures04 ©2019 Warner Bros Pictures
 
Später bemerkt die ausgebildete Mitarbeiterin des Jugendamtes die Verletzungen am Arm ihres Sohnes nicht, die ihm vom Lloranas Geist zugefügt wurden. Als ihre Tochter dann auch solche Verletzungen am Arm hat, lässt sich die Mutter von der Tochter erklären, sie sei gefallen und glaubt das auch noch. Als eine Kollegin des Jugendamts dann ihre Kinder befragt, versteht Anna nicht, warum sie bei der Befragung nicht dabei bleiben darf. Warum Anna sich so dumm anstellt, erfahren wir im Film nicht.
 
Die Liste von Fragen, die der Film nicht beantwortet ist ohnehin lang. Warum wird eine Sozialarbeiterin überhaupt spätnachts zu einem Leichenfund gerufen? Warum ist sie an der Mordermittlung beteiligt? Warum müssen Annas Kinder nur in der ersten Szene in die Schule gehen und danach für den Rest der Handlung nicht mehr? Und wie groß ist eigentlich der Pool hinter dem Haus?
 
Und woher kommen die verschiedenen Figuren lateinamerikanischer Abstammung? Wir erfahren, dass Llorona aus Mexiko stammt (auch wenn das Land 1673 noch gar nicht Mexiko hieß). Aber was ist mit den anderen Figuren? Kulturelle Vielfalt in Filmen ist etwas Großartiges. Aber wir haben hier einen Film dessen Protagonisten hauptsächlich Latinos sind und wir erfahren nichts über ihre Herkunft. Der Schauspieler Raymond Cruz ist mexikanischer Abstammung, die Darstellerin Patricia Velásquez stammt aus Venezuela. Meinen die Filmemacher, die Leute von jenseits der Grenze (oder demnächst „jenseits der Mauer“) wären alle gleich?
 
Und was will Lloronas Geist überhaupt? Wir bekommen mehrmals erklärt, Lllorana sucht Ersatz für ihre eigenen Kinder, die sie vor dreihundert Jahren ertränkt hat. Aber sie hat doch schon zu Beginn des Films zwei Kinder zu sich geholt. Und im Verlauf des Films ist sie unzählige Male mit Annas Kindern allein und hätte sie sich leicht holen können. Worauf wartet Llorana also? Wir wissen, sie ist über dreihundert Jahre alt. Aber muss sie sich deshalb so viel Zeit lassen?
 
Im Film sehen wir in Dutzenden Szenen wie eine Figur den Geist ein- oder aussperren will, indem sie verzweifelt eine Tür gegen Lloronas Widerstand zudrückt oder – zieht. Aber immer wieder wird gezeigt, dass physische Barrieren wie Türen und Wände für den Geist gar keine Bedeutung haben. Warum muss Llorona dann doch immer wieder an Türen drücken oder ziehen? Warum kann man Lloronas eigenes Medaillon gegen sie einsetzen? Und warum liegt die Puppe der Tochter plötzlich draußen vor dem Haus?
 
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Superfly
 
Die Handlung des Films ist sogar gemessen am Standard von Horrorfilmen uninspiriert. Der Rest des Films ist nicht besser. Ja, ein paarmal erschrickt man, wenn Llorona plötzlich auftaucht. Die Kameraleute, Beleuchter und Cutter die an dem Film mitgewirkt haben, wissen wie sie ihren Job zu erledigen haben. Mehr aber auch nicht. Und irgendwann nach dem zehnten oder fünfzehnten plötzlichen Auftauchen des Geistes hat sich der Schockeffekt auch abgenutzt.
 
Das Makeup des Geistes ist in Ordnung, aber nichts das Cosplayer demnächst kopieren werden. Die computergenerierten Effekte waren offensichtlich nicht sehr teuer. Der Look des Films wirkt professionell, aber auch nicht mehr. Der Film spielt 1973. Aber abgesehen von den Autos und Fernsehern und der Jacke einer Nebenfigur beschwört nichts diese Zeit herauf. Ein einziger Song aus der Zeit und eine Wiederholung von Scooby-Doo lassen keine Stimmung aufkommen.
 
Fazit
 
„Lloronas Fluch“ ist der preiswert produzierte, am wenigsten originelle Beitrag zu einer wenig originellen Reihe von preiswert produzierten Horrorfilmen. Der Film hat nichts, was ihn irgendwie interessant machen würde. Vielleicht hätten die Filmemacher einen Hund in den Film schreiben sollen. Hundegeschichten sind immer interessant ….
 
 
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