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***Florence Foster Jenkins***

 ffj kritik
 
Autor: Sascha Fersch
 
Florence Foster Jenkins ist ein stimmiger Film über eine facettenreiche Frau. Meryl Streep spielt in der Hauptrolle mal wieder so gut, dass ihr die Oscar-Nominierung fast sicher ist. Aber auch alle anderen Darsteller setzen eine anrührende Geschichte wunderbar leichtfüßig in Szene.
 
Genug Gesprächsstoff für zwei Filme
 
Nachdem letztes Jahr bereits die Franzosen eine Version dieser Geschichte verfilmt hatten, versuchen nun die Briten ihr Glück, dieser wahrhaft schillernden Persönlichkeit gerecht zu werden. Selten hat man die Möglichkeit so zeitnah zwei unterschiedliche Herangehensweisen an den selben Stoff sehen. Man kommt aber nicht umhin, die jetzige Erzählweise erfrischender zu finden und irgendwie schlicht runder.
 
Es geht um eine betuchte Dame, deren Liebe zur Musik sich nicht nur in ausgeprägten Spenden manifestiert. Vielmehr träumt sie selbst von der großen Bühne und einer Karriere als Sängerin. Trotz langjährigem Unterricht ist ihre Begabung allerdings offensichtlich bescheiden, was nur sie selbst nicht erkennt. Sie lässt sich demnach auch nicht davon abhalten sich wiederholt einem Publikum zu präsentieren. Ihr um Schadensbegrenzung bemühter Ehemann, wie immer charmant gespielt von Hugh Grant, sucht aber die jeweiligen Zuschauer eigenhändig aus, um die Illusion aufrechtzuerhalten.
 
Der neue, blutjunge Konzertpianist (Simon Helberg) ist mehr als überrascht wie lange diese Farce schon bestand hat, lässt sich aber schließlich auch auf das Spiel ein. Unkontrollierbar wird die Situation erst, als Florence beschließt, in der Carnegie Hall zu singen und sogar 1000 Karten an Kriegsveteranen verschenkt. Überschattet werden die Vorbereitungen zu dem Auftritt zudem durch die zunehmenden gesundheitlichen Problemen der Sängerin. Doch die Liebe zur Musik bringt ihre ganze Willenskraft zum Vorschein.
 
 
Ein ganzer Strauß an Gefühlen
 
Sehr geschickt ist dabei auch die Handlung gebaut (Buch: Nicolas Martin), es gibt viel Licht und Schatten, mit reichen Farben zeichnet er die Charaktere, ohne sich in eindimensionaler Darstellung zu verlieren. Die oftmals heitere Geschichte wird durch emotionale Momente geschickt konterkariert ohne aufgesetzt zu wirken. Wenn zum Beispiel der Ehemann allzu blumig daher redet unterbricht ihn die wunderbar aufgelegte Meryl Streep sehr lakonisch mit dem Satz: „Ich glaube ich möchte jetzt lieber ein Buch lesen“ solche Zeilen zeugen von gekonntem Storytelling.
 
Auch die Darsteller sind natürlich perfekt gewählt, Hugh Grant spielt so wunderbar süßlich wie immer, was in diesem Film dazu führt das er selbst als Heiratsschwindler noch unsere Sympathie hat. Meryl Streep hat den Schrank ohnehin voll von Oscars, doch ihr Wille auch abgründige Facetten der Figuren zu ergründen scheint ungebrochen. Simon Helberg, vielen bekannt als Wolowitz aus der Serie Big Bang Theory, nähert sich hier dem seriösen Spiel an. Fast immer schafft er es, seine durchaus expressiven Gesichtsausdrücke zu zügeln ohne sein Gespür für Pointen zu verlieren.
 
Das Buch ist gut geschrieben, die Besetzung ist gelungen (Regie: Stephen Frears) und das Ergebnis dementsprechend durchweg spannend, gefühlvoll sowie unterhaltsam geworden. Möchte man böse sein, könnte man dem Film zwar gefälliges Erzählen vorwerfen, doch von der Banalität anderer Hollywoodkomödien ist er meilenweit entfernt. Die französische Bearbeitung von 2015 hingegen scheiterte daran, diese Geschichte unterhaltsam aufzubereiten und wirkte mit fast drei Stunden Spielzeit ein wenig überfrachtet.
 
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Zwischen Lachen und Weinen
 
Es soll ja Menschen geben die noch nie bei einem Film geweint haben, doch wer nur etwas emphatisch ist sollte sich auf ein paar Tränen einstellen. So absurd diese überlebensgroße Geschichte scheint, beruht das meiste auf wahren Begebenheiten und wird dadurch fast tragisch. Man weiß nicht welcher Weg der richtigere wäre, die Frau in ihrem Glauben und damit ihrem Glück zu lassen, oder ihr doch die Wahrheit mitzuteilen und sie damit vielleicht dem Tode zu weihen.
 
Dieses moralische Dilemma lässt sich nur von Dieter Bohlen auf RTL zufriedenstellend lösen, doch umso schöner ist es, hier das Problem etwas stilvoller anzugehen und den Protagonisten zumindest bei dem Versuch zuzusehen. Selbst das New York der 30er Jahre wird angenehm zurückhaltend zum Leben erweckt (Kamera: Danny Cohen). Nur ganz am Ende konnte Meryl Streep ihre Eitelkeit nicht ganz zügeln und hat noch einmal gezeigt, dass sie sich gesanglich durchaus von ihrer Rolle unterscheidet, was aber immerhin in den Kontext der Handlung eingebunden ist.
 
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Fazit
 
Ein großartiger Film zum Lachen und Weinen, mit einer erfrischend anderen Geschichte, leichtfüßig erzählt doch mit viel Tiefgang. Ein großes Vergnügen für Musikliebhaber und sogar die Leute die gerne bei DSDS die Kandidaten auslachen. Unbedingt anschauen. Danach ist man versucht auch selbst mal ein klassisches Konzert geben, zumindest unter der Dusche.
 
 
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